Jahrgang 
1857
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180 Die Camarilla in Spanien.

Zurück! wiederholte der Soldat drohend.

Krakowsky zog ſeinen Säbel und ſtieß das Gefäß dem Garde du Corps in das Geſicht, daß ihn das Blut deſſelben beſpritzte.

Der Soldat holte aus, jedoch der Pole ſtieß ihn völlig die Treppe hinunter und warf ſich mit der ganzen Schwere ſeines Körpers gegen die Thür, daß ſie krachend zertrümmerte.

Unterzeichnet! hörte er aus dem Neben⸗ zimmer die Stimme des Juſtizminiſters erſchallen, und wie die erſte Thür, fiel auch die zweite unter der Wucht ſeines Körpers.

Krakowsky ſtand auf der Schwelle.

Der Anblick, welcher ihm jedoch hier ward, war ihm eben ſo neu als eigenthümlich. In dem Gemache des Königs befand ſich zunächſt dieſer ſelbſt, im Nachtkleide, umgeben von den fünf Miniſtern, von denen Lozano ein Papier vor dem Könige ausgebreitet und die Uebrigen drohend die Hand an ihre Waffen gelegt hatten, von dem Herzoge von Alagon, dem Prokurator, welche beide dem Akte unthätig zuſahen, und endlich von dem Herzoge San Fernando, welcher bleich und mit gefalteten Händen neben dem Könige ſtand.

Unterzeichnet, Majeſtät! wiederholte der Juſtizminiſter, als der Pole erſchien, während Ferdinand zitternd und bleich, als ſuche er Hülfe, ſeinen Blick im Zimmer umhergleiten ließ.

Der Pole hatte nur einer Sekunde bedurft,

um zu wiſſen, was er zu thun habe. Ihr habt vergeſſen, Seiner Majeſtät eine Feder zu reichen! rief er, in das Zimmer ſtür⸗ zend; hier iſt ſie!

Krakowsky! rief der König.

Der Pole!l ſchrieen die Uebrigen, und der Herzog von Alagon zog den Degen.

Ein Hieb in das Geſicht war die Antwort und die Verräther verſuchten zu entfliehen.

Doch an dem andern Ausgange erdröhnten heftige Schläge und durch die ſtürzende Thür drang Don Salo mit einem Stoße von Papieren in der Hand herein, gefolgt von Garde du Corps.

Eure Ordres, meine Herrenl rief er jenen erſten zu.

Doch die Miniſter und ihre Mitſchuldigen

unaufhaltſam eilten ſie hinaus, indem der Pro⸗ kurator den verwundeten Alagon mit ſich fortriß.

Man alarmirte ſofort das Schloß.

Bevor jetzt noch Jemand anders erſchien, ward dem Herzog San Fernando vom Könige die Bil⸗ dung eines neuen Miniſteriums übertragen.

Den Polen ernannte der König zum General.

Einer der erſten aber, welche jetzt erſchienen, war der Infant Don Carlos.

Was höre ich, Eure Majeſtät! rief er, indem er auf den König zueilte und ihn umarmte, welch ein ſchändliches Verbrechen wäre faſt ver⸗ übt worden, und man hat ſich unterſtanden, mei⸗ nen Namen dazu zu mißbrauchen.

Der König erwiederte die Umarmung des Infanten nicht, ſondern antwortete:

Es iſt einmal nicht anders, die Namen der Könige und Prinzen ſind dazu da, um ge⸗ mißbraucht zu werden; indeſſen ſprechen wir nicht weiter darüber.

Nachdem das Schloß beſetzt worden, begannen die Verhaftungen.

Entkommen waren indeſſen und flohen über Hals und Kopf noch während der Nacht aus den Thoren der Stadt: Lozano, Imaz, Mata⸗ florida und die beiden andern Miniſter, Ugarte, deſſen Tochter, die trotz der Beſtimmung Kra⸗ kowsky's von den Dienern Don Salo's in ihrer Beſtürzung nicht aufgehalten worden war, Alagon, Ramirez, der Graf Punon de Roſtro, die Patres Manrique, Bencomo und Cerilo; Escoiquitz, Monte Negro und Valdemierez wurden verwieſen. Valdes, der ebenfalls erſchienen war, beſchuldigte den General O'Donnel der Theilnahme am Kom⸗ plotte. Dieſer ward jedoch nicht verhaftet.

30. Ein froher Neujahrstag.

Madrid hatte, während die letzten Ereigniſſe vor ſich gingen, im tiefſten Schlafe gelegen, und erwachte erſt verhältnißmäßig ſpät, weil es ſpät Tag ward. Denn die Flucht der Verſchwörer,

hatten nur einen Gedanken, den der Flucht, und] die Alarmirung einiger Regimenter berührte nur