Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
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und gegen billige Taxe das Recht, die engliſche Flagge zu führen und, mit engliſchen Caperbriefen ausge⸗ ſtattet, auf die franzöſiſchen Fahrzeuge Jagd zu machen. Die Moreoten und die Inſelgriechen, die Bewohner der ſiciliſchen Südküſte nicht zu vergeſſen, nabmen ihr ſeit Jahrhunderten mit Vorliebe betriebenes Ge⸗ werbe den Seeraub, wieder auf und nahmen Alles, deſſen ſie mächtig werden konnten. In der Adria ſchwärmten albaneſiſche Corſaren, welche den weſtita⸗ lieniſchen Gewäſſern ebenfalls ihre Beſuche abſtatteten, und die Barbaresken waren, von England gefliſſent⸗ lich überſehen, ſo dreiſt geworden, um im Golfe von Salerno zu landen, zu rauben und zu ſengen.

Die Tartane ſchien durchaus keine Furcht vor dem Raubgeſindel des Meeres zu hegen. Sie hatte die Abſicht bemerkt zu werden, denn als die Sonne kaum unter den Schnitt des Horizonts hinabgeſunken war, flog eine rothe Laterne zur Maſtſpitze hinan und ſchimmerte weithin ſichtbar durch den feinen, vom Meere emporſteigenden Nebel.

Am Bord der Tartane war Alles ruhig, ganz im Gegenſatze zu dem Geſchrei und Toben, das auf den neapolitaniſchen Fiſcherfahrzeugen mit dem Beginne der Arbeit, das heißt mit dem Einbruche der Nacht, zu herrſchen pflegt. Das Deck war höchſt ſauber; die Taue waren neu, gut getheert ſtraff angezogen; die Segel erſchienen weiß, friſch eingefaßt, wie die⸗ jenigen eines Kriegskutters. Der Maſt war ringsum mit Bajonnetflinten und kurzen, breiten Säbeln gar⸗ nirt. Wer die Galerie aufmerkſam betrachtete, konnte die eiſernen Haken bemerken, an denen für ein Ge⸗ fecht die aufgerollten Hangmatten der Mannſchaft befeſtigt werden konnten.

Die Bemannung war im gewöhnlichen Coſtume der Seeleute des toscaniſchen Meeres. Die Leute trugen lange rothe wollene Mützen, dunkle, mit vielen Silberknöpfen verzierte Jacken und leinene Pumphoſen, welche bis auf die nackten Waden reichten. Aber es war Disciplin in den Leuten. Ein Commando fand überall offene Ohren; es ward raſch und ſchweigend gearbeitet und Niemand war in Zweifel, wo er zu⸗ greifen ſollte.

Neben dem Matroſen am Ruder ſtand der Pa⸗ drone, der Capitain des kleinen Fahrzeuges. Dies war ein junger Mann von hochmüthiger Haltung und düſterm Blick. Er war ganz modiſch, in blauen Frack mit blanken Knöpfen, weiße Beinkleider und Stulpen⸗ ſtiefeln gekleidet, trug eine enorm hohe Halsbinde und erinnerte nur durch die rothe Beutelmütze auf

ſeinem fettglänzenden, ſchwarzen Haar an ſeinen ſee⸗

männiſchen Charakter. Der Padrone, aus einer lenzen türkiſchen Pfeife

Novellen⸗Jeitung.

rauchend, ſah durch ein großes Fernrohr in der Rich⸗ tung nach Nordweſten, und gab von Zeit zu Zeit mit ruhiger, ſcharfer Stimme ſeine Befehle.

Una vela! Ein Segel! rief ein Junge, wel⸗ cher rittlings auf dem Bugſpriet ſaß.

Der Capitain faßte ein Tau und ſchwang ſich auf die Galerie.

N' ho veduto niente! Ich habe nichts ge⸗ ſehen, murmelte der Padrone.Ch' sorta di basti- mento? Welche Art Fahrzeug?

E cosi loctano! Iſt ſehr entfernt, lautete die Antwort.Es iſt, glaube ich, ein Schiff mit zwei Maſten...

Italieniſche Takelung? fragte der Capitain, eifrig das Fernroöͤhr gebrauchend.Ah! ſagte er nach

einer Weile,da iſt die rothe Laterne! Es iſt Alles

in Richtigkeit.

Die Laterne der Tartane ſank herab; das Fahr⸗

zeug legte bei und trieb ſanft vor aem Winde. Nach etwa zehn Minuten l ch vindmäns

ein ra anſegelndes, kleines, u Fahrzeug e kennen, M en ſeiner Laterne die ſpaniſche F Nlag

aufzog. Das iff war niedrig im Rumpf, n in den weit zurückgeſpannten beiden Maſten un ging unter vollem Segeldrucke. Der Anruf der Ta⸗ tane erfolgte in ſpaniſcher Sprache.

Was für ein Schiff iſt das?

Die Tartana di San Micchele e Ambrogio.

Woher?

Von Salerno.

Wie heißt der Padrone?

Milio Lucanto!

Wir werden ein Boot ſenden! Legt bei!

Iſt geſchehen, Signore!

Die ſtraffe Brigg drüben ſetzte ein vierrudriges Boot ab und im Augenblicke war daſſelbe am Spiegel der Tamtane. Ein Seil ward hinabgeworfen und ein Mann kletterte mit großer Behendigkeit an Bord der Tartane. Ein junger Mann im Boot trug eine ſchwere Goldepaulette auf der linken Schulter, ganz wie fraͤnzöſiſche Seeofficiere. Die Matroſen wechſelten einige Worte, welche franzöſiſch klangen.

Bon soir! rief der Officier im Boote, während der auf der Tartane Angekommene den Hut lüftete. Nos compliments à vos amis! Bon soir!

Die Ruder wurden eingeſetzt; das Boot rauſchte von dannen und die Brigg verſchwand.

Der Padrone ſtand vor dem Gaſte, ſeine rothe Mütze in derHand haltend.

Ho l'onore di salutarla! Habe die Ehre, Sie zu grüßen! ſagte Lucanto.

Danke! ſagte der Andere.Ich hege von Ihnen

riten; bi ſt a

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nützen. ein rothes zerriſſen; Luca Ecc oder Lazz weiner B Nie beſonders brummu herbei. R. Verwan Kajüte. +

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