Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
321
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Vierte Folge.

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Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am 25. Mai 1866.

Jahrgang.

Mlochenchronin für iteratur, Kungt, ſchöne Miſſenſchaſten und Geſellſehaſt.

Abonnementspreis jährl. 5 ¼ Thlr.

Eine deutſche Perle.

Novelle . von Bernd von Guſeck. (Schluß.)

Auf die furchtbare Hitze, welche ſich in den Juli⸗ tagen über ganz Deutſchland mit verderblichen Folgen ausgebreitet hatte und nur in den Berggegenden we⸗ niger empfunden wurde, trat nach einigen heftigen Gewittern eine angenehme Abkühlung ein. Die Cur⸗ gäſte, welche in letzter Zeit anſtrengende Ausflüge geſcheut hatten, ſchwärmten wieder zu Fuß und zu Wagen in allen Richtungen umher, wenn ſie ihrer Pflicht an den Brunnen oder in den Bädern genügt hatten. Selbſt die corpulenteſten und bequemſten Herren mutheten ſich weite Spaziergänge zu, und zu dieſen rechnete der Bergrath ſchon den nach dem na⸗ hen Mühlhauſen. Er ſchenkte ſich dabei jedoch das

letzte Hinabſteigen zur Wirthſchaft, wo es ſeinem Ge⸗ ſchmacke oft zu laut zuging, und kräftigte ſich auf dem letzten Vorſprunge, der ſogenannten Carolaruhs, für den Rückweg. Heut blieb er nicht allein dort ein Mann geſellte ſich zu ihm, der vom Grund heraufge⸗ ſtiegen war. Hayndorf, jovial und menſchenfreundlich, rückte zu, da der Mann ſich näherte, obgleich er nicht das empfehlendſte Aeußere hatte, und knüpfte, als der Mann ſich wirklich ſetzte, ein Geſpräch mit ihm an. Er ſelbſt beſaß zuviel guten Ton, um die ſchlechteſte Form, die Frage, dazu zu wählen, der Fremde ging aber gleich dazu über. Ob es noch voll ſei in Elſter? Ob viel Ausländer dort? Ob er vielleicht Einen, der ſich Calderon nenne und im Reichsverweſer» ge⸗ wohnt habe, kennen gelernt und ob der wohl noch da ſei?

Der Bergrath war überraſcht, von dieſem Fuß⸗ wanderer, der nicht viel beſſer als ein Strolch aus⸗ ſah, nach ſeinem Reiſegefährten gefragt zu werden, er gab aber Beſcheid, daß Heer Calderon allerdings noch hier ſei und vor der Hand auch nicht werde abreiſen