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Kenner in dieſem Emblem ſofort die katholiſche Tendenz; ein Wirthshaus ſolchen Zeichens war urſprünglich gewiß nur auf rechtgläubige katholiſche Gäſte berechnet. Dafür giebt es aber auch ein Wirthshaus„Zum Paritätswirth“(goldener Adler), ſo daß alſo ſelbſt in den Wirthshausnamen das Recht der Parität vollſtändig gewahrt iſt. Die proteſtantiſche Haube, das paritätiſche Gegenſpiel zum baieriſchen Häub'l, exiſtirt leider nur noch in ſeltenen Exemplaren als ſogenannte Heiligengeiſthaube, durch eine Art Flügel zu beiden Seiten maleriſch ausgezeichnet.
Mag aber auch die Sitte noch ſo hartköpfig ſtehen ge⸗ blieben ſein bei Heiligengeiſthauben und Riegelhauben und bei proteſtantiſchen und katholiſchen Hebammen: der Volks⸗ aberglaube, älter als die Kirchenſpaltung, ja oft genug als die Kirche ſelber, überrankt heute noch auch dieſe confeſſio⸗ nelle Kluft. Altaugsburgiſche Proteſtanten, die ſich ſtark bedenken würden, in Erkrankungsfällen einen katholiſchen Arzt zu rufen, ſchicken, wenn es gar ſchlimm geht, wohl noch heimlich zur heiligen Kreuzkirche, um eine anonyme Meſſe für ihre Geneſung leſen zu laſſen bei dem ſogenannten „wunderbarlichen Gut“, einer in Fleiſch verwandelten Hoſtie, die als beſonders gnadenwirkend in hohen volksthümlichen Ehren ſteht und auch zur Behütung des Hauſes über vielen Hausthüren abgemalt iſt. Ebenſo laſſen proteſtantiſche Mütter, die zu ihrer Entbindung gewiß keine katholiſche Hebamme annehmen würden, nachgehends doch manchmal ganz in der Stille ein wunderkräftiges Kiſſen bei St. Urſula holen, worauf man die Kinder legt, um ſie vor Krämpfen zu bewahren. Wie unentlich viel einiger ſind doch die Deutſchen im Aberglauben als im Glauben! 6.
Ueber die Naſen.
Ueber dieſen Gegenſtand entnehmen wir der engliſchen Zeitſchrift„About in the World“ Folgendes:
Die Naſen ſind claſſificirt worden als die römiſche Adlernaſe, welche wie der Adlerſchnabel gebogen iſt, die gerade griechiſche Naſe und die Naſe des tiefen Denkers mit weiten Naſenlöchern. Von denſelben zeigt die erſte Ent⸗ ſchloſſenheit, Feſtigkeit des Charakters, große Energie und, mit dieſen Eigenſchaften verbunden, eine bedeutende Gering⸗ ſchätzung der Milde und Sanftmuth und der armſeligen Wege der Geſellſchaft und des Lebens an. Die meiſten unſerer ausgezeichnetſten Männer hatten eine römiſche Naſe. Es war eine römiſche Naſe, welche bei der Unterjochung dieſer Inſel(England) zuerſt verunſtaltet wurde, welche Naſe, wenn der Legende Glauben beizumeſſen iſt, bei dem Verſuch zerbrochen wurde, denn Cäſar fiel bei ſeiner Landung aus dem Boote und beſchädigte auf den kleinen flachen Steinen an der Küſte von Deal ſein Geſicht. Welche wichtige Rollen von Männern mit dieſem Geſichtsorgan geſpielt worden ſind, zeigt ſich durch einen ganz oberflächlichen Blick in die Geſchichte. Mit Seſoſtris beginnend haben wir Cato den Cenſor; Julius Cäſar; Heinrich IV. von Frankreich; Canut; Sir William Wallace; Robert Bruce; Eduard I.; Heinrich VII.; die Königin Eliſabeth; Loyola, Stifter des Jeſuiterordens; Sir Francis Drake; Gonzave de Cordova, der die Mauren ſchlug; en großen Condé; Cortez; Pizarro; die Pitts, Waſhington, den größten Mann der neuen Welt, und Wellington, den erſten Feldherrn ſeiner Zeit, Alle mit römiſchen Naſen. Na⸗ türlich müſſen wir auch Columbus, den Entdecker Amerikas,
Kovellen⸗Zeitung.
