Jahrgang 
1855
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Brief leſend, Brie

Der Stern Amerika's. 11

mich darauf ſchließen, daß dieſe Landung in der Bai von Gravoſa, oder in der Nähe von Rosgietto und Val d'Ombla bewerkſtelligt werden wird. Es handelt ſich, wie ich ver⸗ muthe, um eine Waffenſendung für die Monte⸗ negriner, und das Fahrzeug, das dieſelbe über⸗ bringt, ſoll unter amerikaniſcher Flagge ſegeln. Ich überlaſſe es Ihrer Umſicht und dem Eifer des Ihnen anvertrauten Detachements, die Landung dieſer Waffen zu verhindern. Noch mehr Gewicht aber lege ich darauf, einiger ver⸗ dächtiger Perſonen habhaft zu werden, die bei dieſem Unternehmen betheiligt ſind. Scheuen Sie kein Mittel, dieſe Perſonen in Ihre Ge⸗ walt zu bringen und beſetzen Sie im Nothfall ſogar das Fahrzeug. Morgen in aller Frühe erwarte ich Ihren perſönlichen Rapport.

Der Rath lächelte, nachdem er den Brief ge⸗ leſen, zerriß ihn dann in kleine Stücke, die er eines nach dem anderen an der Flamme des Lämp⸗ chens verbrannte, und wendete ſich darauf zu den Morlacken, die mit einer Art neugieriger Scheu ſein Benehmen betrachtet hatten.

Hier, das wirſt Du irgendwo aber weit von hier an einen ſicheren Ort legen, wo es Niemand findet! ſagte er zu Pero und überreichte ihm die Taſche, in welcher die De⸗ peſche eingeſchloſſen geweſen. Nach dieſem Ge bäude dürft Ihr nicht mehr zurückkehren. Ihr müßt ein anderes wählen, weil man hier Nach⸗ forſchungen halten könnte. Niemand darf wiſ⸗ ſen, daß Ihr hier geweſen. Dann vorwärts!

Ein deutlicher Wink begleitete dieſe Worte, und in wenigen Minuten hatten die Morlacken jede Spur vertilgt, die auf die frühere Anwe⸗ ſenheit von Menſchen in dieſem Gebäude ſchlie⸗ ßen ließ. Die Thuͤren wurden zerbrochen und aus den Angeln geboben, der Fußboden aufge⸗ riſſen, der Kamin mit Steinen verſetzt. Die Lampe nahm einer von den Morlacken. Dann verließen die Vier das Haus, und im ſchnellen Laufe ging es nun über die Felſen und Berge in nordöſtlicher Richtung vorwärts. Die Mor⸗ lacken eilten voran, um dem Rath den Weg zu zeigen, und dieſer folgte mit einer Behendigkeit, die am beſten verrieth, daß er mit dergleichen

Strapazen vertraut ſei. Noch war es finſtere Nacht und nach zwei Stunden hatten ſie ihr Ziel erreicht.

Nach einigen Wochen las man in einer amerikaniſchen Zeitung unter der RubrikTür⸗ kei Folgendes:

Es ſcheint, als ſtrebe der junge Wladika von Montenegro, Danilo Petrovich Niegoſch, noch ernſtlicher als ſein Oheim nach einer vollſtändigen Losreißung Montenegro's von der türkiſchen Oberherrſchaft, während man in Konſtantinopel andererſeits den Augen⸗ blick für günſtig hält, die alten Hoheitsrechte der Pforte über das kleine, trotzige Land wieder zur Geltung zu bringen. Beide Theile rüſten, wie man hört, im Stillen, und Ruß⸗ land ſoll die Pläne des jungen Wladika, der vor Kurzem Petersburg beſuchte, begünſtigen.

Man ſpricht ſogar von der Anweſenheit ruſ⸗ V ſiſcher Agenten in jenen Gegenden. Doch iſt es der öſterreichiſchen Regierung in Dalma⸗ tien, der ſo viel daran gelegen ſein muß, V einen Ausbruch der Feindſeligkeiten zu ver⸗ hiindern, bis jetzt noch nicht gelungen, dieſen

Agenten auf die Spur zu kommen. Man

ſpicht Vieles über dieſen Gegenſtand; aber

das Meiſte dürfte weit von der Wahrheit entfernt ſein. Thatſache iſt dagegen, daß die

Montenegriner Zufuhr von Waffen erhalten

haben. Ob von Rußland, von Amerika oder

von welchem Lande ſonſt aus, hat ſich nicht ermitteln laſſen, und wird auch wohl ein Ge heimniß bleiben.

Es war am früheſten Morgen nach jener Nacht, als ein kleines, einmaſtiges Küſtenboot, den friſchen Morgenwind benutzend, an der Bai von Gravoſa vorüberflog, die Landſpitze zwiſchen Raguſa und Gravoſa zur Linken liegen ließ und mit vollen Segeln auf Raguſa zuſteuerte. Außer den beiden Schiffsleuten befand ſich nur ein dritter Mann in dem Fahrzeuge. Es war der Rath. Er ſaß auf einer breiten Bank im Hintertheil deß Bootes, in der Nähe des Steuer⸗ manns. Den Mantel hatte er zurückgeſchlagen,

da der Morgen warm genug war, um einen