Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
458
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458 Novellen

Müller den Korb umwendete und ihr eine lebende oder todte Biene darreichen wollte, richtete ſie ſich jedesmal bei der Annäherung ſeiner Hand ſchon von weitem auf, ſich auf die hintern Beine ſetzend, und nahm mit Begierde das Dargebotene aus ſeinen Fingern, zerknetete es augenblicklich und fütterte die Jungen. Auch dieſen letztern gab er öfters einige Tröpfchen Honig oder zerdrückte Bienenbrut auf den Mund und das Futter ſchmeckte ihnen ebenſo gut, als wenn ſie es von ihrer gewöhnlichen Ernährerin em⸗ pfangen hätten.

Bald hatten einige Würmchen ſich verwandelt und ſchlüpften als junge Horniſſen aus. Sie ver⸗ weilten einige Tage noch im Neſte, flogen dann aus und brachten Stoff zum Bauen und Futter, halfen auch der Mutterhorniſſe bei der Vergrößerung des Neſtes und beim Füttern. Sie ließen ſich übrigens in Allem ebenſo behandeln wie die alte Horniſſe, weil er ſie von ihrem erſten Ausſchlüpfen an durch Anrühren, Füttern und öfteres Beſichtigen des Neſtes an dieſe Behandlung gewöhnt hatte. Oft nahm Müller das mit 30 bis 40 Horniſſen beſetzte Neſt von ſeinem Standort hinweg und trug es in den Garten, um dort ſeinen Kindern oder den ihn beſuchenden Freunden und andern Neugierigen die Arbeiten dieſer Thiere im Innern ihrer Wohnung zu zeigen. Er trug den Korb ſtets umgewendet und nie fuhr eine Horniſſe zornig heraus, ſondern alle arbeiteten ruhig fort, ohne ſich im mindeſten ſtören zu laſſen; ein Theil baute an den Zellen, ein anderer an der äußern Schale, andere fütterten oder liefen umher. Im Beiſein der Zuſchauer reichte er ihnen ſodann Futter, das ſie auch ſogleich austheilten. Die Horniſſen, welche unterdeß ihr Geſchäft beendigt hatten, flogen aus dem Korbe heraus, zwiſchen Müller und den Umſtehenden hin⸗ durch in's Feld, um neue Vorräthe zu ſammeln. Mittlerweile aber hatten ſich die aus dem Felde zu⸗ rückgekehrten Horniſſen zu zehn bis ſünfzehn an der leeren Stelle des Bienenſtandes verſammelt, wo ihre Wohnung ſonſt ſtand, und ſchwärmten ängſtlich umher. Müller eilte nun hin, hielt den Korb einige Augen⸗ blicke, ohne ihn niederzuſetzen, an ſeinen gewohnten Standort und ſogleich flogen die Umherſchwärmenden hinein, mit welchen Müller dann ſofort wieder zu den neugierigen Zuſchauern zurückkehrte, um ihnen zu zeigen, wie die friſch eingetragenen Vorräthe jetzt verbaut und verfüttert wurden.

Die Zähmung dieſes Horniſſenſchwarmes gab zu gleicher Zeit auch Veranlaſſung zu mancher Kurzweil und zu ſehr komiſchen Auftritten. Müller pflegte immer mit dem Munde zu pfeifen, wenn er die Larven oder die Horniſſen fütterte. Allmälig hatten die Thiere

Zeitung.

ſich ſo an den Pfiff gewöhnt, daß ſie ſchon mit einem Male aus dem Korbe kamen, auch wenn er denſelben nicht aufhob, ſondern ſich nur davor ſtellte und pfiff. Nach und nach ging er immer weiter von dem Stocke weg, wenn er pfiff, und brachte es endlich dahin, daß ſie ihn in ziemlicher Entfernung, unter Bäumen und Gebüſch verſteckt, aufſuchten, wenn er ihnen ſeine Anweſenheit durch Pfeifen verkündete. Ja, er ging noch weiter. Wenn er Beſuch von Fremden bekam, ſo unterhielten dieſe ſich natürlich bald über die Lieb⸗ lingsbeſchäftigung des Herrn Müller. Im Verlauf des Geſprächs ſagte ihnen dann gewöhnlich der Herr Pfarrer, er beſäße eine große Anzahl von niedlichen kleinen Vögelchen und fragte ſie, ob ſie nicht Luſt hätten, ſie zu ſehen. Wie zu erwarten ſtand, wurde das Anerbieten jederzeit ſehr bereitwillig angenommen. Schon Eingangs dieſer Zeilen wurde bemerkt, daß ſeinem Wohnzimmer gegenüber der Bienenſtand war, worin ſich auch das Horniſſenneſt befand. Wenn er dann eine Scheibe oder einen halben Flügel des Fenſters etwas geöffnet hatte, ſetzte er ſich wieder zu ſeinen Freunden an den Tiſch und ließ einen feinen durchdringenden Pfiff hören. Kurz darauf ſummte und brummte eine ganze Schaar von Horniſſen zum Fenſter herein und ſetzte ſich, zum größten Schrecken der Fremden, auf den Tiſch, auf das Kleid, ja auf die Arme und Hände Müller's nieder. Er ſuchte dann ſeinen erſchrockenen Freunden Muth zuzuſprechen, indem er ihnen verſicherte, daß auch nicht die geringſte Gefahr vorhanden ſei. Um ſie davon zu überzeugen, faßte er die Horniſſen an, ſetzte ſie von einer Stelle auf eine andere und ſtreichelte ſie, wie man es bei kleinen Hunden und andern zahmen Thieren thut.

Es ſchien, als hätten ſie gar keinen Stachel. Gewöhn⸗

lich legte er ihnen dann zur Belohnung ein Stückchen Zucker auf einen Bogen Papier, über welches ſie dann mit wahrem Heißhunger herfielen.

Obgleich die Geſchichte der Zähmung hiermit ziemlich vollſtändig erzählt iſt, ſo wird der Leſer doch gewiß gern noch weitere Schickſale und das Ende dieſer civiliſtrten und menſchenfreundlichen Thiere kennen lernen.

Weil dem Herrn Pfarrer doch ſeit einiger Zeit die Menge der Horniſſen zu groß wurde, ſuchte er ihrer zu ſtarken Vermehrung entgegenzuarbeiten und verwundete jeden Tag mit einer Nadel einige Würmer, die als⸗ dann von den Horniſſen aus den Zellen gezogen wurden. Schon war in einer neuen Tafel auch männliche Brut angeſetzt und Müller ſah der Erbauung einer vierten für die künftige Mutter entgegen, als dem Neſte ein unvorhergeſehenes Unglück widerfuhr. Mutterhorniſſe, die noch immer jeden Tag ausflog,

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