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ſicht Deine Liebe und meine Achtung verdient. Ich habe ihn aufmerkſam beobachtet und viele ſchätzenswerthe Eigenſchaften an ihm wahrge⸗ uommen. Der Himmel hat mir das Glück, einen Sohn zu haben, verſagt, und in ihm hoffe ich einſt einen ſolchen zu finden. Doch, Ma⸗ thilde, ſag' ſelbſt, iſt eine Zeit, wie dieſe, wo kein Sterblicher wiſſen kann, was der nächſte Augenblick bringt, wohl zum Verloben oder Ver⸗ mählen geeignet? Jeden Tag, jede Stunde kann jetzt der Befehl für Friedheim zum Aufbruche eintreffen. Das Leben des Soldaten hängt in Kriegszeiten am ſeidenen Faden, und Du wäreſt vielleicht Wittwe, wenn Euch kaum das Band der Ehe vereinigt hätte. Daher, Kinder, wartet eine beſſere Zeit ab, dann werde ich gern ein Band knüͤpfen helfen, das mir ſelbſt ſo viele Freuden bereitet hat.
„Bis dahin aber, Mathilde, muͤßt Ihr Euch gedulden; Friedheims Beſuche werden mir nach wie vor ſtets willkommen ſein; Doch wirſt Du ihn von jetzt an weniger allein ſehen, Mathilde, als bisher; denn nachdem, was zwiſchen Euch vorgefallen, iſt das Herz oft ſchwach, der Wille ſchwankend, und Ihr könntet Euch leicht zu Schritten verleiten laſſen, die Euch nachher ſchmerzlich gereuen würden.
„Friedheim, als Mann von Bildung, wird mein Verfahren begreifen und darnach handeln.“ Die Gräfin umarmte bei dieſen Worten Ma⸗ thilde und verließ das Gemach.
Mathilde war allerdings nicht ganz mit den Worten der Mutter einverſtanden, namentlich gefiel ihr das Verbot nicht, Friedheim allein ſehen zu dürfen, doch hoffte ſie, daß irgend ein günſtiger Umſtand gar bald der Gräfin Meinung ändern könnte, und begab ſich ganz vergnügt in Mariens Zimmer.
Dieſe, ſonſt ſo heiter und lebhaft, ſaß, den Kopf in die Hand geſtützt, in einer Ecke des Sophas, und ſchien in Gedanken vertieft zu ſein.
Beim Eintritte Mathildens erhob ſie ſich und verſuchte zu lächeln.
„Was iſt Dir?“ fragte Mathilde beſorgt, die ſogleich bemerkte, daß nicht Alles bei der Freun⸗ din ſo war, wie es ſein ſollte,„Biſt Du un⸗
wohl oder gar krank? Du ſiehſt bleich und an⸗ gegriffen aus.“
„O, es iſt Nichts,“ entgegnete Marie;„un⸗ ſer heutige Spaziergang hat mich ein Wenig angegriffen, und es freut mich um ſo mehr, daß Du wohl und vergnügt biſt.“
Mathilde nahm nun neben ihr Platz und, wie der Leſer wohl denken kann, war das Erſte, was ſie ihr mittheilte, ihre Liebe zu Antonio und ſeine Gegenliebe.
Kaum hatte ſie geendigt, ſo gewahrte ſie, wie Marie todtenbleich wurde, und gleich dar⸗ auf faſt ohnmäͤchtig zurückſank.
„Himmel! was iſt Dir?“ rief Mathilde er⸗ ſchrocken,„Du biſt ja blaß, wie der Tod, Du mußt krank, ernſtlich krank ſein! Ich eile ſo⸗ gleich zu Deiner Mutter, daß ſie zum Arzte ſchicke.“
„Nein, laß, laß,“ erwiderte Marie ſchnell, und verſuchte, ſich zu faſſen,„es iſt Nichts; wie ich Dir ſchon ſagte, iſt mein Unwohlſein Folge unſeres angeſtrengten Marſches; ich bedarf der Stärkung, einiger Stunden Schlafs, dann bin ich wieder ſo munter, als zuvor; nur ſage ums Himmels Willen meiner Mutter nichts, ſonſt würde ſie gleich in die groͤßte Beſorgniß verſetzt werden.“
„Nun gut, ſo ruhe aus; in einigen Stunden bin ich wieder bei Dir, und biſt Du dann nicht beſſer, ſo muß der Doktor doch kommen!“ rief Mathilde lächelnd, und die Freundin zärtlich um⸗ armend, eilte ſie fort.
Kaum hatte ſie ſich entfernt, ſo löſte ſich das Eis, das bisher Mariens Herz umlagert hatte, und ein heftiger Strom von Thränen brachte ihr einige Erleichterung.
Um dieſe plötzliche Veränderung in Mariens Weſen begreifen zu können, müſſen wir den Le⸗ ſer mit Folgendem bekannt machen.
Marie war gleich bei der erſten Begegnung mit Friedheim von ſeiner Schönheit und ſeinem ganzen Benehmen gefeſſelt worden. Das muth⸗ willige, fröhliche Mädchen hatte es ſich erſt ſelbſt nicht eingeſtehen wollen; bald aber fuͤhlte ſte nur zu gut, daß dieſer Eindruck nicht, wie ſie gehofft hatte, verſchwand, ſondern vielmehr bei einem jedesmaligen Zuſammentreffen mit An⸗
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