Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
271
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und ſobald er den Grund desſelben erreicht hat, ſammelt er Perlenmuſcheln, bis er nicht länger unter dem Waſſer bleiben kann, wo er dann an dem Seile zieht, das ſteinerne Gewicht gehen läßt und dann von ſeinem Cameraden in das Boot heraufgezogen wird. Das ſteinerne Gewicht iſt an einem andern Seile befeſtigt, um vermittelſt desſelben dann eben⸗ falls heraufgezogen werden zu können. Die Muſcheln wer⸗ den in einem Beutel oder in einem andern Behältniß geſam⸗ melt, das an der Bruſt oder an der Hüfte des Tauchers be⸗ feſtigt iſt.

Der jährliche Ertrag der Perlenfiſchereien wird in fol⸗ gender Art veranſchlagt: Gewinn der Perlentaucher von Bahrein 20 Lak Rupien oder 200,000 Pf. St.; Verdienſt der Taucher von der arabiſchen Küſte am perſiſchen Meerbu⸗ ſen, die nicht nach Bahrein gehören, ebenfalls 20 Lak Rupien oder 200,000 Pf. St.; in Summa 400,000 Pf. St. Der größte Theil der guten Perlen wird auf den Markt nach Bombay geſchickt, wo während der neulichen Actienmanie für gute Perlen unerhörte Preiſe bezahlt wurden. Eine große Menge Perlen wird nach Bagdad geſchickt. In der Regel zieht der Markt in Bombay die Perlen von einer gelblichen Farbe und einer vollkommenen Kugelform vor, während der Markt in Bagdad den ganz weißen Perlen den Vorzug giebt. Die kleinen Samenperlen gehen auch vorzüglich nach Bagdad.

C.

Metall auf dem Grunde von Seen.

Der Naturforſcher Syogrun in Schweden hat eine intereſſante Bildung von Eiſenerzen durch kleine im Süß⸗ waſſer lebende Thierchen in einem See, deſſen Waſſerſpiegel

e untor ſein gewöhnliches Niveau gefallen war, 31 er kleinen Vertiefung dener Größe, theils

.Vergrößerungsglaſe ſih nwaren ſie eifrig beſchäftigt, ſich durch Abſongee er Zubſtanz aus Fäden von ſchwarzer und weißer Farbe ein Geunſe zu bilden, wel⸗ ches in der Mitte eine Oeffnung hatté, a deren Centrum das Thierchen die Fäden ſtrahlenförmig bis zur Vollendung des Gehäuſes abſondert. Nahm man eines deſer Kügelchen mit etwas Waſſer auf die Hand, ſo konnte ma. das Thier⸗ chen deutlich arbeiten ſehen, ließ man jedoch das Waſſer ab⸗ fließen, ſo nahm es eine flache Form an und die ſchwachen Bewegungen hörten nach einiger Zeit für immer au, Dieſe flach geformten Maſſen, an denen man bei ſorgältiger Beobachtung daßs verſteinerte Thierchen leicht an Forn und Farbe erkennen kann, bilden das ſogenannteSee⸗Erz welches in regelmäßigen Schichten von circa 660 Fuß Länge, 17 bis 33 Fuß Breite und 8 bis 33 Zoll Dicke an ruhigen Stellen des Seegrundes(ohne Strömung) vorkommt. Es beſteht aus 20 bis 60 Procent Eiſenoxyd und Manganoxhd, 10 Procent Chlor, etwas Phosphorſäure, außerdem kieſel⸗ ſaurer Thonerde und etwas Quarzſand mechaniſch beigemengt. Es iſt einleuchtend, daß dieſe Thierchen den Eiſengehalt aus den im Waſſer gelöſten Eiſenverbindungen und erdigen Bo⸗ denbeſtandtheilen entlehnen, weshalb ſie nur dort vorkommen, wo dieſe Salze in hinreichender Menge gelöſt ſind und außerdem das Waſſer ruhig iſt. Ihrer chemiſchen Beſtand⸗ theile wegen, die beim Schmelzproceſſe weſentlich zur Bildung einer dünnflüſſigen Schlacke beitragen, werden dieſe Erze gern als Zuſchlag zum eigentlichen Erzſatze verwendet und ſind bei ſchwediſchen und ruſſiſchen Eiſenwerken ſehr geſchätzt.

