610 Novellen⸗
Mädchen, das ſich, wenn es auch nicht ſchon in den beſten Jahren war, doch gewiß innerhalb der Grenzen der beſſeren befand— die guten hatten ſie entſchieden überwunden— und dieſes junge Mädchen hob jetzt, wie ſie eintraten, ihr Geſicht zu den Kommenden empor. Es war jedenfalls kein geradezu häßliches Geſicht, nur hätte man daran ausſetzen können, daß es im Verhältniß zu dem übrigen Körper viel zu viel Raum einnahm, was ſich ſchon gleich bei dem Hals zeigte, deſſen Dünnheit ihren Kopf ſchon mehr als Halskugel erſcheinen ließ.
„Herr Golo Haferſchleim,“ ſagte der Principal; „meine Tochter Philippine!“
Meine Tochter Philippine ließ die Halskugel etwas nach vorn rollen.
„Bitte, nehmen Sie Platz, Herr Haferſchleim,“ bat der Principal.
Haferſchleim ſetzte ſich, auch Philippine, nachdem ſie ihm eine Taſſe Thee verabreicht hatte, ließ ſich nieder und zwar dem großen Wandſpiegel gerade gegenüber.
„Wie geht es Ihnen, Herr Haferſchleim?“ frug der Principal.
„Ich danke, gut.“
„Haben Sie gute Nachrichten von Haus?“
„Ich danke, ja.“
„Was machen Ihre Fräulein Schweſtern?“ warf hier meine Tochter Philippine dazwiſchen, ihre Frage eigentlich mehr an das hübſche junge Mädchen in dem Spiegel richtend, wie an Golo.
„Ich bedauere ſehr, Ihnen darauf nicht antworten zu können, weil ich keine habe.“
„So, ſagte das Fräulein um nur irgend etwas zu ſagen,„das iſt Schade.“
Jetzt wäre es für Golo Zeit geweſen, warum? zu entgegnen, um meiner Tochter Philippine dadurch eine Gelegenheit zu verſtatten, ſich eines Weiteren darüber zu verbreiten, wie Schade es im Allgemeinen ſei, wenn man keine Schweſtern habe, wie Schade es insbeſondere ſei, wenn G. Haferſchleim keine Schweſtern habe. Aber Haferſchleim öffnete grauſamer Weiſe der Unterhaltung die Schranken dieſer ſandigen und ſtaubigen Bahn nicht.
„Haben Sie gute Nachrichten von Haus?“ fragte Bauer, unter dem bleiſchweren Druck der Stille ver⸗ geſſend, daß er dies ſchon einmal gefragt habe.
„Ich danke, ja,“ antwortete Golo kalt, während er innerlich in ein ſchallendes Gelächter ausbrach. Das hübſche junge Mädchen im Spiegel ſchien eben⸗ falls zu lächeln, und warf dem Volontär einen ſchalk⸗ haft ſein ſollenden Blick zu.
Zeitung.
Die Situation wurde Carl Wilhelm Bauer unangenehm, ſo unangenehm, daß er von ſeinem feſten Plane, in Geſellſchaft nie C. W. Bauer zu ſein, abwich und in die Frage ausbrach:
„Nun, was haben Sie denn heute Nachmittag ausgerichtet? Sie waren noch nicht wieder zurück, wie das Comptoir geſchloſſen wurde, haben alſo wohl lange zu thun gehabt?“
„Allerdings,“ erwiderte Haferſchleim auffallend eifrig,„ich habe das Geld jedoch nicht bekommen, denn Actuar Meinhold konnte augenblicklich keine Zahlung leiſten und läßt Sie dringend bitten, ihm bis etwa über vier Wochen Ausſtand zu gewähren!“
„Hat der Mann Familie?“
„Ich habe nur eine— Tochter geſehen,“ ant— wortete Golo und überwand mit großer Anſtrengung die Verſuchung, zu ſagen: eine werkwürdig hübſche, allerliebſte Tochter.—
„Wie alt?“ examinirte der Principal, herzlich froh, eine Weile ungeſtört plaudern zu können.
„Etwa achtzehn bis neunzehn Jahre.“
„Wie, und ſchon Actuar und ſchon im Beſitze
eines Kindes?“ „Ach, Sie meinen, wie alt der Vater ſei,“ ſagte Golo mit einem Gefühle, als wenn ihn die Beſitzerin der Halskugel, welch' letztere ſich in dieſem Augen⸗ blick um ihre eigene Längsaxe drehen zu wollen ſchien, ertappt hätte,„der iſt etwas über vierzig.“
„Nun, wenn der Mann noch in den beſten Jahren iſt(hier frug Philippine wieder das hübſche junge Mädchen) und nur ein Kind hat, ſo wird er auch die Mittel zur Bezahlungs einer ſo kleinen Tratte aufzutreiben wiſſen— ich bin das Stunden ſatt— dabei kommt man doch nie zu ſeinem Gelde— laſſen Sie morgen früh den Proteſt aufnehmen.“
„Aber,“ warf hier Golo ängſtlich ein—„er wird es wirklich in vier Wochen bezahlen, ich glaube dafür ſtehen zu dürfen!“
„Bah! Nehmen Sie den Proteſt auf! Doch da hör' ich Schritte— entſchuldigen Sie.“
Bei dieſen Worten erhob ſich der Principal und eilte durch die Vorzimmer. Meine Tochter Philippine benutzte den Moment, um den Volontär mit einem Blicke anzuſehen, den ſie dem Porträt eines berühmten ſpaniſchen Inquiſitionsgenerals abgelauſcht hatte, aber vergebens— Ingquiſit ließ ihn an ſich her⸗ untergleiten wie ein glatter Stein einen Regentropfen. Jetzt trat auch ſchon der Principal wieder ein, begleitet von zwei Herren, einem älteren und einem jüngern, die ſich ſo auffallend in Allem glichen, daß der jüngere entſchieden als die zweite Auflage des älteren gelten mußte. Richtig: Herr Braun Vater, Herr
wie über namentl ebenſo räthſelh breitete, eine We gekomme er es b und ſag „J. kannt, u Ei Braun Secund todesm
7
ſpielte.
0 ganz W Vergn. und al zeigen, fort un G
er, wer klagte von( Vate Hals
ahm


