das Leben koſten würde, nicht wagen, mein Herr.“ „ Dann werden Sie es auch nicht wagen, mir befehlen zu wollen!“ verſetzte, ſeine Auf⸗ wmallung niederkämpfend, der junge Mann. „Wer weiß!“ „Ich laſſe es darauf ankommen.“ Deer Vigjlant entgegnete hierauf nichts, und ſo entſtand ein Stillſchweigen, in welchem die beiden Gegner gleichwohl nicht unthäͤtig zu ſein ſchienen. Der junge Mann ſchien zu überlegen, wie er ſeiner eigenthümlichen Lage mit Ehren ein Ende machen könne, ohne dabei gewiſſe Rück⸗ ſchhen und Pläne, welche er zu beachten hatte, 1 und die ihn eben an dieſen Ort gefüͤhrt, aus 1 den Augen zu laſſen. 1 Fiſchdorf ſchien mit einer Ungeduld, die eben ſo heftig als verſteckt war, von dort her irgend einen entſcheidenden Streich zu erwarten, wohin er ſchon oft, jedoch immer ſehr verſtohlen 4 ſeine Blicke gerichtet hatte. Der aufmerkſame Beobachter hätte bei dieſer 1 Gelegenheit unzweifelhaft auf die Vermuthung 4 gerathen müſſen, der Vigilant habe ſeinem Geg⸗ ner in dem Gebüſche hinter demſelben einen 3 Hinterhalt gelegt, deſſen Erſcheinen er jeden Au⸗ genblick gewärtige. 4 Schon die nächſte Folge wird zeigen, in wie weit dieſe Vermuthung als gerechtfertigt erſcheint. ESoydlich brach der junge Mann, nachdem er 3 mit ſich zu einem Entſchluſſe gekommen zu ſein ſchien, das Schweigen, indem er dem Vigilan⸗ ten feſt und entſchieden die Worte zurief: 4„Jetzt, mein Herr, fordere ich Sie auf, ſich augenblicklich zu entfernen.“ 7 Fiſchdorf verzog den Mund zu einem höh⸗ niſchen Lächeln und entgegnete trocken:
„Ich werde nicht von dieſem Platze gehen, mein Herr.“
„So werde ich Ihnen ein Bein zerſchmet⸗ tern... Fünf Minuten laſſe ich Ihnen Be⸗ denkzeit.“
3 Mit dieſen Worten, von welchen wir nicht 8 genau wiſſen, ob der junge Mann ſie buchſtäb⸗ lich zu erfüllen ſich vorgeſetzt hatte, legte er ſeine Buüchſe auf den Vigilanten an, dergeſtalt, daß
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die Kugel der Waffe den Schenkel deſſelben nicht verfehlen konnte.
Fiſchdorf machte in dieſem gefährlichen Mo⸗ ment eine kleine Seitenwendung, als wolle er der Richtung des tödtlichen Feuerrohrs auswei⸗ chen; allein unmittelbar darauf blieb er wieder feſt und unverrückt an ſeinem Platze. Aber die eben ausgeführte Bewegung hatte ihm dazu ge⸗ dient, aus ſeiner Manteltaſche ein Piſtol her⸗ vorzuziehen, deſſen Mündung er nun ſeinem Gegner entſchloſſen entgegen hielt, indem er demſelben zurief:
„Ich zerſchmettere Ihnen den Schädel, be⸗ vor Sie zum Schuß kommen!“
Obgleich dieſes unerwartete bewaffnete Ent⸗ gegentreten auf den jungen Mann ſichtbar eini⸗ gen Eindruck machte, ſo behielt derſelbe doch Geiſtesgegenwart genug, um, indem er ſeine Büchſe ein wenig höher und zwar auf die Bruſt ſeines Gegners richtete, ziemlich kaltbluͤtig zu erwidern:
„Es wird darauf ankommen, wer zuerſt trifft. Und daß ich mein Ziel nicht verfehlen und nicht der Letzte ſein werde, darauf können Sie ſich verlaſſen!“
„Wir wollen ſehen.“
„Noch drei Minuten laſſe ich Ihnen... keine Sekunde darüber.“
„Und ich, ich gebe Ihnen noch zwei Minu⸗ ten— auf Ehre!“ rief mit einem Ernſt und einer Entſchloſſenheit, welche keinen Zweifel darüber zuzulaſſen ſchienen, daß der, von welchem dieſe Verſicherung ausging, Wort halten werde.
Bei den Worten„auf Ehre“ konnte der junge Mann ſich nicht enthalten, laut aufzula⸗ chen. Es war ihm offenbar ein poſſierlicher Fall, einen polizeilichen Vigilanten von ſeiner Ehre reden zu hören.
„Lachen Sie immerhin,“ ſagte achſelzuckend
der Spion.„Sie werden ſehen, daß ich nicht ſcherze. Noch zwei Minuten haben Sie.“
Der junge Mann ſchwieg und ſchien zu überlegen.
Es bot einen eigenthümlichen Anblick dar, die beiden Männer in ſolcher Nähe und mit ſo un⸗ gleichen Waffen ſich gegenüber ſtehen zu ſehen. Auf den erſten Blick hätte man glauben kön⸗
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