Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
818
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818 jetzt ſehr ernſtlich bedacht ſei, zum fortſprudelnden Quell der Unterhaltung zu dienen. Das Schreiben wurde einem treuen Diener zur Beſorgung übergeben, der allerletzt noch nahe daran geweſen war, ſeinen gütigen Herrn zu verlieren, nachdem er, wie die Fähr⸗ lichkeiten des ſpaniſchen Krieges, auch den mörderiſchen Feldzug in Rußland glücklich mit ihm überſtanden hatte. Es war ein Burſche aus einer jener althanno⸗ veriſchen Provinzen, die von jeher durch treue Hin⸗ gebung an ihre Herrſchaft bekannt ſind.

Die Correſpondenz wurde jetzt häufiger. Briefe gingen und kamen in jeder Woche und es konnte Anna nicht verborgen bleiben, daß der Inhalt der einlaufenden Briefe, auf des Bruders raſche Geneſung den günſtigſten Einfluß übten.

Eines Morgens befand ſich Anna in Heinrichs Zimmer, um ihm bei dem Frühſtück Geſellſchaft zu leiſten. Da klopfte es, und der bekannte Mann in dem gelben Rocke erſchien auf der Schwelle, einen Brief herreichend mit den kurzen Worten:Herrn Oberſt v. Winterfeld! Anna nahm das Schreiben und reichte es dem Bruder, der es raſch öffnete und mit forſchenden Blicken durchflog.

O, wie danke ich Dir, meine theure, meine geliebte

Schweſter! rief er freudig.Deiner ſorglichen Pflege V und der Mutterliebe habe ich nächſt Gott die Er⸗ haltung meines Lebens zu danken. Ich lebe und durch mein Leben iſt die Geliebte befreit, ich darf ſie endlich mein eigen nennen und ſie Euch recht bald als meine Gattin zuführen. Noch wenige Wochen und der Schleier ſoll ſich lüften von dem Geheimniß, was mir ſo ſchwer wurde, meinen Lieben gegenüber im tiefſten Innerſten meines Herzens zu bewahren. Anna hatte ſich ſchweigend an die Seite des Bruders geſetzt, mit geſpannter Aufmerkſamkeit folgte ſie jedem ſeiner Worte, als er fortfuhr:Meine Ver⸗ lobte iſt ſchön; Du haſt, ohne daß ich es wollte, bei meiner letzten Abreiſe nach Caſſel in einem kleinen Medaillon das Bildniß meiner Herzensdame geſehen! Du nannteſt ſie Deinen Dämon und Deinen Schutzgeiſt, lieber Heinrich! ſprach Anna ernſt.

Dämon, freilich! engegnete der Oberſt,weil ſie mich bis allerletzt wie durch magiſchen Zauber an die Adler des Kaiſers gefeſſelt hielt, deſſen enthu⸗ ſiaſtiſche Verehrerin ſie aus Ueberzeugung iſt, allen legitimen Kronenträgern gegenüber, die ſich's zur Ehre rechnen, ihm aus Intereſſe als Vaſallen zu dienen. Mein Schutzgeiſt aber iſt ſie geworden, als ſie in Spanien unter eigener Lebensgefahr meine Lebens⸗ retterin wurde.

Ah! ſprach Anna lächelnd,

Tochter zwingen zu wollen. wohl eine ſtolze Hallwigs Bewerbungen nicht ganz entgegen,

Novellen⸗ZJeitung.

Andaluſierin, die nicht ermangeln wird, im reizenden Fandango meine Lehrerin zu werden.

Entſproſſen uraltem edlen deutſchen Blute, mehr als ebenbürtig unſerm Hauſe, wird ſie Dir weniger eine Lehrerin als eine treue Schweſter ſein, liebe Anna, und den Eltern eine liebevolle Tochter, ſo ſprach Heinrich und nahm noch einmal den Brief zur Hand, um jedes einzelne Wort daraus in ſich aufzu⸗ nehmen.

Anna aber hatte eine Stickerei wieder auf⸗ genommen und ſich tief auf die Arbeit niedergebeugt, vielleicht um eine Thräne zu verbergen, die unpill kürlich in ihrem ſchöͤnen Auge aufſtieg, im Schmerz über das vom Bruder, den ſie neben Freiwald am meiſten liebte, ſo lange ihr vorenthaltene Vertrauen. Winterfeld, deſſen geübten Blicken die innere Bewe⸗ gung der Schweſter nicht entgangen war, hob ſanft ihr geſenktes Haupt zu ſich empor und küßte die Thränen hinweg.Wirſt Du, wird die gute Mutter mir grollen ob meiner tiefen Schweigſamkeit, ſobald ich Euch auf Mannesehre verſichere: um nicht gegen Eure

mir bekannten Anſichten, nicht gegen Eure Bedenklich⸗

keiten ankämpfen zu müſſen, wie es bei Eurer Un⸗ kenntniß der Verhältniſſe unausbleiblich geweſen ſein würde habe ich das andauernde Schweigen über eine Verbindung beobachtet, die erſt dann, wenn ich ein Lebender aus dem Feldzuge hervorging, vor den Augen der Welt legale Gültigkeit erhalten ſollte? Für mich iſt der Feldzug zu Ende; denn wenn ich auch ſonſt körperlich geſund bin, der ſteife Arm hat mich zum Invaliden gemacht, wofür ich Gott im Herzen jetzt danke. Theile der Mutter jetzt mit, was Du von mir vernommen haſt; mit dem Vater werde ich gelegentlich ſelbſt ſprechen. Du kennſt ſein Ver⸗ trauen zu mir bei jeder meiner Handlungen; er kennt mich und achtet die Kraft meines Willens.

Zu Ende Octobers wurden die noch in Dresden

befindlichen Weſtphäler entwaffnet und in die Heimath entlaſſen. Der Oberſt ſah ſich jetzt in doppelter Weiſe von der Pflicht befreit, welche ihn an ſeine Fahne gebunden. Hallwig erneuerte ſeine Bewerbung bei einem Beſuche und ſein Vater hatte, ſo oft der Baron Winterfeld auf ſein Gut kam, ſich angelegent⸗ lich bemüht, ihn zu gewinnen. Winterfeld weckte und nährte zwar keine Hoffnungen, weil er wußte, daß ſeine Frau und Heinrich, der waͤhrend ſeiner langen Krankheit noch größere Gewalt über ihn er⸗ langt hatte, gegen ſeinen Plän eingenommen waren, und er war weit entfernt davon, die Neigung ſeiner Dennoch zeigte er ſich ſo daß

Bruder Herzen g der ich erſter G einer di Waffeng Tages§ Ul gruß hit olutgetr beleuchte Da kön ſo Viele dicht ne ſtreckte, in der Bildnif üͤbergel vis ich ein Bi⸗ und vie dat.. Anna, der mit Ich kal Berge unverg über eines einer Minie raſche zeihen mögen Reize unans dieſer geſih naͤchſt Gelü ſoll. Wor wird auf