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Vierte Solge. 319
Die Natur ſagt nie etwas und Weisheit etwas anderes.
Wenn die Menſchen vollkommen zufrieden wären, ſo würde nicht länger Thätigkeit in der Welt herrſchen.
Kein Menſch iſt edler geboren als der andere, wofern er nicht mit beſſern Anlagen und einer liebenswürdigern Ge⸗ ſinnung geboren iſt.
Ein Grund, weshalb die Welt nicht beſſer wird, liegt darin, daß die Menſchen immer geneigt ſind, Andere zu beſ⸗ ſern, und nur wenige daran denken, ſelbſt beſſer zu werden.
Nationen ſollten um Niemanden als um ihre Wohlthäter trauern. Die Vertreter der Nationen ſollten blos die, welche die Heroen der Menſchheit geweſen ſind, der öffentlichen Huldigung empfehlen.
„Welches iſt die beſte Haltung für die Selbſtvertheidi⸗ gung?“ fragte ein Schüler einen bekannten Klopffechter. „Eine höfliche Zunge in Ihrem Kopfe,“ lautete die Antwort. Ein aufgeblaſener Mann, der ſeines Dieners bedurfte, in einem Geſellſchaftszimmer:„Wo iſt denn mein Ein Schalk erwiderte ihm:„Auf Ihren
darin gefunden, daß die Leute auf der Inſel Man keine Bett⸗ ler ſeien. Lord Coke's Worte ſind:„Die Einwohner dieſer Inſel ſind religiös, induſtriös und treue Leute, ohne zu betteln oder zu ſtehlen,“ und deshalb ſagte ich in meiner Vertheidi⸗ gungsrede:„Die Bewohner der Inſel Man ſind keine Bett⸗ ler; deshalb bitte ich nicht um ihre Rechte; ich fordere ſie!“ Das gefiel einem alten Schmuggler, der gegenwärtig war, ſo, daß er, als meine Rede zu Ende war, mich auf die Seite zog und ſagte:„Junger Gentleman, ich will Ihnen was ſagen; Sie ſollen meine Tochter haben, wenn Sie dieſelbe heirathen wollen, und 100,000 Pf. St. als ihre Mitgift.“ Das war ein ſehr hübſches Anerbieten; aber ich ſagte ihm, zufällig hätte ich ſchon eine Frau, die gar keine Mitgift erhal⸗ ten hätte; deshalb müſſe ich dieſelbe behalten und könne von ſeinem Anerbieten keinen Gebrauch machen. C.
Die engliſche gegen die lateiniſche Sprache.
In einem Hotel in Georgien in den Vereinigten Staa⸗ ten Nordamerikas war vor einiger Zeit eine Geſellſchaft zu einem Diner verſammelt, als das Geſpräch zufällig auf die Vorzüge der engliſchen und der lateiniſchen Sprache fiel. Ein Verehrer der lateiniſchen Sprache ergoß ſich in enthuſiaſtiſchen Lobſprüchen über die Macht und Geſchmei⸗ digkeit ſeiner Lieblingsſprache und zum Beweis ſeiner Be⸗ hauptungen führte er die berühmte Depeſche des Julius Cäſar an:„Veni, vidi, vici.“„Was,“ rief er aus,„vermag der Kürze und der Kraft dieſer Worte zu gleichen?“ Ein Gaſt, der ſich bis dahin an der Unterhaltung gar nicht be⸗ theiligt hatte, ergriff jetzt das Wort und ſagte, er könne im Engliſchen noch etwas mehr anführen. Er fuhr dann fort: „Als ich mich vor ein paar Tagen einem gewiſſen Fluſſe näherte, begegnete ich einem Landmädchen mit einer Schüſſel voll friſcher Butter auf dem Kopfe, welche, ſie in den nächſten Ort zu Markte bringen wollte, und die eben den Fluß an einer Fuhrt durchwandelt war, den ich zu paſſiren hatte. Ich redete ſie an und fragte: ⸗Wie tief iſt der Fluß und was iſt der Preis der Butter?⸗ Sie antwortete augenblick⸗ lich:„To my waist and a shilling.““ Das Gelächter, welches jetzt ausbrach, zeigte das Votum der Geſellſchaft an und der Lateiner ſtimmte ein. C.
