wenn auch nur franzöſiſche Schuhputzerknaben in den Straßen ihr„Cirér les bottes!“ ertönen ließen.
Einige Tage ſpäter, an einem ſchönen Julimorgen, erging ſich die Familie in dem„Großen Garten“, deſſen dichte Laubgänge nur ſelten geöſſnet waren, obgleich die Soldaten die Faſanengehäge ſchon gänzlich zerſtört hatten. Auf dem Platze vor dem am nord⸗ öſtlichen Ausgange gelegenen kleinen Gaſthauſe, das in ſpäterer Zeit die Piccardie genannt ward, eilte plötzlich ein junger Mann auf Winterfeld zu und be⸗ grüßte ihn freundlich.
„Willkommen, Herr v. Hallwig!“ rief Winterfeld und reichte ihm die Hand.„Nun, geſchwind, bringen Sie gute oder ſchlechte Nachrichten aus der Lauſitz? Dürfen wir gegenſeitig noch hoffen, Haus und Hof gegen die Brandfackel geſchützt zu ſehen?“
„Mein Vater iſt auf Alles gefaßt,“ antwortete Hallwig.„Schon zweimal hat er die Pferde verloren und nach der Schlacht von Bautzen hat man den ganzen Stamm unſerer Tyroler Kühe weggetrieben. Gnädiges Fräulein, Sie kennen ja das ſchöne braune Vieh, daes ſo oft ſeine fette Milch wie Thauperlen auf das hohe Wieſengras fallen läßt!“
Anna lächelte ſchalkhaft.„Ei, Herr v. Halwig⸗ entgegnete ſie,„das iſt ein poetiſches Bild, das Sie in einer Idylle anbringen ſollten!“
Der junge Mann erzählte noch viel von den Drangſalen in ſeiner Heimath, während er die Fa⸗ milie in die Stadt begleitete. Das anſehnliche Gut ſeines Vaters grenzte an Winterfelds Beſitzungen und ſie hatten als Nachbarn immer in freundſchaftlichem Vernehmen gelebt; ja Winterfeld ſchien Hallwigs Bemühungen, Anna zu gefallen, nicht ungern zu be⸗ merken.
Mit einer ſehr freundlich angenommenen Ein⸗ ladung auf den folgenden Tag, trennte ſich Hallwig von den Winterfelds am Eingange der Brücke.
Als ſie zu Hauſe waren, ſprach der alte Herr mit großem Lobe von dem jungen Manne, der ſich ſeiner Meinung nach ſeit einem Jahre ſehr vortheil⸗ haft ausgebildet haben ſollte. Seine Frau, der die Quelle und die Abſicht dieſer wenig verdienten Lob⸗ ſprüche hinlänglich bekannt waren, beobachtete ein tiefes Schweigen, bis Winterfeld ſie ausdrücklich um ihre Meinung fragte.
„Ich weiß ja,“ erwiderte ſie,„daß Hallwig einſt ein reicher Erbe ſein wird, daß er ein ſehr guter Landwirth iſt, und ich halte ihn für einen braven Mann, aber ſonſt habe ich nichts ihn Auszeichnendes finden können.“
„Nun, mit dem, was Du ihm nicht abſprechen kannſt, bin ich vollkommen zufrieden,“ ſprach Winter⸗
Novellen⸗
Zeitung.
feld,„aber Ihr Frauen träumt gar zu gern von Idealen; Ihr möchtet lieber einen Schiller oder ſonſtigen Ge⸗ lehrten ſelbſt in dem Landwirthe ſehen, wenn er ſeine Pflüger anweiſt oder Wieſenbewäſſerungen anordnet.“
„Du kannſt mir nicht vorwerfen, lieber Winter⸗ feld, daß ich nicht Tüchtigkeit in jedem Berufe an⸗ erkenne, oder verlange, daß alle Blüthen gleichen Duft verbreiten; aber an gerechter Anerkennung laſſe ich es genug ſein!“
Dieſe Verſchiedenheit der Anſichten über den jungen Mann zeigte ſich noch mehre am folgenden Tage, wo er als Gaſt erſchien. Die Hausfrau ließ es ſo wenig an höflicher Aufmerkſamkeit fehlen, als ihr Gatte, aber ſie blieb ſehr gleichgültig, wenn Hallwig ſich bemühete, aus dem Kreiſe ſeiner Berufskenntniſſe auf ein fremdes Gebiet überzugehen, wo er ſich oft große Blößen gab. In ſolchen Fällen brachte ſie die Unter⸗ haltung mit feiner Wendung ſchnell auf einen land⸗ wirthſchaftlichen oder gewerblichen Gegenſtand, und das Geſpräch ſprang dann nicht ſelten ſchroff genug ab. Anna fand ihre Mutter bei ſolchen Abwehrungen zuweilen etwas muthwillig und ging dann mit gut⸗ müthiger Hingebung in ein von Hallwig angeknüpftes Geſpräch ein, aber dies hatte gewöhnlich nur zur Folge, ihn noch mehr zu verwickeln, bis ſie ihn endlich wieder aus der Verlegenheit zog, indem ſie Veran⸗ laſſung gab, ſich in dem ihm eigenen Gebiete be⸗ wandert zu zeigen.
Als die Unterhaltung auf die politiſchen Ereig⸗ niſſe und die großen Anſtrengungen der Preußen und ihre patriotiſche Begeiſterung kam, fragte Anna's Mutter den jungen Mann, ob er, ſeine patriotiſche Geſinnung zu bethätigen, ſich nicht auch angetrieben fühle, zu den Waffen zu greifen?„Ich kann mir kaum denken,“ fügte ſie hinzu,„daß andere Gründe Sie abhalten, als Ihren Vater dadurch in Verlegenheit zu ſetzen; aber ſo viel ich den wackeren Mann kenne, würde er als ehemaliger Officier nichts dagegen haben, wenn ſie einer der Fahnen folgten, die gegen die Herrſchaft der Fremden ziehen.“.
Sie haben vollkommen recht, gnädige Frau,“ er⸗ widerte Hallwig;„mein Vater hat auch ſchon davon geſprochen, aber als der einzige Sohn eines kränk⸗ lichen Mannes bin ich von der Kriegspflicht befreit.“
Winterfelds Gemahlin, die gern jede Veranlaſſung vermied, mit abweichenden Anſichten in offenen Zwie⸗ ſpalt zu gerathen, gab dem Geſpräche auf feine Weiſe eine andere Wendung und ſuchte nur den Faden einer leichten Unterhaltung fortzuſpinnen. Als man in das angrenzende Zimmer ging, fiel Hallwigs Blick auf Anna's Bildniß und er bemerkte ſogleich die auf⸗ fallende Aehnlichkeit mit dem ſchönen Original, er⸗
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