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Selbſt ohne das Zeugniß eines Porträts könnten wir erklären, daß es ein Mann mit einer römiſchen Naſe geweſen ſein müſſe, der von einem Hofe nach dem andern verſchlagen, überall verlacht und vernachläſſigt, doch zuletzt durch ſeine Beharrlichkeit das wenige Geld zuſammenbrachte, welches er nothwendig gebrauchte, um der alten Welt entſchloſſen den Rücken zu kehren und über die Waſſerwüſte der neuen Welt entgegen zu ſteuern.
Einer halb römiſchen, halb griechiſchen Naſe, welche Claſſe phyſiſche Energie mit Verfeinerung verbindet, haben ſich viele große Männer gerühmt. Zu denſelben gehören Alexander der Große; Conſtantin; König Alfred; Woolſey; Richelieu; Lorenzo de Medici; Sir Walter Raleigh; Sir Philipp Sidney undzuletzt der größte an Energie und Wirkung, Napoleon Buonaparte. Sein Neffe hat gleichfalls eine Adler⸗ naſe, plump, groß, aber am Ende und an den Naſenlöchern ausdrucksvoll und denkend.
Es iſt unmöglich, ſich ſchönere Geſichter zu denken, als die mit einer griechiſchen Naſe, aber die Beſitzer derſelben ſind Männer von zu großer Verfeinerung, als daß ſie immer energiſch und thätig ſein ſollten. Wenn daher Napoleon, welcher ein Naſologiſt oder ein Naſen⸗Philoſoph war, eine Aufgabe gut verrichtet haben wollte, ſo fragte er ſtets nach einem Manne mit einer großen Naſe. Er ſagte:„Es mag ſeltſam erſcheinen, aber im Allgemeinen wähle ich einen Mann mit einer großen Naſe.“ Nun war die griechiſche Nation mit dieſem Organ ſtets nur kärglich ausgeſtattet. Ihre Naſen waren klein, aber ſehr ſchön geformt, gerade von der Stirn, ohne viel Individualität oder Localität darüber in derſelben und begleitet von dem wohlbekannten griechiſchen Charakter— eine Vorliebe für eine ſchräge Handlung, Liſt, Scharfſinn, Handelsgeiſt und Verfeinerung. Sie liebten die Künſte mehr als den Krieg. Sie bewunderten die Beredtſamkeit, weil ſie indirect überredete. Sie waren unbeſtändig und veränderlich und ſuchten beſtändig nach etwas. Die Römer würden die Mauern von Troja in der halben Zeit, welche die Griecheu dazu brauchten, niedergeriſſen haben oder darunter geſtorben ſein. Die Griechen liebten weit mehr zu ſprechen als zu fechten. Sie bleiben in der Geſchichte und nehmen darin einen ſo großen Raum ein, nicht wegen des Geiſtes des griechiſchen Volkes, ſondern wegen des Genius ihrer Autoren.
Die Beſitzer der griechiſchen Naſe, welche ſich in der Ge⸗ ſchichte berühmt gemacht haben, werden ganz deutlich den allge⸗
ſon, Byron, Shelley, Petrarca, Spencer und Milton(in ſeiner Jugend) ſind die Dichter, welche eine ſolche Naſe hatten. Unter den Malern gab es, wie es ſich aus ihren Porträts ergiebt, viele, welche ſie beſaßen: Raffaelle, der Göttliche, einer der ſchönſten Männer; Canova, der Bildhauer; Claude; Titian; Murillo; und als junger Mann Rubens.
Unter dieſe Claſſe von Naſen fällt ganz natürlich eine ſehr ausgezeichnete Art von Naſe, die griechiſch⸗denkende. In der Jugend ſind viele Naſen beinahe rein griechiſch, aber dieſe entwickeln ſich ſpäter in die runzlige, denkende Naſe mit weiten Naſenlöchern, welche die Mehrzahl der großen Denker beſeſſen zu haben ſcheint. Das iſt die letzte Claſſe, von der wir jetzt ſprechen können. Sie ſollte nicht aufgeworfen, noch ſtumpf abgeſtutzt ſein, ſondern ſich unter dem Rücken der Naſe allmälig erweitern. Die Naſenlöcher ſollten ſchön und weit, nicht geſchloſſen und dünn ſein. Die Lippe ſollte ihren eignen Charakter haben und ſicher nicht dünn ſein, was Schwäche
hinzufügen.
und Neugierde andeuten würde. Krieger, Theologen, Erfinder,
meinen Charakter nachweiſen, den ſie auszudrücken ſcheint. Addi⸗
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