rief Dummkopf?“ Schultern.“
Ein irländiſcher Geiſtlicher, der eine Rede zu Gunſten einer Blindenanſtalt hielt, begann dieſelbe:„Wenn die ganze Welt blind wäre, was für ein melancholiſcher Anblick würde das ſein!“
Als Georg III. mit dem Hute auf dem Kopfe auf dem Verdeck eines Linien⸗Schiffes auf- und abging, fragte ein Matroſe ſeinen Schüſſelcameraden, wer der Mann ſei, der ſeinen Deckel nicht einmal vor dem Admiral lüfte?„Ei, es i*ſt der König.“„Nun, König oder nicht,“ entgegnete der Andere,„er iſt ein unmanierlicher Hund.“„Ei, wo hätte er denn gute Sitten lernen ſollen,“ erwiderte Jack,„er war in ſeinem ganzen Leben nie außer Sicht des Landes.“ C.
Vom deutſchen Büchermarkt.
Aus der Bühnenwelt. Von Ferd. Gleich. Leipzig, bei Merſeburger. 1866.
Unter dieſem Titel, der an einen bekannten ähnlich klin⸗ genden erinnert, bringt der Verfaſſer, wie er es in verwandter Weiſe ſchon in ſeinen Charakterbildern aus der neueren Ge⸗ ſchichte der Tonkunſt that, biographiſche Skizzen über eine nicht ſyſtematiſch gewählte Anzahl deutſcher Schauſpieler und Schauſpielerinnen. Die meiſten dieſer kleinen für das große Publicum leicht geſchriebenen Lebensläufe und Charakteriſtiken gehören verſtorbenen Künſtlern an und nur etwa ein Vier⸗ theil beſchäftigt ſich mit noch lebenden. Dieſe werden es dem Verfaſſer ganz beſonders danken, daß er nicht mit rigoriſti⸗ ſcher Kritik ihr Wollen und Können abwog und in der Aus⸗ theilung von Lorbeern nicht eben ſparſam geweſen iſt.
O. B.
Misrellen. Ein ſtolzer Blick macht ſchöne Geſichter häßlich. Ein ruhiges Gewiſſen giebt einen ruhigen Schlaf. Der iſt am reichſten, welcher am wenigſten braucht. Tugend und Glückſeligkeit ſind Mutter und Tochter. Weiſe Männer machen mehr Gelegenheiten, als ſie finden. Man verliert nie dabei, wenn man eine lung verrichtet. Eifer ohne Kenntniß iſt wie ein Feuer ohne Licht. Der erſte Grundſatz und die erſte Quelle gut zu ſchrei⸗ ben iſt richtig zu denken. Wir wiſſen nicht gewiß, was Glück oder Unglück iſt. Der abweſende Theil hat immer Unrecht. Wenn man immer ſagt, was man denkt, wird man oft etwas hören, was Einem mißfällt. „ Ertrage, was Du nicht zu ändern vermagſt, und ent⸗ halte Dich, es zu tadeln.
gütige Hand⸗
Der Frauenarzt. Roman von Julius Rouquette. Wien, bei Albert Laß. 1866.
Die ganze Abenteuerlechkeit und ungeſtüme raſche Schreib⸗ weiſe, welche den modernen Roman als eine materialiſtiſche Spannungsgeſchichte charakteriſirt und ihn für die Unterhaltung der Menge nützlich zu machen ſtrebt, ohne nach Idealität zu fragen, findet ſich in dieſer dreibändigen Erzählung vereint.
Neben dieſen Eigenſchaften fehlt es den Darſtellern heu⸗ tigen Tages ſelten, daß ſie mit einer gewiſſen Routine verſchie⸗ denartige Verhältniſſe des Lebens zu berühren wiſſen und ein


