Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
594
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Novellen

Herr Bendle, flüſterte die Stimme,was ſagen Sie aber denn dazu?

Herr Bendle, ein alter Herr mit weißem Haupt⸗ haar, jedoch unerklärlicherweiſe kohlrabenſchwarz ge⸗ bliebenem Schnurrbart, antwortete, indem er ſeinem treuherzigen Geſicht ein möglichſt verſchmitztes Aus⸗ ſehen zu geben ſuchte:

Wozu?

Nun, lautete die erregte Entgegnung,daß der Principal uns den ganzen geſtrigen Tag freigegeben hat, daß Maurer hier im Zimmer geſehen worden ſind und daß hier unter dem Pulte noch Kalk liegt!

Vielleicht hat Bauer die heimliche Tapetenthür dort links, durch die er uns mit ſeinen Beſuchen über⸗ fällt, wieder verſchließen laſſen, nach dem er einge⸗ ſehen hat, daß wir doch immer frühzeitig genug ge⸗ warnt werden, haha wenn er wüßte, daß uns ſein Liebling, unſer feinhörige College Döpken, bis jetzt noch jedesmal von einer Ueberraſchung benachrichtigte, er würde

Aufmerkſam! rief der College Döpken aus der nächſten Ecke mit tonloſer Stimme dazwiſchen,er kommt!

Sämmtliche Köpfe fuhren lautlos zu den Pulten nieder und die Schreibfedern kreiſchten wie vor Schmerz wegen der rauhen Behandlung, die ihnen ſo plötzlich widerfuhr, über das Papier. In demſelben Augen blicke öffnete ſich auch ſchon eine Tapetenthür, doch nicht die alte links, von der vorhin die Rede geweſen war, ſondern eine zweite neue in der rechten Wand, und durch dieſe trat der gefürchtete Principal. Es war ein unterſetzter Mann in den beſten Jahren, mit einem derben aber klugen Geſicht, über welchem ſich ein üppiger heller, jedoch ſo kurzgeſchorener Haarwuchs erhob, daß die ſtarken Haare, faſt alle einzeln ſichtbar, dräuenden Stacheln glichen. Wehe dem armen Thiere, das in dieſe Lanzen von oben hereingefallen wäre!

So, alſo Sie, ſagte Herr Bauer, an der Thüre ſtehen bleibend, langſam und gedehnt, während er bei jedem Worte den Kopf in die Höhe warf, gleichſam als wollte er dem armen Thiere die Stacheln tiefer in den Leib treiben,ſo, alſo Sie ſind es, Herr Döp⸗ ken, der die Freundlichkeit hat, ſeine Collegen vor meinem Kommen zu warnen, alſo Sie!

Herr Döpken, eine ſehr runde Geſtalt äußerſt jovialen Ausſehens, ſchien völlig moraliſch zerknittert zu werden, wie eine Handvoll Zeitungspapier.

Herr Döpken, ſprach der Principal,ich danke Ihnen für Ihre Aufmerkſamkeit. Er bohrte dem armen Thiere die Stacheln tief in den Leib.Herr Döpken, wenn ich Sie nicht entlaſſe, ſo haben Sie dieſe Güte nur meinem früheren Wohlwollen für Sie

Jeitung.

in Rechnung zu ſtellen. In Zukunft muß ich auf Ihre Aufmerkſamkeit entſchieden verzichten es möchte Ihnen dieſelbe auch ſchwerer werden, ſetzte er mit einem gewiſſen Triumphe hinzu,da ich jetzt zwei Tapetenthüren zu meiner Verfügung habe. Uebrigens thut es mir leid für Sie; ich hätte Sie, falls ſich dies nicht ereignet haben würde, für heute Abend die Stacheln drangen ſo tief in das arme Thier hinein, daß ſie am Rücken wieder herauskamenich hätte Sie hätte Sie Sie eingeladen!

Das war zu viel für Herrn Döpken. Einer ſolchen Ehre, die im Geſchäft alle Vierteljahrhundert einmal Einem widerfuhr, verluſtig zu gehen das war zu viel! Mit tonloſer Stimme, aber einem Aus⸗ druck, als ſtecke ihm eine Kanonenkugel von mäßigem Umfange im Hals, entgegnete er:

Ich dachte... es würde... wenn... geahnt...

C. W. Bauer ſchleuderte das arme Thier mit einer geſchickten Wendung des Kopfes zur Erde nieder⸗ Wo iſt G. Haferſchleim? ſagte er. 8

Im Packlager wahrſcheinlich, antwortete Herr Bendle dienſteifrig.

Holen Sie ihn gefälligſt.

Herr Bendle, trotz ſeines hohen Alters ein äußerſt thätiges Mitglied des Centralturnvereins zu N., ſchwang ſich mit wahrhaft elegant ausgeführter Wendung vom Sitz und turnte zur Thüre hinaus, um nach kurzer Zeit mit einem jungen Mann wieder hereinzuturnen.

Hier iſt Haferſchleim!

Haferſchleim ſchien durch die Gegenwart ſeines Principals wenig gerührt zu werden, denn ſeine äußerſt hübſchen, regelmäßigen, blonden Züge verriethen auch nicht die mindeſten Gefühle der Hochachtung vor C. W. Bauer oder der Neugierde nach dem Grunde ſeines

nicht... ſo...

mit äußerſter Gleichgültigkeit für alles Yere Be⸗ trachtungen darüber anzuſtellen, ob viellei die eigenen Stiefeln weniger Glanz zeigten, wie die vo. W. Bauer, oder ob es ſich umgekehrt verhalte. · Haferſchleim, redete ihn Bauer a, es iſt jetzt ungefähr ein Vierteljahr her, daß Sie Volontär in mein Geſchäft getreten ſind. Sie en während dieſer ganzen Zeit, die Sie bei mir rachten Haferſchleim kam zu der Anſicht, es ſeieine Stiefeln

doch wohl die glänzenderenIhrflichten mit edler Berufstreue und conſequenter egie erfüllt, Sie zeichnen ſich ferner durch manchandere aus; Sie rauchen nicht wie gewiſſe Herreierr Döpken ſchrack zuſammen), Sie trinken keine gelten Waſſer hier ſtellte es ſich Haferſchleimsen als klar heraus, daß C. W. Bauers Stiefeln glänzender

Geholtwerdens; vielmehr ſchienen ſeine blauen Augen

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