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Kaiſers Namen Sigismund bekommen. War gar eine große Freude für meinen Bruder und die Kind⸗ betterin, die gar wohl auf iſt. Hernach hat der Kaiſer meinem Bruder große Gnade gethan, ihm herrliche Freiheiten geſchenket, ein anderes, gar ſchönes Wappen gegeben, auch ihm Erlaubniß ertheilt, einen andern Namen zu führen, als er vorher geführt hatte, daß er nun nicht mehr Peter Egen heißet, ſondern Peter von Argaw. Wird doch machen, daß man ihm wird übel nachreden, habe ihm auch ſelbſt geſagt, daß er eitel ſei, darum, daß er ſich ſeines Vaters Namen ſchäme, der doch ehrbar und alt wär. So giebt er mir zur Antwort, daß unſere Vorfahren ſeit unvordeuklichen Zeiten ſich von Argaw geſchrieben, und hätte erſt unſer Großvater, dem Gott eine fröh⸗ liche Urſtänd verleihe, den Namen Egen angenommen, deß er gar gut Urkunde und Brief hätte, ſo wolle er zu Ehren unſerer lieben Vorfahren dieſen Namen wieder führen, hoffte, daß man ihn darum nicht ver⸗ denken ſoll. Nun wird morgen ein gar großer Tanz ſein, wo ich mit Ritter Marquard auch dabei ſein werde. Iſt auch der Kaiſer dazu geladen und Alles, was hier iſt von Geſchlechtern, Männer und Frauen, auch was von Adel und Ritterſchaft hier iſt, werden viele Tiſche beſetzt ſein, und ſoll das Mahl 16 Pfennige für Jeden koſten. Hoffe, es ſoll ſchön dabei ſein, und hat mich Ritter Marquard gar ſchön gekleidet, mit Rock, Mantel und Hut, die ich morgen tragen will. Muß aber jetzt ſehen, wie meine Kindbetterin lebt. Leb wohl, Teutiche. Ritter Marquard läßt dich und Ritter Fritz auch grüßen. Küſſe mir deine Kleine. XVII.
Hab mich ein wenig frühe zum Tanz angezogen, damit ich dir noch etwas ſchreiben kann, liebe Teutiche, bevor Ritter Marquard kommt und mich abholt, wird wohl bald da ſein. Hab mir Mühe gegeben, mich recht aufzuputzen, um ihm Ehre zu machen, fruchtet aber nicht viel. Doch ſagt die Magd, daß ich recht
ſchön ſei, muß doch im Spiegel— pfui ſchäm dich, eine Wittfrau ſein und ſo eitel ſein, das ſteht nicht ſchön. Doch bin ich noch jung und jetzt Braut, ſo wird ein wenig eitel ſein auch nicht ſo gar ſchändlich ſein. Zudem ſagt man mir es jetzt ſogar oft vor, daß ich ſo ſchön ſei, daß ich nur halb ein Weib ſein müßte, wenn ich es nicht ein wenig glauben wollte. Aber da kommt er ſchon. Seid willkommen, Ritter Merklin (Diminutiv von Marquard). Er muß mich noch ein wenig ſchreiben laſſen. Er will's zugeben. Aber in Ruhe, Ritter, weiß Alles, was ihr ſagen wollt, nicht wahr, daß ich ſchön ſei? War errathen. Nun ſo laßt mich ſchreiben, Ritter, und nicht Kurzweil getrieben.
Novellen⸗Jeitung.
Es nimmt ihn Wunder, wie ich ſchreibe und will mir
zuſehen, aber er kann nicht leſen. Könnt ihr leſen, Ritter Merklin? Könnt— ihr le— ſen— Nun! gemach genug, aber es geht doch, das ich nicht geglaubt hätte. Aber ſchreiben kann er nicht, der Ritter. Wirk⸗ lich? Er will mir's zeigen, da habt ihr die Feder, Ritter Merklin, ſchreibt auch an meine gute liebe Baſe, wenn es wahr iſt, daß ihr ſchreiben könnt. Heilige Mutter Gottes! er will wirklich ſchreiben.
„Ihr ſollet wiſſen, liebe Frau Teutiche, daß ich euch gar lieb hab, wenn ich euch ſchon nicht kenne. Darum, daß ihr meine Braut lieb habet, und daß ſie euch auch lieb hat. Item ſollet ihr wiſſen, daß ſie eine böſe Frau iſt, und das hab ich euch ſchreiben wollen, damit ihr es wiſſet.“*)
Jetzt iſt's genug, Ritter Merklin, ich ſeh wohl, daß ihr faſt geſchickt ſeid. Aber er hat geſchwitzt und geſeufzt dabei, der gute Mann, und hat geſagt, daß er in ſeinem Leben nicht ſo viel geſchrieben habe, das ich gern glauben mag. Aber jetzt ſoll ich gehen, ſo lebe wohl, Teutiche, bis ich wieder komme, will dir hernach Alles erzählen, was geſchehen iſt. Ich komme, Ritter, ich komme. Er läßt mich nicht mehr in Ruhe.
Nun bin ich erſt geſtern früh vom Tanze heim. Wie ich mit Ritter Marqnard auf das Tanzhaus gekommen, da waren ſchon gar viele Leute beiſammen, und mögen wohl über 200 Leute von Geſchlechtern und Fremden dageweſen ſein. Und war dabei auch eine gar ſchöne Jungfrau, die Sibylla Goſſenbrotin, des Bürgermeiſters Tochter, Leonhard des Radawers Braut, die von Allen für die Schönſte gehalten worden, außer von meinem Marquard; auch ſind viel andere
ſchöne Frauen und Jungfrauen dageweſen, die ich
dir nicht alle nennen und beſchreiben kann, und viel andere ehrbare Leute genug. Da mußten wir wohl lange warten, bis daß der Kaiſer gekommen war und wurden Viele faſt masleibig(verdrießlich) darüber. Hernach kam er und kam auch mein Bruder mit ihm, bei dem er wohnt. Da nahm mich Ritter Marquard und führte mich vor den Kaiſer und ſtellte mich ihm vor. Da ſprach der Kaiſer: Ei, Ritter Marquard, wie habt ihr ſo ſchön gewählt, wohl müſſet ihr wiſſen, was ſchön iſt. So ſprach der Ritter: Gnädiger Herr Kaiſer, wenn ich nicht wär gewählet worden, ſo würde ich umſonſt gewählet haben. Da wünſchte uns der Kaiſer Glück, und war gar gnädig. Hernach fing man den Tanz an und tanzte gar ſchön und mit guter Manier,
daß auch der Kaiſer ſagte, hätte nicht leicht ſchöner
*) Dies war in dem Originalmanuſcript der Briefe von einer
andern ſehr ſchlechten und unleſerlichen Handſchrift.
treten, un dem Beute und ſchlie ebenſo, u hundert? große Fre allen Bürg Vünſche h gewiß nie
daß ſie ih noch lang
wir heimg dabin gefü mir alle: Hainz bei geſchehen Betrübniß
Jetzt da der Ka abgereiſt hat, aber gekoſtet u lieb iſt. zogen, um Die ſoll i mit allen kannten i St. Eliſa und Einz m hier zu nume
³) C der Ringe


