Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
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gierung Bericht über die Stellung der dortigen Khanate zu Rußland abſtatten, und ohne Zweifel wird er ſeine Aufträge gut ausführen. ging, ſ lichte er noch eine Reihenfolge bunter Mittheilungen in Aethiopien. Wir wollen Einiges aus denſelben mittheilen. Am 1. Januar 1863 verließ er Dſchenda, um nach der Feſtung Debra Tabor zu gehen, wo Theodoros ſich auf⸗ hielt. Er durchzog die Provinz Démbea, deren Hauptſtadt Gondar iſt, und kam an der nordöſtlichen Spitze des Tana⸗ oder Tzana⸗ Sees vorüber nach der Stadt Emfras, die ſehr hübſch liegt und recht gut gebaut iſt. Die Häuſer ſind durch immergrüne Hecken von einander getrennt und die Straßen mit Bäumen bepflanzt. Emfras iſt bekannt durch den ausgedehnten Handel mit Sclaven und durch die Zucht von Zibethkatzen. Von dieſen Thieren iſt eine ſo große Menge vorhanden, daß manche Kaufleute deren mehr als 3000 im Hauſe hatten. Die Thiere werfen einen nicht geringen Nutzen ab.

viermal einen Milchbrei; ſie wird dann und wann mit Wohlgerüchen beräuchert, und in jeder Woche kratzt man ihr einmal eine ſalbenartige Materie ab, das Zibeth, welches in wohlverwahrte Ochſenhörner gethan wird und einen ein⸗ tcäglichen Handelsartikel bildet. Im Februar iſt die Wein⸗ leſe; die Trauben ſind vortrefflich, aber die weißen werden, trotz ihres Wohlgeſchmackes, wenig geachtet. Weshalb? Weil die äthiopiſchen Mönche den Gläubigen eine große Abneigung gegen Alles, was weiß iſt, beibringen; ſind doch die Europäer weiß!

Doch von den Zibethkatzen zum Negus und zu ſeinen Löwen. Der Kaiſer liebt Pomp und Schaugepränge und verſteht ſich auch darauf. Manchmal giebt er Audienz, wenn er von vier ſehr zahmen Löwen umgeben iſt. Die Thiere ſehen wirklich wild aus und haben auch wilde Namen. Der eine heißt Kuara, das iſt der Stürmiſche. Lejean hatte Gelegenheit, mit Sr. Majeſtät Beſtien nähere Bekanntſchaft zu machen. An einem hohen Feſttage wurden ſie von ihren Wärtern in das Zimmer des Fremden geführt, um ihre Aufwartung zu machen. Ein paar blanke Thaler verfehlten die Wirkung nicht; Lejean konnte ſeine Gäſte mit aller Muße abzeichnen. Freilich wurde er durch eine etwas aufdringliche Zutraulichkeit dabei einigermaßen geſtört. Der eine Löwe war von einem Deutſchen, Namens Salmüller, abgerichtet worden; dieſer hatte das Thier dem Negus verkaufen müſſen; er zog dann einen andern auf, der ſich auch ganz gut anließ, aber die Leidenſchaft hatte, den Leuten ſeine Tatzen in die Taſche zu ſtecken und ihnen die Schenkel etwas kräftig zuſammenzudrücken.

Meinſchrecklicher Freund Theodor, ſagt Lejean, iſt gewiß ein Mann, an welchem ſich Vielerlei ausſetzen läßt; wenn man aber ſeine Bedeutung würdigen will, ſo muß man die trägen und unnützen Subjecte betrachten, welche vor ihm

Novellen⸗Zeitung.

Ehe er nach Centralaſien abging, veröffent⸗

Der Kaiſer hat dort einen Palaſt.

Die Zibethkatze be⸗ kommt als Futter dreimal in der Woche rohes Rindfleiſch und

regierten. Da war z. B. Hatzi Tekla Giorgis, der um 1820

auf dem Throne ſaß. Der Engländer Pearce entwirft nach eigener Betrachtung von dieſem Kaiſer oder König folgende Schilderung: Er that ſich auf ſeine Perſon viel zu Gute, war eitel und putzſüchtig, trug Spangen um Armgelenke und Fußknöchel und einen Roſenkranz von goldnen und ſilbernen Kügelchen. In Bezug auf ſeinen Charakter war er ein ganz miſerabler Kerl, liederlich und ein Lügner von Jugend auf. Ein ſolcher Menſch war natürlich mißtrauiſch; er ließ einen Mann, der ihm irgendwie verdächtig vorkam, zu ſich rufen, redete demſelben freundlich zu, ſein Vergehen zu bekennen, undleiſtete einen feierlichen Eid, daß er ihm nun und nimmermehr etwas

