Bis die Nacht mit feuchten Schwingen Still ſich um die Berge legt;
Bis der Mondenſchein mit blaſſen Lichtern zittert über's Thal,
Und die Jugend die Terraſſen Eilt hinab mit ſeinem Strahl.
Wahrlich, wer in ſolchen Tagen Dich gegrüßt hat und gekannt, Ewig wird ſein Herz dir ſchlagen, Du, mein ſchönes Vaterland!
Literariſche Briefe von Otto Banch.
Die eigene Kraft. Nach dem Engliſchen mit Parallelen, bearbeitet von A. v. Colenfeld. Leip⸗ zig, bei Schäfer.
Vom Engländer Samuel Smiles wird Ihnen vielleicht durch die Zeitungen das Buch„Self Help“ bekannt geworden ſein, welches in England und Amerika eine ſehr große Verbreitung gefunden haben ſoll, indem es den Verdienſten des Volksſtrebens in Bezug auf individuelle Culturentwickelung des Ein⸗ zelnen huldigt.„Alles durch ſich ſelbſt“ oder„Eigene Kraft Alles ſchafft“ heißt das Motto dieſer Tendenz und der Verfaſſer ſtellt viele Beiſpiele für das Ver⸗ dienſt der eigenen Entwickelung auf.
Er findet mit Recht: daß es wohl einiges Nach⸗ denken verdiene, auf welche auffallende Weiſe ſich der Nationalkreis und die Volksbefähigung der vornehm⸗ ſten Cultur-Nationen Europas und der Erde gegen⸗ ſeitig ergänzen. Wie veiſe ſind die weſentlichſten Eigenſchaften der Völkercharaktere gemiſcht, damit die eigene Kraft nicht einſeitig in beſchränkte Bahnen gelenkt werde, ſondern ſich in umfaſſender Mannig— faltigkeit geltend mache! Sicherlich kann jede der drei großen europäiſchen Nationen in jedem Fache menſchlichen Wiſſens und Könnens namhafte Männer aufſtellen, welche ſich durch eigene Kraft zur Höhe, zur Unſterblichkeit emporarbeiteten.
Eine verhältnißmäßig große Anzahl dieſer Fürſten der eigenen Arbeit, wie Cobden dieſe Männer nennt, ſtammt aus den niedrigen, armen Volksclaſſen und lebte am Anfang ihrer Laufbahn in ſehr untergeord⸗ neten Verhältniſſen. Die Bauernhütte und die Handwerksſtätte, der Kaufladen und der Abſchreibetiſch, die Barbierſtube und der Bergwerksſchacht, das Fiſcher⸗ boot und die Pfarrwohnung, die Bedientenſtube und das Gaſthaus, die Schaubühne, ja ſogar das Bettler⸗
Novellen⸗
Jeitung.
und das Räuberhandwerk haben ihren Antheil an Männern der eigenen Kraft geliefert.
Der Verfaſſer geht nun zu Beiſpielen über und nennt eine längere Reihenfolge von Männern aus dem Volke, die etwas Namhaftes erreicht haben. Obgleich nun nicht alle dieſer Wahl von unantaſt⸗ barer Bedeutung und nicht immer Lichter erſten Ranges waren, ſo wird eine ſolche Aufzählung doch die Leſer intereſſiren, denn es iſt angenehm zu ſehen, welche Ausdehnung eine ſolche Ueberſicht erlangen kann.
Der ebenſo menſchliche als tapfere General Spork war bis in ſein ſiebzehntes Jahr Ackerknecht. Länger noch diente der jetzt lebende berühmte Bild⸗ hauer Achtormann aus dem Münſterlande als Knecht bei einem Bauer. Marſchall Maſſena und eine Reihe der großen Generale Napoleon I. ſtammten aus Bauernhütten. Unſer Weltreiſender Gerſtäcker war, wie Cromwell, in ſeiner Jugend Landwirth(aller⸗ dings bezeichnet„Landwirth“ an und für ſich durchaus keinen Stand von merkwürdig tiefem Geiſtesniveau); der Weltumſegler Cook war der Sohn eines länd⸗ lichen Tagelöhners; Burns, der liebliche ſchottiſche Dichter, ebenfalls, während er ſelbſt die Schafe hütete. Ein Schäferjunge war auch der italieniſche Maler Giotto. Unſer edler Ernſt Moritz Arndt ward als Sohn eines Landbauers geboren, der noch zu den Hörigen zählte, auf welchen noch ein Reſt der frühern Leibeigenſchaft ruhte. Karamſin, der berühmte Geſchichtsſchreiber Rußlands, war der Sohn eines Leibeigenen. Iſaac Newton, der Univerſalgelehrte und Nebenbuhler Leibnitzens, war der Sohn eines Ackermannes. Palitzſch, der Sternkundige, mit welchem die größten Aſtronomen ſeiner Zeit Briefe wechſelten, ein durch ſeine ſcharfe Beobachtungsgabe bemerkens⸗ werther Forſcher, war ein einfacher Bauer im Dorfe Sommerfeld bei Leipzig. Der erſte Admiral der
Brommy, eigentlich Bromme, war der Sohn eines Kohlgärtners in Reudnitz bei Leipzig und arbeitete gleich andern Gärtnerjungen auf dem Acker. Berthold Seemann, der große Reiſende und gelehrte Botaniker, hochangeſehen von den gelehrten Geſellſchaften Eng⸗ lands, arbeitete als Gärtnerlehrling im Berggarten zu Herrenhauſen bei Hannover.
Unſer Dichter Theodor Körner war ein Bergmann. Greifen wir noch in verſchiedene Gewerke, um mit ſchnellem Blick wenigſtens einige Männer der eigenen Kraft zu muſtern, die aus denſelben hervorgingen.
Hans Sachs, der witzige, vielſeitige Meiſterſänger, war ein Schuhmacher; ebenſo der tiefſinnige Jacob
Böhme. Der berühmte Rechtsgelehrte Profeſſor Dahl⸗
deutſchen Flotte, welche dem Auctionshammer verfiel,—
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