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wie es ſchien, um ſich von der Anſtrengung ſei⸗ ner beſchwerlichen Wanderung anszuruhen, als vielmehr, wie man aus den forſchenden Blicken, die er, nach einer beſtimmten Richtung hin, in die Ferne ſandte, leicht ſchließen konnte, die An⸗ kunft irgend Jemandes zu erwarten. Seine Klei⸗ dung bezeichnete den wohlhabenden, gebildeten Landmann, während die leichte, fein gearbeitete Doppelflinte, die ihm nachläſſig über die Schulter hing, ſo wie die Weidmannstaſche an ſeiner Hüfte, zu der Vorausſetzung berechtigten, daß er ein eben ſo kecker Schütze, als geſchickter Bergwanderer ſei.
Länger als eine halbe Stunde mochte der hübſche junge Mann, nachläſſig an einem Baum⸗ ſtamme gelehnt' und das ſchöne, lebhafte Auge forſchend in die Ferne gerichtet, dageſtanden ha⸗ ben, als er ſich plötzlich, wie von einem Zauber berührt, au ſhtete und, mit einer Miene, in welcher ſich aiis außerordentliche, an Schrecken grenzende Spannung ausſprach, ſich lauſchend der in kurzer Entfernung ihm zur Seite gelege⸗ nen Waldung zuneigte und in dieſer Stellung, mit athemloſer Unbeweglichkeit, einige Sekunden lang verharrte.
Plötzlich vernahm man einen gellenden, ob⸗ wohl halb erſtickten, Schrei, einem Hülferufe ähnlich, welcher aus den, dem Waldſaume na⸗ hegelegenen Schluchten hervorzudringen ſchien.
Unmittelbar darauf war Alles wieder ſtill, todtenſtill, wie zuvor.
Kaum hatte jedoch der junge„MMam den Schrei vernommen, als er mit einer Eile und Behändigkeit, die an's Wunderbare grenzten, die Hochebene, auf der er ſich befand, verließ, die ſteile Bergwand, an welcher jeder Schritt mit augenſcheinlicher Lebensgefahr verbunden war, hinabkletterte, dann, von Fels zu Fels ſpringend, mit wahrer Todesverachtung über eine Reihe unabſehbarer Schluchten ſetzte, eine Anzahl ſchma⸗ ler, kaum handbreiter Steige überſchritt, bis er endlich eine wilde, regelloſe Steinkluft erreicht hatte, welche eine Art Vormauer einer der vie⸗ len Höhlen dieſes alpenähnlichen Terrains bil⸗ det, aus denen, gerade auf dieſem Punkte, der vielleicht vorſündfluthliche, zerklüftete Boden gleich⸗ ſam zuſammengeſetzt war.
Hier blieb der junge Mann ſtehen, während
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er, das Ohr bald nach dieſer, bald nach jener Seite neigend, um irgend einen menſchlichen Laut zu erhaſchen, mit geübtem Auge nach allen Richtungen umherſpähte, als ſuche er einen Ge⸗ genſtand, der nirgends wahrzunehmen war, von deſſen Gegenwart er aber gleichwohl innerlich überzeugt zu ſein ſchien.
Weit umher herrſchte unterdeß tiefes, athem⸗ loſes Schweigen, dem ſelbſt das leiſe monotone Murmeln des in der Nähe rauſchenden Baches nur wenig Eintrag that und das von Minute zu Minute noch erhöht wurde durch die Däm⸗ merung, welche jetzt immer tiefer hereinzubre⸗ chen begann und den wilden, öden Ort bald ganz in Nacht einzuhüllen drohte.
Nach langem, vergeblichem Harren und Um⸗ herſpähen war der junge Mann eben im Be⸗ griff, die Tiefe zu verlaſſen und ſich wieder nach ſeinem frühern Poſten, auf die Bergfläche, zurück zu begeben, als ſein geſchärftes Ohr ihn plötzlich belehrte, daß ſeine Erwartung, die Ur⸗ ſache jenes Hülferufes zu entdecken, ihn nicht getäuſcht habe. Denn in der Höhle, von wel⸗ cher er nur durch eine dünne, und wie es ſchien, vom Zufalle aufgeworfene, Steinwand getrennt ward, vernahm er jetzt ein Geſpräch, welches offenbar von zwei Perſonen geführt wurde und V das ihm über die Urſache, welche ihn an dieſe Stelle hergeführt, bald die vollſtändigſte Auf⸗ klärung gab.
„Bei einem Haar“, ließ ſich eine reine, voll tönende männliche Stimme hören,„und Sie hät⸗ ten hier Ihren Tod geſunden. Man kann in dieſer Wildniß, zumal wenn man ſie zum erſten Male betritt, nicht vorſichtig genug ſein.“ V
„Freilich“, entgegnete eine andere Stimme,
und man konnte wahrnehmen, daß der, welchem
ſie angehörte, an körperlichen Schmerzen litt, „freilich, das Felsſtück, an welchem ich mich hielt, bis Sie zu meiner Hülfe herbeikamen, hätte
nur ein wenig früher nachgeben dürfen, und e wäare auf immer um mich geſchehen geweſen.
Es trat eine kurze Pauſe ein, bis Einer d beiden Sprechenden an den Andern die Fra 6 richtete:
„Wie geht's mit Ihrem Fuße, werden S mich begleiten können?“
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