Vierte Folge.
. ane. EIISLR
V Gine MWochenchronih für iteratur, Nunst, ſchöne Miſſenſchaften und Geſellſchaſt.
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Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Ceipzig, am 13. Juli 1866.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Eine Novelle in Briefen
aus
dem fünfzehnten Jahrhundert . von
Otto Banck.
(Fortſetzung.)
XIV.
Nun ſoll heute das geſchehen, wovon ich dir 1 neulich geſchrieben habe. Darfſt wohl für mich beten, liebe Teutiche, wenn du mir etwas Gutes wünſcheſt. Habe deine Schweſter bitten laſſen, mit Ritter Mar⸗ 1 quard zu reden, und habe jetzt meine Magd auf die 1 Wache geſtellt, auf ihn zu warten. Was ich unruhig bin, das kann ich dir gar nicht ſchreiben, aber nicht fröhlich, ſondern ſo wie in den erſten Tagen, da mein Hainz geſtorben war. Der liebe Mann! O wie viel Zäͤhren hat er mich noch heute gekoſtet, da ich die ganze Zeit an ihn gedacht habe. Was ſollte er denken, wenn er wüßte, was ich heute vorhabe?
die Leute ſagen werden? Wenn ſie ſagen, ich habe
Wollte er es wohl tadeln oder mich untreu ſchelten? Aber was könnte ihm meine Treue nützen, da ich ihn wohl treu geliebt habe, ſo lange er gelebt hat und ſo lange ich lebe ihn nicht vergeſſen will. Aber was
ihn nicht lieb gehabt, ſo lügen ſie, und wenn ſie ſagen, ich ſei leichten Sinnes, ſo lügen ſie auch, da ich wohl bedacht habe, was ich thun will, und auch das nicht thät, wenn man mich nicht ſo arg plagte, und wenn ich nicht dächte, ich thät' bei meinem Alter noch beſſer, daß ich in der Welt blieb, als daß ich in's Kloſter gehen wollte. Nun bin ich heute voll Ernſt, liebe Teutiche, das kannſt du wohl wiſſen warum. Jetzt höre ich etwas kommen, ſo muß ich ſchließen und will hernach weiter ſchreiben. Er kommt.——— 85 Wie ich eben aufgehört habe und in die Stube gegangen bin, da kommt Ritter Marquard mit meiner Magd, die ihm den Weg gezeigt, daher, und die. Magd geht wieder fort. Da hab ich gezittert und gebebt, da ich ihn geſehen habe, ſo ſchoͤn er ſich auch


