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Geſchäftsſchluß zu Haferſchleims Wohnung zu gehen, um dort genaue Erkundigungen über ſein Wegbleiben einzuziehen?“ fragte der Principal am Nachmittage des fünften Tages.„Falls er krank wäre, bitte ich mmir noch heute Abend Bericht zu erſtatten, damit ich iihm ſofort meinen Hausarzt ſchicken(welch' ärztliche Fürſorge! dachte Herr Bendle) kann.“ Herr Döpken hatte zufällig gerade Zeit.— Nach Geſchäftsſchluß war der Principal in den Herſten Stock hinaufgegangen, damit er der Ruhe pflege. Err hatte ſeinen Schlafrock und ſeine, Schlafſchuhe angezogen, einen türkiſchen Fez auf ſeinen wider⸗ ſtrebenden Stachelhaarwuchs zu drücken verſucht, was ihm nicht ganz gelang, und war dann zu ⸗meiner Tochter Philippine⸗ hinübergegangen, um bei dieſer den Thee zu nehmen, über die türkiſchen Bons zu ſprechen und den M. Merkur zu leſen, ein Blättchen, das ſeine Leſer für wenig Geld ebenſo ſehr unterhielt wie belehrte. Nachdem er dieſes bis auf die Angabe des verantwortlichen Redacteurs, des Verlegers, des Druckers und der Expedition durchſtudirt, ſtrich er es in regelmäßige Falten und ſagte nachdenklich:
„Denke Dir, Philippine, Haferſchleim war auch heute nicht da, ſo daß ich Döpken nach ihm aus⸗ ſchicken mußte.“
„Für mich,“ entgegnete Philippine,„entnehme ich daraus, daß es meine nächſte Aufgabe ſein wird, ihn an pünctliche Regelmäßigkeit zu gewöhnen!“
„Aber wenn er nun blos deshalb nicht käme, weil er krank iſt?“
„Ah bah, krank iſt er nicht!“
In dieſem Augenblicke wurde draußen mehrere Male hintereinander an der Flurklingel gezogen.
„Sieh', das wird Döpken ſein— ich habe ihn im Falle der Krankheit noch auf heute Abend beſtellt — alſo iſt er doch krank!“ rief der Principal.„Der arme Junge! Sehr krank vielleicht, ſonſt wäre Döpken nicht ſo eilig!“
„Herr Döpken,“ meldete Theodor.
„Soll herein kommen!“
„Jä wohl.“
Ein ſchüchternes, mädchenpenſionathaftes Anklopfen —„Herein!“— Herr Döpken trat mit einer tiefen Verbeugung ins Zimmer.
„Was ſehen Sie denn ſo verſtört aus, Döpken, er iſt doch nicht gefährlich krank?“
„Nein.“
„Nun, was iſt denn mit ihm?“
Herr Döpken rang augenſcheinlich heftig um
Worte, blickte bald den Principal, bald Philippinen,
Novellen
„Zeitung.
Principal an und brach endlich in die Worte aus: „Er macht eine Reiſe!“ „Ohne mich vorher um Urlaub
das iſt unverſchämt!“
„Ja, und was für eine Reiſel“
„Daß es keine Geſchäftsreiſe iſt, kann ich mir denken,“ entgegnete der Principal ärgerlich—„alſo wohl eine Vergnügungsreiſe?“
„Nehmen Sie den Superlativ davon!“
„Was wollen Sie damit ſagen, Döpken? Heraus mit der Sprache!“
„Er macht, antwortete Herr Döpken möglichſt gleichgültig und obenhin,„eine Hochzeitsreiſe.“
„O mein Himmel!“ kreiſchte ⸗meine Tochter Philippine⸗ auf, warf ſich in die Sophaecke und fiel in eine bodenloſe Ohnmacht. Der Principal riß ſeinen Fez vom Kopfe herunter und kehrte wieder dem armen Thiere, das in die Stacheln ſeines Hauptes hineingefallen war, dieſe aus allen Kräften in den Leib.
Herr Döpken wollte ⸗meiner Tochter Philippine⸗ beiſtehen, fuhr jedoch entſetzt zurück, als ihm der Principal zudonnerte:
„Laſſen Sie ſie liegen! Setzen Sie ſich und er⸗ zählen Sie!“
„Herr Döpken ſetzte ſich aus Beſcheidenheit nicht auf den Sitz des nächſten Stuhles, ſondern auf die äußerſte Ecke deſſelben, zog ein rothcarrirtes baumwollenes Taſchentuch, trocknete ſich die Schweiß⸗ tropfen von der Stirne und ſagte:
„Ihrem Auftrage gemäß ging ich zu Herrn Hafer⸗ ſchleims—“
„Haferſchleims, nicht Herrn!“ ſchrie der Principal.
„Haferſchleims Wohnung, fand jedoch dort Nie⸗ manden. Die Thüre war verſchloſſen und wurde mir nicht geöffnet. Weit entfernt aber, deshalb meine Nachforſchungen aufgeben zu wollen, begab ich mich zu einer gegenüberwohnenden alten Waſchfrau—“ „Warum?“
„Weil ich ſie kenne,“ ſtotterte Herr Döpken ſehr
verlegen...
„Weiter!“*
„Waſchfrau und fragte ſie, ob ſie nichts von dem
Verbleiben ihres Gegenüber wüßte. O, ſagte ſie,
da kommen Sie gerade an die Rechte, das weiß
ich ſehr genau und gegen eine kleine Erkenntlichkeit bin ich auch bereit... Hier, ſagte ich, haben Sie einen Thaler. Ich danke, ſagte ſie, hören Sie zu. Ich bin, ſagte ſie, vor ungefähr fünf Tagen Morgens in die Kirche der Vorſtadt St. Moritz, ſagte ſie, ge⸗ gangen, ſag—“*
gebeten zu haben,
bald wieder umaekebrt Philipoinen und dann den
„Laſſen Sie doch das ewige Sagte ſie⸗ weg!“
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