Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
700
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Baciocchi hatte ein Majorat von 200,000 Fr. jährlicher Rente in Grundbeſitz errichtet, das in erſter Linie dem Prinzen Louis, jetzt Napoleon III., oder dem Prinzen Napoleon, dem erſten franzöſiſchen Prinzen, oder, in Ermangelung dieſer Beiden, den Grafen Baciocchi unter der Bedingung für Einen wie den Andern, den Titel Prinz Baciocchi anzunehmen und zu führen, zufallen ſollte.

Die Unmöglichkeit für den Kaiſer und für den Prinzen Napoleon, dieſe Bedingung zu erfüllen, mußte dem Grafen Baciocchi zum Vortheil kommen; aber da der Grundbeſitz des Majorats in den Romagnen lag, die jetzt zum König⸗ reich Italien gehören, wo die Majorate abgeſchafft ſind, ſo war kein Grund mehr vorhanden, es in Anſpruch zu nehmen. Für den Grafen Baciocchi war das weder die Veranlaſſung eines Bedauerns, noch vielleicht ſelbſt eines Gedankens, denn ſein ziemlich bedeutendes Privatvermögen überſchritt ſeine Bedürfniſſe, obwohl er viel Gutes that.

Als Knabe von acht Jahren war er Page der Groß⸗ herzogin, ſeiner Tante. Im Jahr 1814 kam er im Alter von 11 Jahren nach Corſica in ſein Vaterland zurück, das er nur verließ, um ſeine Studien in Piſa und Aix zu machen. Seine Erziehung war hauptſächlich italieniſch und diejenigen, welche die italieniſche Sprache nicht verſtehen, können ſich nur eine unvollkommene Idee von ſeiner Unterhaltung und ſeinem geiſtigen Weſen machen. Dabei war er ein Mann von einem richtigen, ſichern Urtheil, vollkommen Herr ſeiner ſelbſt, der nur das ſagte, was er ſagen wollte, unter dem Anſcheine eines vergnügungsſüchtigen Weltmannes undurch⸗ dringlich und außerordentlich wahrhaft. Er trug, ohne daß man es an ihm bemerkte, die Laſt der wichtigſten Staats⸗ geheimniſſe. Er verbarg aus einer natürlichen Neigung das, was viele Andere an ſeiner Stelle aus Eitelkeit würden ſehen gelaſſen haben. An der Tafel des Kaiſers, den er zu jeder Stunde des Tages ſah, war ſein Gedeck ſtets gelegt.

Seit der Kindheit mit allen Prinzen der kaiſerlichen Familie eng verbunden, wurde er vor 1848 mit mehreren geheimen und vertraulichen Miſſionen bei verſchiedenen Sou⸗ veränen, namentlich 1836 bei dem Kaiſer von Rußland und 1840 bei dem König von Württemberg, betraut, welcher Letztere ihm ſein Wohlwollen in einem ſolchen Grade ſchenkte, daß er ihn zuerſt zum Ritter, dann zum Commandeur ſeiner Orden und zu ſeinem Kammerherrn ernannte.

Er erzählte ſcherzend, wie er bei einer ſeiner Reiſen an den ruſſiſchen Hof ſich gezwungen geſehen habe, an einem Spieltiſche Platz zu nehmen, wo die Einſätze ſo hoch waren, daß er in drei Sätzen die ganze Summe hätte verlieren können, die er als Reiſegeld mitgenommen hatte.

Nach dem Boulogner Putſch wurde er verhaftet, aber aus Mangel an Beweiſen wieder in Freiheit geſetzt.

Im Jahr 1848 wurde er in Ajaccio auf der Inſel Corſica zum Obriſt der Nationalgarde ernannt, aber er blieb nicht dort, ſondern begab ſich zum Prinzen Louis Napoleon nach Paris, bei dem er einen Vertrauenspoſten einnahm, den er ſeitdem auch ununterbrochen beibehalten hat und der ihn, ſobald er zum Präſidenten der Republik erwählt worden war, zu ſeinem Ordonnanzofficier ernannte.

Nach dem Staatsſtreich vom 2. Dec. 1851 wurde Graf Baciocchi mit einer Miſſion nach Tunis, Aegypten und Con⸗ ſtantinopel geſchickt.

Bei der Bildung des Hauſes des Kaiſers wurde er zum erſten Kammerherrn und zum Sur⸗Intendanten der Hofſchau⸗

Novellen⸗

ſpiele und der Capell⸗ u. Kammermuſik, und im Jahr 1863 zum Generalintendanten der Theater ernannt.