Vierte Folge.

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Die Gewinnung dieſer Erze geſchieht im Spätherbſte, wenn das Waſſer des Sees mit einer 2 bis 3 Zoll dicken Eisſchicht bedeckt iſt. Man ſticht kleine Löcher in das Eis an Stellen, wo das Waſſer am ſeichteſten iſt, und ſondirt den Grund mit einer langen Eiſenſtange, wobei man nach dem Klange derſelben, den ſie beim Aufſtoßen von ſich giebt, und nach dem an die Oberfläche geſchafften Gemenge erkennt, ob an dieſer Stelle des Seegrundes Erze vorhanden ſind. Die Grenze des Erzlagers wird auf dieſe Weiſe unterſucht und mit Zweigen markirt. Einige Monate darauf, wenn das Eis hinreichend dick geworden iſt, wird durch eine Oeffnung von circa 3 Fuß Durchmeſſer mit einem Haken das Gemenge von Erz, Sand und Thon gelockert und in einem an einer langen Stange befeſtigten Siebe heraus gezogen. Ein Arbei⸗ ter kann eine halbe Tonne Erz per Tag gewinnen, wobei jedoch viel auf ſeine Geſchicklichkeit und Erfahrung ankommt. In manchen Seen erſetzt ſich das Erz nach Verlauf von etwa 26 Jahren zu einer ebenſo mächtigen Schicht. g.

Misrellen.

Aus Paris meldet man, daß Faure ſeinen Contract mit der Opera auf 5 Jahr verlängert hat. Er bezieht jährlich 90,000 Fr. Honorar, aber er hat ſich verpflichtet in Lon⸗ don kein Engagement wieder einzugehen.

Belval hat ein neues Engagement auf vier Jahr zu einem jährlichen Gehalt von 40,000 Fr. und Villaret auf drei Jahr zu 30,000, 35,000 und 40,000 Fr. unterzeichnet.

C.

8

Vom deutſchen Büchermarkt.

Deutſches Novellenbuch. Hannover, Klindworth's Verlag.

Den beiden früher angezeigten Theilen dieſes Novellen⸗ buches ſchließt ſich dieſer dritte in Form und Charakter an. Er enthält von Aſter, Hirſchfeld und Willkomm vier Novellen, die früher in der Nordſeezeitung abgedruckt waren und ſich hier noch einmal in abgerundeter Geſtalt präſentiren. Der Charakter dieſer Novellen gehört der modernen Unterhaltungs⸗ lectüre leichter Gattung an.

Die Frithjofſage. Der Jugend erzählt von Friedrich Seidel. Leipzig, bei Weber.

Wenn auch die Frithjofſage keineswegs, gleich den Geſängen Homer's und dem Nibelungenliede, ſeinem cultur⸗ hiſtoriſchen Gehalt und ſeinem claſſiſch⸗poetiſchen Werthe nach darauf hinweiſt, eine Art Lehrſtuhl für die Jugend zu errichten, ſo iſt ſie doch immerhin eine Dichtung, die durch ihre begeiſterte Anempfindung altſkandinaviſcher Lebens⸗ und Heldenelemente die Auffaſſung für dieſe weit hinter uns lie⸗ gende Epoche der Jugend erleichtert und zugänglich macht. Dem guten Vortrag der Erzählung ſind ſehr hübſche Illuſtra⸗ tionen von Huhn und Naue beigefügt. O. B.

Heinrich Simon. Ein Gedenkbuch für das deutſche Volk. Herausgegeben von Dr. Johann Jacoby. Berlin, bei Springer 1866..

Ueber den Verewigten und ſeinen mit Recht verdienten Ruhm, den er unter den Aufgeklärten des deutſchen Volkes genießt, etwas zu ſagen darf man für überflüſſig halten, wenn man an den Patriotismus der Gebildeten glauben will. Es

muß aber allen Verehrern dieſes an Martyrium reichen Cha⸗