Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
714
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Die Menſchenähnlichkeit des grauen Papagei. (Schluß.)

Er grüßte des Morgens mitbon jour, des Abends mitbon soir; er verlangte nach Ruhe und nahm Abſchied. Papchen will ſchlafen gehen. Wurde er weggetragen, ſo empfahl er ſich durch wiederholtesbon soir, bon soir.

Seiner Gebieterin, welche ihm gewöhnlich Futter reichte, war er überaus zugethan. Wenn er von ihr Nahrung empfing, drückte er ihr küſſend den Schnabel auf die Hand und ſagte:Küſſ' der Frau die Hand. Er nahm an Allem Theil, was ſeine Gebieterin that, und oft, wenn er ſie mit irgend Etwas beſchäftigt ſah, fragte er ſie mit unendlich komiſchem Ernſt:Ja, was macht denn da die Frau? Und als er ſie nicht mehr ſah, weil der Tod ſie entführt, da fühlte auch er den Verluſt und den Schmerz. Man hatte Mühe, ihm Speiſe einzubringen und ihn am Leben zu erhalten. Ja, oft weckte er von Neuem den herben Kummer der Trauernden, indem er ſie fragte:Wo iſt denn die Frau?

Er pfiff wundervoll, namentlich die Weiſe:Ich dank dir ſchon durch deinen Sohn; er ſang auch ganz prächtig. Das Papchen muß'mal ſingen, ermahnte er ſich ſelbſt und dann begann er:

Perroquet mignon

Dis-moi sans façon

Ou'a-t-on fait, dans ma maison Pendant mon absence?

oder: Ohne Lieb und ohne Wein Können wir doch leben. Nun ſetzte er bisweilen auch zuſammen: Ohne Lieb und ohne maison Können wir doch leben, oder:

Ein Kuß sans façon, was ihn dann ſo erheiterte, daß er in ein lautes Gelächter ausbrach. Papchen, wie ſagt denn Lottchen? fragte er ſich bis⸗ weilen und antwortete darauf ebenſo, als ob dieſe Frage

von ſonſt Jemand gethan worden wäre: O, mein ſchönes

Papchen, komm, küſſ' mich. Und das ſagte er mit dem richtigen Ausdrucke der Zärtlichkeit, wie es Lottchen nur ſagen konnte. Seine Selbſtzufriedenheit drückte er mit den Worten aus:Ach, ach, wie iſt doch das Papchen ſchön, und dabei ſtrich er ſich mit ſeinem Fuße über den Schnabel.

Er war aber keineswegs ſchön, denn auch er hatte die Unart, ſich ſeine Federn auszuziehen. Es wurden nun als Gegenmittel Weinbäder verordnet, welche man ihm ver⸗ mittelſt einer feinen Brauſe beibrachte. ihm höchſt unangenehm; ſobald er merkte, daß man dazu Anſtalten traf, begann er flehentlich zu bitten:Papchen doch nicht naß machen, ach, das arme Papchen nicht naß machen..

Fremde liebte er nicht, und diejenigen, welche ſeinet⸗ wegen kamen und ihn ſprechen hören wollten, erreichten ihren Wunſch gewöhnlich nur dann, wenn ſie ſich vor ihm ver⸗ bargen. In ihrer Gegenwart blieb er mäuschenſtill. Um ſo lebhafter ſchwatzte er, wenn ſie ſich verſteckt oder wirklich

Novellen⸗

Die Bäder waren

Jeitung.

empfohlen hatten: es ſchien, als wolle er ſich für den ſich ſelbſt angethanen Zwang entſchädigen. Doch konnte man ſich ſeine Zuneigung erwerben, und mit ſolchen Leuten, welche oft zu uns kamen, ſprach er gern, machte wohl auch, ſie be⸗ treffend, einen ſeiner Witze. Ein dicker Major, welchen er gut kannte, machte eines Tages Verſuche, ihm Kunſtſtücke zu lehren.Geh auf den Stock, Papchen, auf den Stock! befahl der Krieger. Papchen war entſchieden verdroſſen. Da plötzlich lacht er laut auf und ſagt:Major auf den Stock, Major!

Ein anderer ſeiner Freunde war längere Zeit nicht im Hauſe zu Beſuch geweſen. Es wurde darüber geſprochen und erwartet, daß Roth, ſo hieß der Erſehnte, heute ſich ein⸗ ſtellen werde.Da kommt Roth, ſagte plötzlich Papchen: er hatte zum Fenſter hinaus geſehen und den Erwarteten von fern erkannt. 5

Ein Sohn des Hauſes, George, wurde nach längerer Abweſenheit erwartet und darüber natürlich in der Familie ge⸗ ſprochen. George kam erſt ſpät Abends an, als Papchen be⸗ reits im Dunkel ſeines verdeckten Käfigs ſchlief. Nach der erſten Begrüßung wandte ſich der Heimgekehrte zu Aller Lieb⸗ ling und lüftete die Decke:Ah, George, biſt du da? Das

iſt ſchön, ſehr ſchön, fagte der Vogel. Er hatte bemerkt, daß ſein Herr, wenn er an's Fenſter ging, oft den Verwalter oder Voigt aus dem Hofe heraufrief. Sah er nun, daß ſein Gebieter wiederum dem Fenſter raſch

zuging, ſo rief er jedesmal die Namen, aber die der Beiden,

weil er ja doch nicht wiſſen konnte, welchen der Herr rufen

wollte.

Was der Vogel ſonſt moch Alles geſprochen und gethan,

vermag ich nicht aufzuzählen: er war ein halber Menſch. Papchen endete auf klägliche Weiſe. Er wurde einem alten Verwandten des Hauſes, welcher kindiſch geworden war und den Vogel liebgewonnen hatte, geſchenkt. Alle weinten, als das herrliche Thier weggetragen wurde; Papchen weinte zwar nicht; die Trennung von ſeinen Lieben konnte er aber doch nicht ertragen: wenige Tage ſpäter war er todt.

Ich könnte noch von mehreren grauen Papageien berichten, welche es ebenfalls weit brachten in der Kunſt zu ſprechen; doch ſchließt Vorſtehendes eigentlich Alles in ſich ein, was ein Vogel dieſer Art hierin leiſten kann. Nur erwähnen will ich noch, daß das wundervolle Gedächtniß und die Nach⸗ ahmungsgabe des geiſtvollen Thieres auch ihre Schatten⸗ ſeiten hat. Die erſten Lehrmeiſter des grauen Papageies pflegen die Matroſen zu ſein, welche ſpäter oft in den Be⸗ dienten des Hauſes entſprechende Hülfe finden. Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß in ſolcher Schule der Wortſchatz des Papageies nicht immer mit den edelſten und feinſten bereichert wird. Leider kommen ſpäter auch dem wohlgezogenſten Vogel oft genug alte Worte wieder in Erinnerung, und mitten unter ſeine hübſchen Sätze und Redensarten miſcht er die roheſten und gemeinſten Worte. Zudem findet der Papagei die abſonderlichſten Töne, Laute und Geräuſche oft äußerſt nachahmungswerth, lernt mit der⸗ ſelben Fertigkeit wie Worte, das Knarren einer Thüre in ſeiner Nähe, das Bellen des Hundes, das Miauen der Katzen, das Huſten eines alten Menſchen nachahmen und ſtört durch

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