Jeitung.

Aber die Wichtigkeit ſeiner Dienſte überſchritt den Kreis ſeiner Functionen bedeutend. Er hatte jeden Tag um 1 Uhr dem Kaiſer einen Bericht abzuſtatten und eine Zahl ſehr wichtiger Geſchäfte ging durch ſeine Hände.

Graf Baciocchi war in einer Art der officiöſe Mandatar des Souveräns und der Geſandten, und ſtets den Souveränen und fremden Prinzen, die in Frankreich reiſten, attachirt. An einem Hofe geboren und erzogen, beſaß er die Eigenſchaften und Gewohnheiten, welche eine ſolche Stellung erfordert, im höchſten Grade.

Graf Baciocchi gehörte zu den Menſchen, welche nur von ihren genaueſten Bekannten vollkommen gekannt werden. Es giebt intime Freunde in der Geſellſchaft und intime Freunde am häuslichen Herde. Die Erſten kannten in ihm nur den äußeren Menſchen, im höchſten Grade freundlich, aber immer würdig, wohlwollend und bis zur Verſchwendung hülfsbereit. Die Anderen kannten den ernſten, denkenden Mann. Er ſtand mit Souveränen, fremden Prinzen und einer großen Zahl der bedeutendſten Perſonen Europas in Correſpondenz. Er dictirte täglich durchſchnittlich, ohne die Geſchäftsbriefe zu rechnen, zwanzig Briefe. Darin zeigte er ſich als der Mann ſeiner Familie und ſeines Landes, wo das Urtheil, die Deutlichkeit und der folgerichtige Geiſt nicht ohne eine gewiſſe Feinheit herrſchen.

Er hatte eine große Energie des Charakters und zeigte ſie bei mehr als einer Gelegenheit, namentlich in Livorno, wo im Jahr 1836 eine abſcheuliche Verbindung beſtand, deren Mitglieder, die ſich des Abends verſammelten, das Gelübde ablegten, ſich nicht zu Bette legen zu wollen, ehe ſie Menſchenblut vergoſſen hätten. Dieſem Gelübde kamen ſie ſo ſtreng nach, daß der Anführer der Bande, ein gewiſſer Pero, welcher der Schrecken Livorno's war, eines Abends mit ſeinem Dolche ſeine eigne Frau ſtach, um ſeinem Gelübde nachzukommen. Eines Abends wurde Graf Baciocchi, der in einem Phaöton nach ſeiner Villa in einer kleinen Entfernung von Livorno zurückkehrte, plötzlich von einem ſich aufrichtenden Manne, der einen großen Dolch in der Hand hielt und ſich dem Pferde entgegen warf, aufgehalten. Es war Pero.

Ci siammo, Baciocchino(da ſind wir, kleiner Ba⸗ ciocchi)! ſagte der Bandit.

Er hatte bereits die beiden ſtählernen Ringe, durch welche die Zügel gehen, gefaßt; ein Schritt mehr und der Graf war verloren. Letzterer jedoch gab Feuer und eine Piſtolenkugel ſtreckte den Räuber todt nieder.

Dieſes Ereigniß wurde von der ganzen Stadt als eine Befreiung gefeiert.

Die Kaiſerin hat ihm viele Beweiſe ihrer Zuneigung gegeben und das noch ganz kürzlich bei ihrem letzten Beſuch, den ſie ihm vor ihrer Abreiſe nach Biarritz machte.

Man ſah ihn weinen, bei ihm etwas Unerhörtes, als der Kaiſer und deſſen Gemahlin ihn liebevoll in ihre Arme drückten. Er weinte noch, als er es ſeinem Arzte erzählte.

Am Tage nach dieſem Beſuch ſchickte die Kaiſerin ihm ein ſehr koſtbares Reliquienkäſtchen, das er während der Dauer ſeiner Krankheit in ſeinem Zimmer behalten ſolle, ſo⸗ wie ſie es bei ihrer Entbindung von dem kaiſerlichen Prinzen in ihrem Zimmer gehabt hatte. Einen größern Liebesbeweis konnte die Kaiſerin ihm nicht geben, als den, daß ſie ſich auf einige Zeit von dieſer Reliquie trennte, die ſie als ihren koſt⸗ barſten Schatz betrachtete. Dieſes Reliquienkäſtchen iſt ein aus⸗ gezeichnetes Werk von Froment⸗Meurice, worin ein Stück von den Windeln des Chriſtuskindes, ein Stück des Schleiers

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