Jahrgang 
1850
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nebſt

beſten Ueberſetzungen der berühmteſten Schriftſteller des Auslandes. Verlag von Albert Sacco in Berlin. Unter Verantwortlichkeit der Verlagshandlung.

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Von vieſer geitſchrift werden mongtl. 3. Doppelbogen zuſammen ausgege⸗

V. Jahrgang.

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den

Monat 1.

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Die März⸗Tage. Siſtoriſcher Roman aus der Berliner März⸗Revolution.

Von L. Schubar.

4 Erſtes Kapitel.

Ei n S p i onn.

Auf einem der romantiſchſten Punkte jenes vpoon der Natur ſo eigenthümlich ausgezeichneten kleinen Striches der Mark Brandenburg, welcher vielen unſerer Leſer unter dem Namendie mär⸗ iſche Schweiz nicht unbekannt ſein dürfte, durchſchneidet ein breites Kalkſteinlager den un⸗ tern Arm eines unfangreichen, außerordentlich tiefen See's, und bildet dadurch eine Art Strom⸗ ſchnelle, deren ſtarkes Gebrauſe ziemlich weit umher zu vernehmen iſt. Zu beiden Seiten des See's, nur wenige Schhritte von den ſteilen, felſigen Ufern entfernt, erbeben ſich dunkle, aber nur wenig tiefe Wal⸗ dungen, die ſich eben ſo trefflich zu einem Hin⸗ keerhalt, als zur Ausübung der Jagd eignen. Nach Süden zu macht der See eine ſtarke Krümmung, die Uferwände werden ſteiler und ſind, nach Oſten hin, von vielen Gründen und Schluchten zerriſſen, die in ihrer Tiefe und Wild⸗ eit unbeſchreiblich viel Romantiſches haben. detan glaubt ſich in jene Gegenden des ſüdlichen vuropa's verſetzt, wo dergleichen Landſchaften, unendlich größerem Maßſtabe, häufig nur m Jäger, Schmuggler und Näuber zum Auf⸗

athalt dienen.

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V. Jahrg. 3

Durch die wildeſte und tiefſte der genannten

Schluchten rieſelt ein kleiner Bach, der in zahl⸗ loſen, unbedeutenden Waſſerfällen ſich in den See ergießt. Folgt man demſelben aber auf⸗

wärts, ſo gelangt man, nach mühſamem Klet⸗ tern, auf eine herrliche Bergfläche, von der das Auge einen weiten, flachen Landſtrich überblickt, hier und da von Hügeln und Gebuſchen unter⸗ brochen, hinter welchen, auf einzelnen, entfernten Punkten, die dünnen Thurmſpitzen verſchiedener Dörfer oder die Giebel einſam gelegener, grö⸗ ßerer Gehöfte ſichtbar werden.

An einem heiteren Nachmittage im Herbſte des Jahres 1847 war es. 3

Die Sonne ſtand ſchon tief am Himmel, den nur am fernſten Horizont ein dunkeles Ge⸗ wölk umſäumte. Die Früchte der Felder waren bereits abgemäht, und rings umher machte ſich jene öde Verlaſſenheit bemerkbar, welche beim Anblicke desſeines Schmuckes entkleideten Bo⸗ dens unwillkürlich unſer Gefühl zu beſchleichen pflegt. 1

Die Thurmuhr eines der zunächſt gelegenen Dörfer verkündete eben mit kaum vernehmbare Tönen die vierte Nachmittagsſtunde, als ein junger Mann von höchſtens zweiundzwanzig Jahren, eine ſchlanke, wohlgebaute und von Geſundheit ſtrotzende Geſtalt, mit der Leichtig⸗ keit einer Gemſe, an jener Bergfläche empor⸗ ſtieg, welche, gleichſam getragen von Felſen und Klüften, eine Art Hochebene bildet und eine freie Ausſicht auf das meilenweite, flache Land geſtattet. Auf dem höchſten Punkte des Berges ange⸗ f langt, blieb der junge Mann ſtehen, weniger,

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