460 Novellen
geſchritten und es zeigte ſich, daß der Ruin des Rockingham⸗ Gutes hoffnungslos und vollſtändig war.
Auf einen Brief, den ich an Miß Rockingham ſchrieb, worin ich ihr meine herzlichſte Theilnahme ausdrückte und ihr zugleich die armſeligen Dienſte anbot, die innerhalb meiner beſchränkten Macht lagen, erhielt ich die folgende Antwort:
„Meine theure, alte Freundin!
„Ihr Brief hat mir wohlgethan. Dieſe Verſicherung iſt meinerſeits der beſte Weg, Ihnen dafür zu danken. Wenn wir uns wiederſehen, werde ich Ihnen ſagen, weshalb Ihre Worte in mir andere Gefühle erweckten, als jene, welche durch zahlreiche Beileidsſchreiben unſerer Verwandten und Bekannten erweckt wurden. Ich ſchreibe Ihnen heute, um Sie zu bitten, uns einen wichtigen Dienſt zu erweiſen, und es iſt für mich in meiner troſtloſen Lage eine Erleichterung, zu wiſſen, wie gern Sie die Gelegenheit ergreifen werden, um unſere Schwierigkeiten zu vermindern. Ich bitte Sie, uns die zwei wohlfeilſten Zimmer, die in Dublin in irgend einem Hauſe zu vermiethen ſind, das für uns nicht ganz unpaſſend zu bewohnen iſt, zu verſchaffen. Wir müſſen zwei Zimmer haben, weil Florence und ich entſchloſſen ſind, zu verſuchen, Stickereien zu verkaufen, in deren Anfertigung wir mit mehr Erfolg zu arbeiten denken, als mit einfachen Näharbeiten oder Kleidermachen, worin wir, wie Sie wiſſen, ſehr uner⸗ fahren ſind. Ich kann über ſolche Dinge kaum ruhig ſchreiben. Denken Sie nur an meinen Liebling, die zarte Florence— ich darf nicht daran denken. O, theure Freundin, wie wenig träumten wir in den glücklichen Jahren, wo ich lernte,
„Zeitung.
iſt, haben nicht viele Bewohner. Sie würde daher für Sie kein unpaſſender Aufenthalt ſein; und als ich fand, daß das ganze Haus Ihres Urgroßvaters, des alken Lords Galtimore, zu vermiethen ſei, und zwar für einen geringeren Hauszins, als Sie für zwei anſtändige Zimmer in dem ſüdlichen Theile der Stadt zu bezahlen haben würden, trug ich kein Bedenken, es für Sie auf ein Jahr zu miethen. Ich verberge Ihnen nicht, daß es faſt ganz ohne Möbel iſt und daß die Wände und das Täfelwerk vom Dampf und Schmutz in 3einem ſchlechten Zu⸗ ſtande ſind, aber trotzdem wird Ihre Stellung in dem Hauſe bei weitem irgend einer, die ſie anderswo zu demſelben Preiſe finden könnten, vorzuziehen ſein, und ich bin überzeugt, Sie werden meine Wahl billigen. Die alte Frau, welche mit der Ueberwachung des Hauſes betraut iſt, wohnt auf der andern Seite der Straße gegenüber und wenn Sie es wünſchen, wird ſie Ihre Bedienung übernehmen. Ich fragte ſie, wie es zugehe, daß der Miethzins für ein ſo großes Haus ſo gering ſei, und ſie murmelte etwas davon, daß die vornehmen Leute dieſen Theil der Stadt verlaſſen hätten und arme Leute fürchteten ſich vor der Kälte in den großen Zimmern. Ich habe indeſſen einigen Verdacht, daß ſie ſich ſelbſt vor etwas außer der Kälte fürchtet, denn ſie machte große Schwierigkeiten, in das große hintere Beſuchzimmer einzutreten, und ſie bekreuzte ſich ſehr kräftig, als ich eine Bemerkung über das ſeltſame Ausſehen eines alten Spiegels, der ſich noch an der Wand befindet, und von dem beinahe die ganze Queckſilberfolie abgefallen iſt, machte. Ich wage zu ſagen, Sie werden eines Tages darin den alten Lord Galtimore erblicken! Theure Miß Rock⸗ ingham, ich verſuche, Ihnen ein Lächeln abzugewinnen, aber
Ihnen für die Ausbildung der lieben Florence, wie keine andere Gouvernante es hätte thun können, dankbar zu ſein, daß ein weit geringerer Unterricht, als Sie ihr gaben, je nöthig ſein würde! Sie würde mich tadeln, wenn ſie dieſen Brief ſähe. Sie iſt brav— ſo ruhig, beinahe heiter in man⸗ chen Augenblicken. Ich fühle mich nicht verſucht, um meinet⸗ willen wegen irgend eines andern Verluſtes zu murren, wäh⸗ rend ſie mir gelaſſen iſt; doch um ihretwillen iſt das Alles ſehr bitter. Schreiben Sie mir, ſobald Sie in Dublin Zim⸗ mer für uns gemiethet haben, da wir R— ſofort verlaſſen müſſen. „Immer Ihre dankbare
„Adele Rockingham.“
Auf dieſen Brief antwortete ich nach ein paar Tagen:
„Meine liebe Miß Rockingham!
