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Furcht, Kappel könne in Folge deſſen Schritte thun, die ihn um ſeine Stellung brachten, und die Gewiß⸗ heit, daß ſie in dem Verhältniß zu ihrem Manne durch dieſe Mittheilungen nichts ändere, hielten ſie davon zurück. Sie war elne beſcheidene, duldende Seele, eins jener Geſchöpfe, die zum Leiden und Dulden gebpren zu ſein ſcheinen.
Der Jäger aber hielt dieſes Dulden und Schwei⸗ gen für Verſtocktheit, und die Aufmerkſamkeit, mit der Anna ihm ſtets begegnete, für ſchlaue Berechnung.
Heute war es anders! Die, welche er glühend liebte, hatte ihn betrogen, und das Weib, welches er von ſich ſtieß, welches er nur als eine Seclavin ſeiner Laune betrachtete, blieb ihm unwandelbar treu und bezeigte ihm eine unermüdliche Theilnahme. Er fühlte den Drang, einem befreundeten Herzen mitzu⸗ theilen, was ſeine Seele bewegte, um nicht ganz den folternden Gedanken anheim gegeben zu ſein.
Als er den Jagdanzug abgeworfen und den be⸗ quemen Hausrock angelegt hatte, ſetzte er ſich mit der brennenden Pfeife an den Camin, wo er eine geraume Weile in die luſtig flackernde Flamme ſtierte.
Er wollte mit Anna eine Unterhaltung anknüpfen und konnte ſich doch auch nicht überwinden, den Anfang dazu zu machen. Je länger er das ſtille Walten und Schaffen ſeiner Frau beobachtete, deſto ruhiger ward es in ſeiner Seele, der Rachedurſt trat mehr und mehr in den Hintergrund und bald dachte er nur noch mit Verachtung an das Bild, welches noch vor wenigen Stunden ſeine Seele ganz erfüllt hatte.
Auch Anna, welche die Wolken auf der Stirne ihres Mannes bemerkte, hegte den Wunſch, dieſes peinliche Schweigen zu brechen.
Auf die Gefahr hin, barſch zurückgewieſen zu werden, bat ſie den Gatten, wenn Kummer oder Aerger ſeine Seele bedrücke, ihr die Urſache deſſelben zu nennen und ſie daran Theil nehmen zu laſſen.
Kappel fuhr aus ſeinem Brüten auf.
„Der Aerger blüht mir täglich,“ erwiderte er, „der Dienſt bei dem Baron iſt ein Hundeleben.“
„Nach dieſer Zeit kommt eine andere,“ tröſtete Anna, welche ſich inzwiſchen dem Gatten genähert hatte;„wer weiß, ob dieſe nicht ſchon bald eine beſſere Stelle—“
„Eine beſſere Stelle?“ unterbrach der Jäger ſie unwirſch.„Woher ſoll ſie kommen? Ich darf nicht wagen, mich darum zu bemühen, der Baron hat's darauf abgeſehen, mich für immer an ſeine Perſon zu feſſeln.“
„So tritt als Mann auf, zeige ihm, daß es
— Gkenzen giebt, die er Dir gegenüber beobachten muß,
Jeitung.
und ändert er ſein Benehmen auch dann noch nicht, ſo erkläre ihm, daß Du unter ſolchen Verhältniſſen ſein Brod nicht länger eſſen wolleſt.“
„Und was dann?“ fragte Kappel.
„Was dann? Du warteſt in Geduld ab, bis Deine Bemühungen um einen anderen Poſten den gewünſchten Erfolg haben. Ich kann arbeiten.“—
„Unſinn!“ fuhr Kappel barſch auf.„Betteln mag ich nicht und bei den Bauern im Tagelohn arbeiten zu ſöllen, das fehlte mir noch! Zudem wird mein Verhältniß zu dem Baron bald ein anderes werden,“ fuhr er nach einer Weile fort;„wäre nur unſer häusliches Verhältniß minder unangenehm und ſchroff, das Andere ließe ſich ſchon ertragen.“
„Was hindert uns, es zu mildern?“ fragte Anna treuherzig.
„Was uns hindert?“ erwiderte der Jäger mit ſchneidendem Hohn.„Der Baſtard, der Deine Ehre gebrandmarkt und mich zum Geſpött des Dorfes ge⸗ macht hat!“
„Du richteſt nach dem Schein, nach welchem auch das Dorf geurtheilt hat,“ fuhr Anna ruhig fort. „Mich trifft keine Schuld; das arme Geſchöpf, welches für das Verbrechen ſeines Vaters büßen muß, iſt kein Kind der Liebe, ſondern ein Kind der Entehrung— nun richte!“
Kappel blickte entſetzt auf. An die Möglichkeit eines ſolchen Falles hatte er bisher nicht gedacht, er konnte auch jetzt noch nicht ſo unbedingt an ihn glauben.
„Ausreden!“ entgegnete er achſelzuckend. 4
„Ich ſagte Dir die Wahrheit. Schon oft ſchwebte dieſes Geſtändniß mir auf den Lippen, aber die Be⸗ fürchtung, daß Du mir keinen Glauben ſchenken wer⸗ deſt, hielt mich zurück, es Dir mitzutheilen. Die Geſchichte iſt kurz und einfach. Ich war, als ich in's Schloß kam, ein junges unerfahrenes Ding; eine Waiſe, ſtand ich auf mich allein angewieſen. Die Leute ſuchten mich nicht, ſo ließ ich ſie auch gehen, und daran that ich Unrecht, denn die Jugend ſoll auf den Rath der Alten hören und nicht eigenſinnig auf ihr eigenes Urtheil bauen. Der Baron fand Gefallen an mir. Ich weilte beinahe ein Jahr im Schloſſe, als er mir eines Tages einen Antrag machte, den ich mit Entrüſtung zurückwies. Ich wollte augenblicklich das Schloß verlaſſen; ehätte ich den Entſchluß ausge⸗
führt, ſo würde ich mir manche bittere Stunde erſpart*
haben. In der nächſten Nacht drang der Baron in mein Zimmer, er überwältigte mich.“
Kappel fuhr von ſeinem Sitz empor, ein wildes
verzehrendes Feuer loderte in ſeinen Augen, die mit
die mir mir ebenfe zweck, ich eruſtlich d fiel duf T mich berei nach der H was zwiſe keine Syl
„So Kappel.
„3i Schande gern,“ e dawalsj ganzen worfen,
Ka⸗ Recht h dafür b ausgegat fuhr er f die Abre laſſen.“


