674 Rovellen
geben, um ſich rein menſchlichen Gedanken in die Arme zu werfen, denn er dachte nicht ⸗-mehr laut. ⸗
Als er in ſeinem Arbeitszimmer angelangt war, warf er ſich in ſein Fauteuil und blickte in die tag⸗ helle, ruſſiſche Nacht hinaus, ſinnend, ſtill, erſt und regungslos.
„Pfui, Herr Marquis!“ fuhr er plötzlich auf. „Sie ſind auf dem Wege, Ihren ganzen diplomatiſchen Ruhm auf's Spiel zu ſetzen.— Sehen wir einmal nach den barbierlichen Zetteln—“ er zog ſie aus der Börſe,—„alle Teufel, welch duftige Schuldſcheine!— Was ſteht denn da?— Fünftauſend,— fünftauſend, — zehntauſend,— zwölftauſend,— nun, das iſt wahr, Summen verſteht Monſieur Leſtocg vorzüglich zu runden— und ich wette gegen mich ſelbſt, daß er Billetdoux in— ah!“ zuckte er auf, als er einen Blick auf die Kehrſeite der Blättchen geworfen,„mille diable! welch— welch koſtbare——“ er vertiefte ſich in das Leſen der einzelnen Stücke und immer lauter ſprach ſeine Miene ein freudiges Erſtaunen aus.
Er las und ſtudirte und ſann und ſtudirte und las. Dann ſtellte er die einzelnen Stück zuſammen. Es lag Etwas wie Mißmuth in ſeinen Zügen.
„Fatal! fatal! daß gerade dieſer Fetzen da fehlen
muß! Hm!— Bahl ich werde ihn mir erobern, wenn
ich Monſieur dem Barbier die Erlaubniß gebe, die Zahlen zu durchſtreichen.— Häßlich iſt es aber doch immerhin, daß der Fetzen noch fehlt— fatal, höchſt fatal! Kein Entſchluß läßt ſich faſſen, kein Plan machen ohne Leſtocq. Und das Uebel wird noch größer dadurch, daß er möglicher Weiſe Geld genug— ah bah! die Prinzeſſin iſt noch nicht Herrin der Landes⸗ caſſe, ihr Seckel noch nicht unergründlich,— aber dieſe feinen Damen— mon Dieu! wer hätte je daran denken mögen, daß dieſe Eliſabeth eine ganz ehren⸗ werthe Intrigue auf eigene Fauſt zu Stande bringen könnte. Keine Seele glaubt es mir, wenn ich es ihr erzähle! Bah! genug, wenn ſie ſelbſt es mir glaubt. Hm! hm— wie wäre denn das mit unſerer Partie zu verknüpfen— Nolken,— Frau,— Melartin,— Teufel, das iſt eine vorzügliche Idee“— und der ſo ruhige Diplomat begann mit freudeblitzendem Auge im Zimmmer umherzuwandern.„Herrlich, herrlich! Alſo noch ein Mal die Stiege abwärts. Nolken,— Baroneſſe,— Melartin,— Prinzeſſin,— Leſtocg,— Chetardie!— Voilà, Sie können ſich gratuliren, Excellenz— Sie haben die Hand voller Trümpfe— halten Sie ſie feſt und ſpielen Sie gut!— Hm!
Aber wird ſie es thun?— Bah!— wenn ſie nicht
müßte! Dieſe Liebesprobe iſt ein Königreich werth! Und es muß gehen, es muß, es wird auch! So, da wären wir mit dem ſchwierigen Plane auf ein Mal
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„Zeiungg..
im Reinen! Die Kriegserklärung wird erfolgen, die Frau Baroneſſe wird anſtatt„noch nicht“ ein„jetzt“ dictiren und— ja und“ ſetzte er mit einem Seufzer hinzu,„und ſammt ihrem blonden Freunde Peters⸗ burg verlaſſen!“—
Die Prinzeſſin Eliſabeth Petrowna bewohnte ein lauſchiges, kleines Gemach, deſſen einfacher Comfort gleich weit von der Ueberladenheit der ruſſiſchen Prachtliebe, wie von der Geſpreiztheit der damaligen franzöſiſchen Manier entfernt war.
Eine nicht mehr junge, dennoch vielleicht gerade deshalb ſchöne Dame befand ſich in demſelben; den Hauch der Jugend, den duftenden Schmelz der noch unberührten Frucht hatte ſie nicht mehr; ſie war die berrliche, ſtrahlende Roſe, die um ſo köſftlicher iſt, wenn die Blätter nicht in ſtrotzender Kraft empor⸗ ſtarren, wenn ſie wie von einem darüber lagernden Schwermuthstone ſich leiſe wölben. Die etwas lange Taille der Dame war ebenmäßig; ſie lehnte edel in einem Seſſel; ihr Antlitz, der reine Spiegel von Sanftmuth und Wohlwollen, war emporgerichtet; ihr Blick, der Strahl des ſchönen, dunkelblauen, glän⸗ zenden Auges ruhte auf dem vor ihr ſtehenden Manne.
„Ja,“ ſagte ſie eben leiſe zu ihm,„damals war ich noch das ſchuldloſe, ſanfte Kind und mein Herz war mein Heiligthum, meine Liebe— mein Leben!— O, ich betete ihn an, den herrlichen Mann, und Adolph Friedrich verdiente es. Ach, wie habe ich gebangt und gezittert, daß man ihn mir entreißen könne;— er wurde mein Verlobter. Ich habe acht Tage in Seligkeit und Wonne und Entzücken geſchwelgt, ich habe empfunden, was Himmelsluſt iſt— dann kam
der Tod.— Ich bin ſo elend geweſen ſeitdem, arm und unglücklich— warum hätte ich nicht einſam ſein ſollen?“
Sie blickte noch lachend auf, aber ſie lächelte in Thränen.
„Und da Sie nicht glücklich ſein können,“ ſagte der, zu welchem ſie geſprochen,„wie ſollte ein Anderer ſein Glück von Ihnen erwarten dürfen? O! ich weiß, welche Genugthuung es iſt, nicht allein zu leiden;— wohl denn, Prinzeſſin,— ich leide mit Ihnen, denn ich mag nicht glücklicher ſein als Sie, ich will nicht mich freuen, da Sie es nicht zu thun vermögen; auch ich werde einſam ſein und verlaſſen— wie Sie.“
„Haſt Du denn Luſt daran, mich zu kränken, Alexis?“
Er ſchüttelte leicht das Haupt.
„Wollen Sie es denn hören, Eliſe, daß ich Sie ſo ſehr liebe, wie Sie einſt geliebt?— Aber ich bin ja der Niedere, Sie die Fürſtin; ich bin ja der
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