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einmal die theuren Zeilen geleſen, begab ſie ſich ge— räuſchlos in das Schlafzimmer der Königin, deren leiſe Athemzüge verriethen, daß die Bruſt der viel— geprüften hohen Frau von Sorgen, die ſie in Caſſel ſo oft quälten, frei war. Es dauerte geraume Zeit, ehe der Schlaf ſich auf ihre ſeidenen Lider ſenkte; doch ſchon beim frühzeitigen Erwachen ſtand ihr Ent⸗ ſchluß feſt, der ihr wohlwollenden Königin unter Ueber⸗ geben des Briefes nichts von dem zu verheimlichen, was die Liebe zu Winterfeld hervorgerufen und immer feſter begründet hatte.
Als die königliche Frau bei dem Frühſtück, welches ſie nur in der Geſellſchaft der Hofdame vom Dienſt einnahm, Winterfelds Brief geleſen und mit ſichtlicher Theilnahme die unglücklichen ehelichen Verhältniſſe, worunter Julie v O ſchon manche Jahre peinlich gelitten, ohne je z llagen, ausführlich vernommen, ſchloß ſie die Weinende beſänftigend in ihre Arme. Dann erhob ſie den Kopf der vor ihr Niedergeſunkenen, küßte ſie auf die thränenfeuchten Augen und ſagte, nachdem die Gräfin ihren Platz wieder eingenommen hatte, mit der ihr eigenen klangvollen, überzeugenden Stimme:„Liebe Julie, ich fühle mich berufen, Mutter⸗ ſtelle bei Ihnen zu vertreten, die Stelle Derjenigen, die Ihnen am nächſten hätte ſtehen ſollen. Was Sie mir von Ihrem Gemahl erzaͤhlt, halte ich nach dem Ausbruche der Gefühle, womit Sie mich von der Sache in Kenntniß geſetzt haben, für wahr. Euer Ver⸗ hältniß kann Jahre lang dauern, die Ihr vielleicht von einander getrennt ſeid; muß endlich eintreten und dieſer iſt— Trennung der Ehe, die Sie, Gräfin, unglücklich und den Grafen, Ihren Gemahl, nicht glücklich gemacht hat. So weit auch ich den Grafen kenne, wird es nicht eben ſchwer fallen, ihn zu einem Schritt zu bewegen, der ihm für ſeine Hoffnungen neue Ausſichten bietet. Das Unvermeid⸗ liche muß geſchehen, ſoll nicht längeres Unglück Ihr eigenes, wie auch des Barons Leben verkümmern. Die Mittel und Wege werden Sie mit Winterfeld beſprechen und ich werde Ihnen Gelegenheit verſchaffen, es in aller Kürze zu thun.
Die Gräfin horchte hoch auf bei den letzen Worten der Königin und hielt geſpannt den Blick auf die hohe Frau gerichtet, als dieſe nach einer kurzen Pauſe fortfuhr:„Was meinen Sie, liebe Julie, zu einer Schnellreiſe in den Garten von Spanien, nach Va- lencia la muy hermosa?“
„Allergnädigſte Königin! Darfich dieſen königlichen Worten trauen? Ich wäre die Glücklichſte auf dieſer Erde, wenn es Wahrheit, nicht ein beglückender Traum iſt, der mich in dieſem Augenblick umfangen hält!“
aber der Wendepunct⸗
Novellen⸗ZJeitung.
rief die Gräfin faſt außer ſich und ſtürzte der Königin noch einmal zu Füßen.
„Ruhig, liebes Kind, ſetzen Sie ſich und ver⸗ nehmen Sie, was ich Ihnen ſagen werde. Es iſt das Reſultat meines Nachdenkens in letzter Nacht, das mich, vielleicht ohne daß Sie es gewahr wurden, ein gutes Weilchen beſchäftigt hat, ehe ich einſchlief. In einem der Briefe meines Gemahles war eine Ein⸗ lage an den in Perpignan commandirenden franzöſiſchen General, in der er dieſem aufgetragen hat, mir zu Dienſten zu ſein, falls ich derſelben zu einem kurzen Ausflug in die nächſtliegenden ſpaniſchen Provinzen, etwa nach Barcelona, wohin die Wege jetzt völlig ſicher ſind, bedarf. Ich denke nun zwar nicht an eine ſolche Reiſe, ſelbſt bei aller Furchtloſigkeit vor irgend welcher Gefahr,— mir geht es ſo gut hier, daß ich die 6 bis 8 Wochen unſeres Verweilens im Cam⸗ panesthale noch beſtmöglichſt zu benutzen gedenke; aber Sie, meine liebe ſchöne Julie, Sie ſollen reiſen, Sie ſollen den Erwählten Ihres Herzens ſehen. Etwa acht Tage dauert die Reiſe mit der kaiſerlichen Imperiale, die unter ſicherer Escorte Tag und Nacht durch fährt; acht bis zehn Tage in Valencia, acht Tage Rückreiſe, — dann habe ich Sie wieder vor Ablauf eines
Monats.“—
Die Freude der Gräfin bei der Auseinander⸗ ſetzung des Planes möchte ſchwer zu ſchildern ſein, ſo wenig, als deren Zweifel an der Ausführung. Es gelang der Königin nicht eher, die letzteren zu be⸗ ſeitigen, bis ihr die Gruͤnde zu ihrer Beruhigung ein⸗ leuchtender wurden. 4
„Meine ganze gegenwärtige Umgebung, die ich mir für dieſe Reiſe ſelbſt erwählt habe, iſt mir treu
ergeben. Von der Pappenheim und der kleinen Spiegel.
ſind Sie als eine Schweſter geliebt; der Oberſtall— meiſter, der von Ihrem Verhältniß zu Winterfeld eine leiſe Ahnung zu haben ſcheint, achtet Winterfeld hoch, und iſt Ihnen ſelbſt mit Liebe wie ein Vater zu⸗ gethan. Ich empfehle Sie dem General Chabert in Perpignan als die Gemayhlin eines hohen Officieres unſerer Armee. Jean, ein zweiter Kammerdiener und Roſette, Ihr Mädchen, werden Sie als zuverſichtliche Diener begleiten, damit Sie auch mit dem Glanze auftreten, die einer ſo lieblichen, ja prächtigen Frau gebührt, die ſich das Herz eines der ſchönſten Männer im Heere zu eigen gemacht.— Sind Sie zufrieden mit dem Arrangement, das Ihre, Ihnen in Gnaden gewogene Königin ausgedacht hat?“
Gräfin Julie küßte die ihr dargebotene Hand und die Unterhaltung wurde abgebrochen, da die Stunde zur Promenade längſt gekommen war.—
Die nöthigen Reiſevorkehrungen wurden noch
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