„Sie beurtheilten mich ganz richtig, als Sie ſagten, ich würde gern jede Gelegenheit ergreifen, um Ihnen den klein⸗ ſten Dienſt zu leiſten. Sobald ich Ihren Wunſch kannte, begab ich mich ſofort auf den Weg, um paſſende Zimmer für Sie zu ſuchen, aber einige Tage lang ganz ohne Erfolg. Es giebt auf dieſer Seite der Stadt keine wirklich billigen Woh⸗ nungen, ausgenommen in Straßen, in denen Sie nicht wohnen können. Ich bin indeſſen glücklich genug geweſen, eine Wohnung für Sie zu finden, welche, wie ich glaube, aus manchen Gründen Ihnen willkommen ſein wird, als ein ſolches Logis, von dem Sie ſprachen. Wie ichzmich erinnere, kennen Sie Dublin nicht ſehr gut, daher ſind die alten Quar⸗ tiere der Stadt in der Nähe der Dominikſtraße Ihnen wahr⸗ ſcheinlich unbekannt.
„Sie beſtehten aus großen Häuſern, von denen viele hübſch und von geachteten Perſonen bewohnt ſind, andere ſind ſehr verfallen und nur von Armen bewohnt. Eine dieſer Stra⸗ ben iſt außerordentlich ſtill, denn ſie hat keine Durchfahrt und die wenigen großen Häuſer, aus denen ſie zuſammengeſetzt
mein Herz ſchmerzt. Ich habe Ihnen in Bezug auf Sie und meine theure, theure Schülerin viel, ſehr viel zu ſagen, aber ich will es heute nicht ſchreiben. Schreiben Sie mir, an welchem Tage ich Sie an der Eiſenbahnſtation erwarten und Sie nach der S— Straße bringen ſoll.“
Vierzehn Tage ſpäter befanden ſich Adele und Florence Rockingham in ihrer neuen Wohnung.
„Sieh,“ ſagte Florence heiter, als ſie durch die Zimmer ſchritten und die Möbel unterſuchten—„ſieh, Ady! Dort iſt unſer eignes theures Andreaskreuz, das wir auf der zweiten und dritten Schildabtheilung führen— ich habe es hier auf dem Ringe, den Du mir geſchenkt haſt. Ei, wir ſind hier ganz zu Hauſe; ſind wir's nicht, mit unſerm eignen Schilde über dem Spiegel?“
„Ja,“ ſagte Adele mit dem Geburtsſtolz, welcher mit dem Verluſt weltlicher Reichthümer ſtets wächſt,„ja, wir ſind die einzige Familie, welche berechtigt iſt, das Wappen der Gal⸗ timore auf unſerem Wappenſchilde zu führen und, wie man ſagt, ſollen ſie ſo alt ſein als Sir Hugh de Morbihan, woraus ihr Name Malvern verunſtaltet wurde. Erinnerſt Du Dich noch der merkwürdigen Geſchichte des Fluchs über den erſten pro⸗ teſtantiſchen Earl of Galtimore?“
Ich vermuthe, daß Florence in ihrem Herzen die ganze Geſchichte ebenſo gut wie Adele kannte, aber da ſie ſah, daß ihre Schweſter durch das Sprechen ein wenig heiterer wurde, antwortete ſie:.
„Wie war es nur mit dem Fluche eigentlich? War es nicht in Folge der Beſitznahme einiger Ländereien, die einem
Nonnenkloſter gehörten, von Seiten unſeres Ur⸗Ur⸗Großvaters
Galting?“ „So ſagt man; und dann ſprach die Aebtiſſin den
ſchrecklichſten Fluch mit Glocke, Buch und Kerze über ihn aus. Sie ſagte: Sie haben uns keinem Frieden in dem Kloſter⸗ gelaſſen, und Sie werden keinen Frieden in Ihrem Bett,
üöre Stimme i ſie
rräüig Jahrs gemahlin alte Dame. eine Couſine timore, ſie w Florenct, hi wie Lady F ſi ganz yl oſel zu verli Augenblice⸗ contracts ode dringen.” „Gut, lauſchend, ha „Nun, ein ſelbſt für Leben, fuhr reitern und dem Viceköni mantenſchmu ſagt, ſie h äußert, um Lelea der a lich ſtarb, w Beide ſchon und Niemand das Vermöge waren von dieſes Haus Schulden zu er möchte wo worden ſei. nicht wohl v cutoren ware nicht in Sta „Ich w hat; es lag Vaters.“ „Mein, ien Zinmen lönnen in un richten. . DaSt wählt ham großen Geſe


