Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
692
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692 Novellen⸗

und ich muß mich gewöhnen, ihn fortan zu benutzen. Seine Treue iſt mir gewiß, denn ſein Kopf bürgt für ſie, und ſeine Pünctlichkeit habe ich bereits ſchätzen gelernt.

Ich ſtehe wie ein Spion, Excellenz, mit dieſen Worten kam der Leibchirurg ihm ſchon entgegen. V Bedürfen Sie meiner?

Wollen Sie die Güte haben, dieſen kleinen Schweden zu beobachten? Dabei müſſen Sie freilich auch die Prinzeſſin im Auge behalten; ſobald ſie hinaus iſt hier haben Sie ein Billet ſobald die Prin⸗ zeſſin fort iſt, geben Sie es Melartin. V

Gut und dann?

Dann wird der Marquis von Chetardie ewig Ihr Schuldner ſein.

Gott ſei Dank! Sehen Sie, Marquis, wie ſtarr die Prinzeſſin herblickt? V

Chetardie wandte ſich. Er begegnete dem Blick Eliſabeths und ſah, wie ſie ihm winkte. Er ging zu ihr.*

Hoheit? Davon lautete in unſerer Abrede Nichts, Ex⸗ cellenz! V

Mon Dieu! Sie werden doch um einer Spielerei willen die Partie nicht werfen wollen, jetzt, wo die Pointe angeſchlagen werden ſoll?

Herr Marquis, ich bitte Sie, Ihre Anforderung noch ein Mal zu bedenken.

Halten Sie mich für einen Mann, der unbedacht Etwas unternimmt?

Aber wie ſoll ich dann Ihre Zeile verſtehen?

Unumwunden! Sie iſt ſo offen, als hätte ſie ein Deutſcher geſchrieben.

Ein Kuß, Excellenz!

Muß ſein, wenn mein Ziel, welches morgen offen vor Ihnen liegen wird, erreicht werden ſoll. Unmöglich!.

Bah! Prinzeſſin! zigen Kuſſes willen

Sie werden hoffentlich Verſtändniß genug für mich haben, Excellenz, um begreifen zu können, daß Ihre Zumuthung mich beleidigen muß.

Das heißt, Hoheit, Sie ſind bange vor einem Kuß?!

Ja, Herr Marquis. Und ich geſtehe, daß ich Ihre Verwunderung darüber nicht faſſe.

Hoheit! und Chetardie's Stimme ward ernſt und beſtimmt,ein Kuß, eine Liaiſon haben heute ſo wenig Bedeutung und Ausſicht, als etwas Außer⸗ ordentliches betrachtet zu werden, daß ich ein gewiſſes Recht habe, darauf zu zählen; Sie werden mir dieſe Forderung nicht böſe anſchreiben.

Ein Kuß! um eines win⸗

Zeitung.

Es iſt wahr, Excellenz, Sie haben ein ſolches Recht; aber was ich ſcheue, iſt nicht die Welt, es iſt mein eigenes Herz und Selbſtbewußtſein.

Voilà, Prinzeſſin, ſo werde ich Sie leicht zu beſtimmen vermögen. Der Kuß, den Sie geben ſollen, gehört in Ihr Intereſſe, iſt für meinen Plan noth⸗ wendig, für unſere Politik.

Ein politiſcher Kuß alſo?

So iſt es, Hoheit!

Dann ja dann das iſt eine andere Lage und

Hoheit! ich darf auf Sie zählen!?

Immerhin!

Eh bienl! ſo ſeien Sie ſo gut und zögern Sie nicht lange.

Und Melartin?

Wird Ihnen folgen.

Wohl! Wann werde ich Ihre Auseinander⸗ ſetzung hören?

Befehlen Sie über mich, Prinzeſſin.

Morgen um elf Uhr dann.

Wünſchen Sie ſich nur Glück, Hoheit! Den Kuß alſo ſobald

Sobald ich Sie ſehe, Herr von Chetardie! fiel Eliſabeth ein und öffnete zu einer leichten Kopf⸗ bewegung die Hand zur Verabſchiedung.

Als Chetardie ſie verlaſſen, nahm er ſinnend den Platz ein, welchen Leſtocg zuvor in der Niſche inne gehabt. 1

Die Bahn iſt offen und eben, das Ziel unver⸗ rückt und klar, die Chaiſe ſetzt ſich in Bewegung wir dürfen ſie nicht ungelenkt laſſen. Faſt moͤchte ich jetzt noch bange werden. Sacré! Dieſe Baroneſſe macht mir das Spiel entſetzlich ſauer. Wenn ich ihrer nur nicht bedürfte! Aber es geht nicht anders und ſo gürten wir uns mit dem ganzen Bewußt⸗ ſein unſerer hohen Aufgabe. Mon Dieu! Der Car⸗ dinal wartet auf Depeſchen, die ich gerne noch in dieſer Nacht abſenden möchte; wenn Frau von Nolken nur die Kriegserklärung ſchon im Pantoffel hätte! Sie und Krieg! Wie entſetzlich mir dieſer Reim vorkommt! Und wenn ſie die Fehde nun wirklich in Gang bringt? ſo geht ſie fort! Eine Perſpective, vor der ich das Auge ſchließe.

Er gab ſich noch einige Minuten ſeinen Gefühlen hin, den Diplomaten bei Seite laſſend, bis er ſich endlich gewaltſam aufrüttelte.

Da ſchlüpfte der goldlockige Baron eben hinaus. Und Frau von Nolken?

Die Baroneſſe ſaß an der Seite der Gräfin Soltikow. Ihr Gemahl machte mit der Regentin, mit deren Favoritin, dem Fräulein von Mengden, und

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6.

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