Mitten in dieſer anſcheinend höchſt genußreichen Lectüre ward der Lord durch einen Fremden unter⸗ brochen, welcher in ſehr hörbarer Weiſe unangemeldet eintrat. 5
„Dam!“ ſagte er mit heiſerer Stimme zwiſchen den Zähnen.„Wir ſollen alſo von dieſen lumpigen Neapolitanern up spoon, auf Suppenportion geſetzt werden? Glauben Sie, Mylord, daß wir noch kein einziges Faß Mehl, kein Fleiſch— was ſage ich, nicht einmal eine Fleiſchmade von dieſem Blackguard⸗Acton geliefert erhalten haben? Sie wiſſen das nicht? By Davy— warum viſſen Sie es nicht? Weil es Ihnen Niemand geſagt hat? Mylord, ſehen Sie zu. Sie haben die Abſicht, mich wild zu machen! Iſt es nicht Ihre Pflicht, mir zu ſagen, ob, wann und wie viel Proviant ich für das Geſchwader zu erwarten habe?“
Lord Hamilton ſtand auf, ſchob die grüne Brille vor die Stirn und zeigte ein Paar graue Augen mit entzündeten Augenlidern. Seine Mienen bewahrten ihre matte, olympiſche Ruhe. Er betrachtete den Sprecher von oben bis unten und rieb dann ſehr me⸗ thodiſch die Hände.
Der Andere war ein hagerer Mann, welcher ſei⸗ ner faſt erſchreckenden Magerkeit wegen viel länger ausſah, als er wirklich war. Er hatte einen flachen Schiffshut mit der Cocarde auf dem Kopfe, und ein ſcharf gezeichnetes Geſicht von hartem Ausdruck blickte trotzig unter der goldenen Quaſte an der vordern Spitze des Hutes hervor. Der Mann trug eine ab⸗ geſchabte ⸗Flottenuniform mit goldenen Achſeltroddeln und ſehr unſcheinbar gewordener Goldſtickerei. Der linke Aermel, welcher an der Bruſt feſtgeheftet war, erſchien leer. Uebrigens hatte der Gaſt weiße Caſi⸗ mirbeinkleider, koſtbare weißſeidene Strümpfe und feine Damenſchuhe mit Brillantſchnallen.
„Mein lieber Admiral, was geſchehen konnte, iſt geſchehen; wegen des Proviants— meine ich!“ ſagte Hamilton mit großartigem Stoicismus.„Ich habe auf das Dringen von Mylady fünftauſend Pfund baar aus eigener Caſſe gezahlt, damit die Lieferungen beginnen können. Es wird lediglich an Mylady Ha⸗ milton liegen, ob Admiral Nelſon mehr als für fünf⸗ tauſend Pfund Lebensmittel empfängt.“
„Iſt Mylady als Ambaſſadeur accreditirt?“
„Nun, ſie wirkt mehr, als ſelbſt ein außer⸗
ordentlicher Geſandter, ein Botſchafter,“ meinte Ha⸗ milton ruhig.„Die Königin hat Geld zugeſagt und ich bin gewiß, daß es nicht lange währen wird, be⸗ vor Sie zu großen Thaten abſegeln können.“ Admiral Nelſon warf ſeinen Hut mitten zwiſchen Lord Hamilton's Zeitungen, ſtrich das Haar aus der
Novellen⸗Jeitung.
Stirn, ſo daß daſſelbe ſehr unordentlich empor ſtand, und ſah finſter auf eine Stelle.
„Ich hätte nie gedacht, daß eine Frau meinen Pfad durchkreuzen könne,“ ſagte Nelſon leiſe, aber deutlich verſtändlich.„Ich habe mich gegen dieſen Einfluß— Sie wiſſen es, Hamilton— gewehrt aus allen Kräften; aber das Fatum antwortet mir, indeß es mich immer tiefer verwickelt, mich immer gewal— tiger die Macht dieſer Frau empfinden läßt...“
Es entſtand eine tiefe Pauſe.
Hamilton ſetzte ſich dicht neben Nelſon und deu— tete, eine ſtarke Priſe zwiſchen den Fingern, nach einem trefflich gemalten Bilde, welches Lady Hamil⸗ ton in ganzer Figur darſtellte.
„Mylady beſitzt etwas Dämoniſches,“ ſagte Lord Hamilton, indeß er vergebens das richtige Taſchentuch aus ſeinem Vorrath herauszufinden ſtrebte.„Ich habe es ſtets für geboten gehalten, dieſe Saite im Cha⸗ rakter der Lady Hamilton nicht anzuſchlagen. Es ſcheint, Nelſon, daß Sie eben dieſe unheimliche Seite von Mylady aufgefunden haben.“
Nelſon ſchwieg lange.
„Wie ein Dämon iſt Lady Hamilton erſchienen, um meinen Cours zu durchkreuzen,“ murmelte der Admiral.„Ich muß daran glauben, daß ihr die Ge⸗ walt über mein Geſchick in die Hand gelegt wurde, mag ich noch ſo heftig gegen dieſen Gedanken ankäm⸗ pfen. Ich kann hier nicht bis zum Jüngſten Tage ankern— ich muß abſegeln; vorausgeſetzt, daß ich verproviantirt bin, wozu das britiſche Gouvernement keine Ausſicht eröffnet. Wenn ich Proviant erhalte, ſo iſt es nicht Alt⸗England, welchem ich Dank ſchul⸗ dig ſein werde, ſondern Lady Hamilton. Sie wiſſen, edler Lord, welche furchtbaren Seelenkämpfe ich be⸗ ſtanden habe, um dem Zauber zu widerſtehen, welchen Mylady Hamilton auf mich ausübt. Ich habe wie ein Mann, wie ein wackerer, ehrlicher Gentleman mein Geheimniß in Ihre Hand gegeben. Jetzt eben, wo ich auf dem Punkte ſtand, gewaltſam das Band zu zerreißen, welches mich an Lady Hamilton knüpft, jetzt muß es ſich plötzlich herausſtellen: daß ich nicht allein perſönlich, ſondern ſogar durch den Dienſt, wel⸗
chen Alt-England von mir erwarten darf, an die.
Dame gekettet bin. Ich fühle es, daß Lady Hamil⸗ ton Mittel finden wird, mein Geſchwader ſeefertig und kampftüchtig zu machen...“
„Ohne Zweifel, Admiral, ohne Zweifel!“ ſagte Hamilton ruhig.
„Ohne Mylady iſt mein Geſchick ſehr klar vor⸗ aus zu beſtimmen,“ murmelte Nelſon mit bitterm Ingrimm.„Ich werde, ohne einen Kanonenſchuß ab⸗ gefeuert zu haben, nach Gibraltar zurückkehren müſſen,
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