zu Leide thun wolle. Nachdem er geſchworen, küßte er ein Kreuz, welches ein Prieſter ihm vorhalten mußte. Sobald aber der Mann fortgegangen war, ſprach der edle König zu ſeinen Hofleuten:Nun guckt mal her! Meine Zunge hat den Eid geleiſtet und ich habe das Kreuz geküßt. Aber ich thue jetzt Alles fort, was dieſelbe bedeckte. Dann ſtrich er die Zunge durch die Zähne und ſpie aus. Dadurch hatte er ſich mit ſeinem Gewiſſen abgefunden und ſagte weiter: Sobald der Rebell kommt, werdet ihr eure Schuldigkeit thun! Dieſer König war ſehr beleſen in der heiligen Schrift und höchſt fromm, aber den lieben guten Chriſten gab er auch ſonſt noch allerlei anſtößige Beiſpiele. Er liebte die Vielweiberei und an allen Ecken und Enden ſeiner Staaten wimmelte es von Prinzen, von einer Legion Vagabunden aushohem Hauſe.

Auf Theodor's Weiſung mußte Lejean in Gafat wohnen, hatte aber Erlaubniß, von dort Ausflüge zu machen, under benutzte dieſelbe, um die Hautpſtadt Gondar zu beſuchen. Man ſieht die Kirchen ſchon aus weiter Ferne, aber wenn zman ſchon längſt in den Straßen iſt, merkt man, als Eu⸗ ropäer wohlverſtanden, noch nicht, daß man ſich in einer Stadt befindet. Dieſe beſteht eigentlich aus ſechs großen Flecken, welche durch Getrümmer aller Art von einander ge⸗ trennt ſind. Auf die Einzelſchilderungen derſelben gehen wir nicht ein, erwähnen aber des Negus⸗Ghimp oder kaiſerlichen Palaſtes. Ein Theil deſſelben fällt in Ruinen, und Theodoros, der überhaupt die Stadt Gondar nicht gern hat, läßt nichts ausbeſſern.

Doch iſt er nicht Schuld an dem Zerfallen des Ghimp. Dieſe fällt auf die alte Königin Menene, die Mutter des vorigen Herrſchers Ras Ali, welche in der Erbitterung, daß ihre Familie ſo unbeliebt war, einen großen Theil des Schloſſes zerſtören ließ. Dieſe Frau hatte den ehevorletzten König geheirathet, ſchied ſich von ihm, behielt aber die Stadt Gondar nebſt der Provinz für ſich, regierte und befehligte in eigner Perſon die Armee. Ein junger Abenteurer, ein Glücks⸗ ritter, Namens Kaſſa, war von ihr zum General erhoben worden und gerieth mit ihr in Streit, einer Kuh wegen. Der Streit zog Krieg nach ſich; im Kampfe derſetzte Kaſſa der Menene einen Lanzenſtich in den Schenkel, nahm ſie gefangen und ließ ſie erſt los, als ſie ihm Gondar abgetreten hatte. Dieſer General Kaſſa war Niemand anders als Kaiſer Theodoros.

Menene ging gern mit Europäern um. Sie hatte einen Neapolitaner, Montuori, um ſich, der den Miſſionär ſpielte, einen luſtigen Abenteurer, welchem alle Rollen gerecht waren und der insbeſondere ſehr heftig gegen die Mönche declamirte. Der Menene imponirte er dadurch, daß er ihr ſagte, wenn ſie nicht brav ſei, wolle er ganz Europa in Kunde ſetzen, daß ſie keine fromme und gerechte Fürſtin, ſondern eine Agrippina ſei! Was wußte Menene von der Agrippina? Sie dachte, das ſei eine Perſon wie die Jeſabel oder Herodias in der Bibel, und ſie beſchwor denfrommen Pater um Gottes Willen, ſolche abſcheuliche Dinge ja nicht nach Eu⸗ ropa zu ſchreiben!

Halbbarbaren ſind unberechenbarer als ganze Barbaren; das erfuhr auch Lejean. Theodor hatte Verdacht gegen ihn geſchöpft und mehr als einmal Drohungen ausgeſtoßen. Dann ſchrieb er einen Brief, deſſen Inhalt im Weſentlichen lautete: Als Du zu mir kamſt, ſtellteſt Du Dich mir als Freund vor. Aber biſt Du nicht etwa gekommen, um mit den Schefta's(Rebellen) gegen mich zu conſpiriren? Haſt Du

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