Jahrgang 
1857
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18 Uheinsberg.

erblickte in einem Spiegel Fouqué und Budden⸗ brok, den Erſteren träumend, den Letzteren ſchla⸗ fend. Er mußte laut auflachen, als er das gut⸗ müthige Geſicht Buddenbrok's ſah, der noch immer den Degen in der Hand hielt.

Nun, ſte ſcheinen aber nicht gar zu ängſt⸗ lich zu ſein, ſagte er ſcherzend. Aber wie iſt es mit dieſem Spiegel? Die Einrichtung ſcheint ſehr kunſtvoll zu ſein.

Sie iſt ſehr einfach, erwiederte der Greis. Durch einige Spiegel, die ich in der richtigen Lage angebracht, kann ich Alles ſehen, was rings herum vorgeht. Schau hinein, mein Sohn!

Er drückte an einer Feder, und als der Kron⸗ prinz wieder durch das runde Glas ſah, erblickte er in dem Spiegel den Rücken des Höhenzuges, auf welchem vorhin das Vorpoſtengefecht ſtattge⸗ funden, die Gegenſtände waren allerdings nur klein. Je länger er aber hinſah, deſto deutlicher wurden ſie vor ſeinem Auge und er konnte die Zelte der Preußen und Oeſterreicher deutlich er⸗ kennen.

Sehr gut! rief er verwundert. Und da drüben iſt Alles wieder in Ordnung. Selbſt die Franzoſen haben nicht die Courage gehabt, vor⸗ zugehen. Nun, es ſei! Es wird eine Zeit kom⸗ men, in der meine Preußen nicht ſo ruhig da⸗ ſtehen werden..

Dann aber werden ſie für eine beſſere Sache kämpfen, ſagte der Greis. In dieſem Kriege muß man Blutvergießen vermeiden. Denn was liegt daran, ob ein Stanislaus oder Auguſt auf dem Throne von Polen ſitzt? Freilich, Du wirſt einen ſchwereren Kampf zu beſtehen haben. In Dir ahnen und fürchten ſie den emporfliegenden Adler, und ſchon brüten ſie über einem Plane, das junge Reich, das Deine Ahnen geſchaffen, zu zerſtören. Du wirſt ganz Europa Dir gegenüber ſehen. Dann wird es einen männlichen Kampf koſten, mein Sohn! Aber die Vorſehung wird Dich beſchützen!

Sie verkünden mir alſo, daß ich ſiegen

werde? rief Friedrich, ſich haſtig zu dem Greiſe

wendend. Ja, ich verkünde es Dir, antwortete die⸗ ſer. Und nun kehre zu den Deinen zurück, denn

man wird um Dich beſorgt ſein. Dein Vater wird ſich ängſtigen.

Zurückkehren? ſagte der Prinz, wie aus einem Traume erwachend. Ich wäre gern hier⸗ geblieben. Ich habe mich nie ſo wohl und hei⸗ miſch gefühlt.

Ein Zeichen, daß Dein Herz gut und un⸗ verdorben iſt, ſagte der Greis. Doch jetzt geh!

Und erlauben Sie mir zurückzukehren, mor⸗ gen vielleicht ſchon? fragte Friedrich.

Ich würde es Dir gern geſtatten, ant⸗ wortete der Alte. Aber es ſind Feinde in dieſem Hauſe.

Ja, das hatte ich ganz vergeſſen, die Fran⸗ zoſen! rief Friedrich. O, ich werde ſie von hier verjagen laſſen. Hoffentlich werden wir nicht mit ihnen in Berührung kommen, wenn wir das Schloß verlaſſen. Wie ſtark ſind ſie?

Ich weiß es nicht, erwiederte der Greis. Ich kümmere mich nicht um ſie. Ich lebe ab⸗ geſchieden von ihnen in dieſen Theilen meines Schloſſes, die nur auf Wegen zugänglich ſind, die Niemand kennt. Ich laſſe ſie thun, was ſie wol⸗ len. Wären es Preußen oder Oeſterreicher, ſo würde ich ebenſo handeln, denn ich kenne den Haß und die Feindſchaft der Völker nicht. Ich kenne nur Menſchen, und dieſe Menſchen ſollten Brüder ſein, nicht Feinde. Auch kann ich Dir nicht ſagen, welches Schickſal Dir bevorſteht, wenn Du mich verlaſſen haſt. Ich werde Dich nicht begleiten. Mich kümmert es nicht, was mit Dir dort draußen geſchieht. Nur hier, in meinem Heiligthume, biſt Du mein Freund, und der Jüng⸗ ling, den ich mit Theilnahme und Liebe empfange.

Güt, ſagte Friedrich, wir werden ſchon mit dieſen Franzoſen fertig werden. Aber wenn auch Sie die Feinde nicht fürchten ſind Sie nicht beſorgt, Lucindens wegen? Es iſt ein ſchö⸗ nes Mädchen und die Franzoſen ſind bekannt als galante Kavaliere.

Mein Sohn, erwiederte der Alte lächelnd,

darum bekümmere ich mich nicht. Was geſchehen

nicht ſchützen, wenn ſie ſich nicht ſelber ſchützt. Dann ſind Sie ein Fataliſt und glauben an Vorherbeſtimmungl ſagte der Kronprinz.

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