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Vierte
der Entfernung, gleichviel, ob das Object ein körper⸗
liches oder geiſtiges ſei. Dieſes Geſetz ſindet auch auf die Kultur⸗ und Literaturgeſchichte ſeine unerbitt⸗ liche Anwendung und entzieht die Zeitgenoſſen mehr oder minder einer richtigen Beurtheilung, ganz abge⸗ ſehen von hundert andern Irritirungen, welche der Wahrſpruch der Gegenwart über die Gegenwart durch die vielverzweigten Verhältniſſe und Vorurtheile des Lebens finden muß.
Auch den Verfaſſer der vorliegenden Schrift ſehen Sie von dieſer Ueberzeugung erfüllt und ſie hält ihn angemeſſen ab, ſeine Ausſprüche, über ſeinen nahe⸗ liegenden Stoff für ſo feſtſtehend zu halten, als ſie es vielleicht über eine ferner liegende geſchichtlich wie äſthetiſch geklärte Materie ſein würden.
Dazu kommt noch ein Hinderniß mehr. Es fehlte ihm jene große Beihülfe, welche Vorarbeiten auf gleichem Gebiete dem kühnſten und ſelbſtſtändigſten Geiſte zu bieten pflegen. Solche Vorarbeiten ſind nur wenige und nur partielle vorhanden, wenn es ſich wie hier um den Verſuch handeln ſoll, die all⸗ gemeinen Kulturverhältniſſe unſeres Jahrhunderts in ein principiell einheitliches Bild zuſammenzudrängen. Dieſes Unternehmen iſt gewiſſermaßen ein erſtes ſeiner Art und um ſeiner Arbeitsrüſtigkeit und männlichen Gradheit wegen, mit der es auftritt, haben wir es doppelt willkommen zu heißen. Es wird ſich und will ſich im großen Hörſaale der Zeit als ein geiſtiger Bauſtein, als ein Material für ſpätere Beſtrebungen ſeiner Art kundgeben, und ſchon um deswillen ſind einzelne Einſeitigkeiten, die es enthält, nicht als ſchwerfällige Principfragen über die Anſichten des unbedingt ſehr geiſtbegabten und kenntnißreichen Ver⸗ faſſers aufzufaſſen. Sie werden ſich ganz von ſelbſt bei der weiteren Verarbeitung dieſer Auffaſſungen und Ideen abſchleifen. Außerdem iſt zu bedenken, daß ſo kurz zuſammengedrängte Werke über einen gewaltigen, das oppoſitionelle Urtheil oft herausfordernden Stoff auch oft zu zuſammengedrängten Ausſprüchen führen, die in ihrer allgemeinen Wahrheit ebenſo richtig ſein können, als ſie, auf einzelne beſſere Zeiterſcheinungen angewandt, in ihrer Beziehung zu ſcharf und ver⸗ dammend ſind. Es wird dies klar werden, wenn wir Einiges verfolgen, was Honegger über das Weſen unſrer modernen bildenden Kunſt, Schauſpielkunſt und Muſik ſagt. Die Literatur trifft die richtige Klage über ihre Abwendung von dem Ewigen, Großen, wahrhaft Bedeutenden.....
Anders als um die Literatur ſteht es um die
Folge. 361
Kunſt, die ſchwankend allen Phaſen des Zeitgeiſtes folgt. Wir ſind ein unkünſtleriſches Geſchlecht: Es geht uns Alles ab— Kunſtbegeiſterung und Kunſt⸗ bewußtſein. Wenn ſchon darüber geklagt wird, daß Induſtrie und Kritik die Poeſie beeinträchtigen, ſo wollen große Werke den darſtellenden und zeichnenden Künſten noch weniger gelingen. Gewiſſe Felder der Malerei ausgenommen, giebt es nicht Eine Kunſt, an deren Producten ſich der Geiſt mit dem Gefühle der ganzen, reinen, harmoniſchen Schönheit weiden kann. Monumentale Werke erſtehen kaum, die Geſetze der verſchiedenen Zweige werden verwiſcht, und die Kunſt wird zur Magd des Bedürfniſſes oder der Ten⸗ denz herabgewürdigt. Je mehr techniſche Mittel ſie zur Maſſenproduction in ihren Dienſt zieht, je mehr die Kunſt⸗Maſchinen und ⸗Inſtrumente und populariſi⸗ renden Vervielfältigungsmethoden ſich vervollkommnen, deſto mehr büßt ſie an Hoheit ein; ſie wird mechaniſirt, Fertigkeit, in letzter Linie Handwerk. Der große Styl wird verdrängt. Die Wiſſenſchaft iſt an der Zeit, nicht die Kunſt(die Photographie iſt Wiſſenſchaft). Die Idealiſten dagegen fallen leicht in den umge⸗ kehrten Fehler: die Vernachläſſigung der Technik und der als Grundlage künſtleriſchen Schaffens unerläß⸗ lichen handwerksmäßigen Händeübung. Und die Be⸗ wegung auf jenem Felde iſt raſch und begünſtigt. Vielleicht ſchadet hier, wo ſich's um ein Geſtalten nach allgemeinen Geſetzen handelt, unſere Subjectivität am empfindlichſten. Wie das Lyriſche in's Epiſche und Dramatiſche übergreift, ſo tritt es als nebelhaft verſchwimmendes Element in die Muſik ein; ja es greift die Plaſtik ſelber an. Doch am verderblichſten wirkt der überwuchernde Dilettantismus mit ſeinen ab⸗ genutzten Empfindungen. Die Liebhaberei entſcheidet, nicht das Princip. Der Sinn für die darſtellenden Künſte iſt uns zu nahe, für die plaſtiſchen zu ferne gerückt; Beides wirkt verderbend. Jene werden er⸗ niedrigend in die Alltäglichkeiten des Lebens hinein⸗ gezogen, dieſe aus allen ſeinen Beziehungen hinaus⸗ gedrängt. Daß man gegenüber der ſelaviſch ver⸗ trockneten Claſſicität der letzten Jahrzehnte des vorigen und der erſten Zeit des jetzigen Jahrhunderts von einer neuerlichen Hebung der Kunſt reden darf, thut den Behauptungen, die ihr Darniederliegen conſta⸗ tiren, keinen Eintrag. Für die allgemeinſten Grund⸗ ſtriche der Kultur lohnt es ſich nicht, in Einzelheiten einzutreten oder einer Entwickelung innerhalb der Zeit nachzuſpüren, die kaum bedeutend heißen kann. (Schluß ſolgt.)


