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296 Novellen⸗
Alles, was nur gleißt und ſcheint, Gleicht dem Irrlicht fremder Welten, Drüber manches Auge weint,
Denn die Wahrheit zeigt ſich ſelten.
Außen glatt, doch innen gährt Leidenſchaft und ſchlägt die Wunden, Und ein Herz, das ſich bewährt, Wird auf Erden kaum gefunden.
Dort allein, wo die Natur Ausgebreitet ihren Frieden Ueber Wald und Feld und Flur, Iſt noch wahres Glück beſchieden.
Nur wer da die Heimath fand, Wo erblüht ein ſolches Eden, Trägt in ſeiner Bruſt ein Pfand, Das ihn ſchützt in allen Fehden.
Eben iſt die Lebensbahn,
Sträuße zieren ſie und Kränze, Und die rauhen Stürme nah'n Nicht verheerend dieſem Lenze.
Literariſche Briefe von Otto Banch.
Jahrbuch der deutſchen Shakeſpeare⸗Ge⸗ ſellſchaft. Herausgegeben durch Friedr. Boden⸗ ſtedt. Berlin, bei Georg Reimer.
Wenn ich auch ſelbſtverſtändlich davon abſehe, Ihnen und den geehrten Leſern unſeres Blattes durch ein detaillirtes wiſſenſchaftliches Eingehen auf den mannigfachen Inhalt dieſes Albums eine abstracte anſtrengende Lectüre zumuthen zu wollen, obgleich mir der Gegenſtand ſelbſt ſo warm am Herzen liegen muß, ſo halte ich es doch im Sinne der allgemeinen Intelligenz für eine literariſche Pflicht auf dieſe einem großen Anlaß gewidmete Erſcheinung wenigſtens kurz hinzuweiſen. Dieſer große Anlaß iſt ein für die ganze gebildete Welt immer fortwirkender, denn er beſteht in dem geiſtigen Impuls, den Shakeſpeare's poetiſcher Genius nicht aufhören wird, auf alle nach ihm kom⸗ menden und durch ſeine goldenen Lichtſtrahlen bereits gefärbten Culturepochen auszuüben. Hier giebt es ſtets zu beobachten, zu erklären, zu verdeutlichen; hier muß in unſere Sprache überſetzt werden, was die Gelehrten anderer Länder über den erhabenen Gegenſtand bei⸗ ſteuerten, denn ſeine unabläſſige Betrachtung hat einen freiwilligen Lehrſtuhl errichtet, und hier iſt eine Aula, in der ſich die verſchiedenſten Völker unter einander verſtehn,
Zeitung.
An dieſer ſegensreichen Arbeit will ſich das Shake⸗ ſpeare⸗Jahrbuch betheiligen, und die in der Preſſe vielfach beſprochene und oft auch angegriffene Stiftung der zu Weimar begründeten Shakeſpeare⸗Geſellſchaft war in der That eine treffliche Idee Dingelſtedt's. Das Jahrbuch, deſſen Herausgabe Bodenſtedt als geſchmack⸗ vollem Autor und gründlichem Kenner der altengliſchen Literatur übertragen wurde, zeigt eine außerordentlich erfreuliche Mitarbeiterſchaft, welche die beſten Namen aufweiſt. Ich will unter ihnen nur Delius, Ulrici, Elze, Leo, Frieſen, Koberſtein, Bodenſtedt nennen, mit denen indeß der Reigen durchaus nicht geſchloſſen iſt.
Es verſteht ſich ganz von ſelbſt, daß ſich ein ſolches Werk bei ſeiner ernſten Tendenz nicht durch eine populariſirende Behandlung den großen Leſer⸗ kreiſen um jeden Preis zugänglich machen kann und darf; ich möchte aber auch den Argwohn bekämpfen, als ob dieſes Buch nur den allerengſten Facheirkeln der ſpeciellen Shakeſpeareverehrer anzuempfehlen wäre. Im Gegentheil birgt es für jene immerhin ausgedehnte Gemeinde vielſeitig gebildeter Literaturfreunde des Intereſſanten in Menge. Ich möchte es durch ein lebendiges Beiſpiel beweiſen, indem ich nach einem Beitrage Bodenſtedt's über die berühmte engliſche Schauſpielerin Siddons einen Brief von der Tochter derſelben, Mrs. Combe, hier mittheile. Er giebt ein anſprechendes Charakterbild dieſer geiſtig hohen Frau, ein Bild, welches den meiſten modernen Tragödinnen leider einen ſittlichen Spiegel vorhält.
„Meine Mutter, Sarah Kemble,“ ſagt die Tochter, „berühmt geworden unter dem Namen Mrs. Siddons, wurde im Jahre 1755 zu Brecknock in Wales geboren. Sie war das älteſte Kind einer zahlreichen Familie, die man mit gutem Fug eine Künſtlerfamilie nennen darf, da ſich verſchiedene Mitglieder mit ungewöhn⸗ lichem Erfolg der Bühne widmeten.
Die Natur hatte Sarah in wahrhaft verſchwende⸗ riſcher Weiſe mit ihren Gaben ausgeſtattet. Zu einer wunderbaren Schönheit, belebt durch die weichſten, anmuthigſten Bewegungen, kam bei ihr ein Gebehr⸗ denſpiel, welches alle Regungen der Seele hinreißend ausdrückte, und eine melodiſche Stimme von weiteſtem Umfange, voll Biegſamkeit, Zartheit und Kraft, ſo daß ſie ſich nie zu übernehmen brauchte und ſelbſt
deutlich vernehmbar blieb. Dabei war ihre reir
beim leiſeſten Flüſtern den entfernteſten eeh. Anſtrengu
Ausſprache des Engliſchen anerkannt muſtergültig. Den
ganzen Zauber ihrer Erſcheinung und Rede mit Worten zu malen, iſt mir unmöglich....
Die weibliche Anmuth, welche Sarah Kemble auszeichnete, war gleichſam eine Ausſtrahlung ihrer tiefſittlichen Natur. All' ihr Thun wurde durch die
jünger als allmählich! Aebensalter, ſchon wiede ihren älteren Jahr hinein ihren Form ahnen ließ, und ed war gemeint, w ihres Vater ein ſehr ſche ein bischen und ihre I Dieſe heilweiſe Syiegel ih wie ſie we zarte Fülle überſchritte Arſtrengun beleibtheit
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