Novellen⸗
Doch irgend welchen Grund aufzufinden, der dieſe Reiſe ins Pommerland verhindern oder mindeſtens verſchieben würde, das vermochte er nicht. Denn hätte er ein Wort über Reſi fallen laſſen, ſo hätte ſolch⸗ ein Grund natürlich am wenigſten bei Sabinen ge⸗ golten, ja, ihr Drängen zu ſchleuniger Abreiſe würde nur noch eifriger geworden ſein. Deßhalb alſo mußte er ſchweigen, ſich fügen und die Hoffnung auf baldige Rückkehr hegen.
Wie er bereit war nach dem Poſthauſe zu gehen, äußerte ſeine Mutter:„Apropos, ich vergaß, Dich nach dem Fürſten zu fragen. Man ſagt, er ſei in Leipzig geweſen; vielleicht haſt Du ihn dort geſehen?“
Er war um die Antwort verlegen, doch verſetzte er nach flüchtigem Zaudern:„Nein, Romanow be⸗ gegnete mir nicht.“
„Sonderbar,“ nahm ſie wieder das Wort,„vor zwei oder drei Wochen ſoll der Fürſt von der Meſſe zurückgekehrt und ſeitdem ein Einſiedler, ein Stückchen Philoſoph geworden ſein. Unmöglich würde ich das glauben, wenn ich nicht völlig ſichere Nachrichten hätte. Doch einerlei, was ich weiter darüber erfahre, theile ich Dir brieflich mit.“
Er ging, und die ferneren Nachrichten, die Sa⸗ bine aus dem Mund ihrer Spione über Romanow erfuhr, waren ganz geeignet, ihr Erſtaunen nach jeder Zuflüſterung zu vergrößern..
Denn wirklich, der Fürſt war zum Entſetzen und
zum Hohn ſeiner Freunde ein Einſiedler geworden. Nachdem er wieder den erſten Fuß in ſeine Wohnung geſetzt, hatte er das geſtickte Kleid abgelegt und ein einfaches dunkles Gewand übergeworfen. Vielleicht, daß er ſo den Freunden ſeinen Entſchluß, mit den Freuden dieſer Welt zu brechen, zeigen wollte.
Auch haßte er jetzt Die, mit denen er ſonſt Or⸗ gien gefeiert, Nächte durchjubelt, Die, welche in Auerbachs Keller den Stachel des Ehrgeizes in ſeine Bruſt geſenkt und ihn einen Feigling geſcholten hatten. Denn in der erſten Secunde, als er Thereſia ſah, liebte er ſie auch; es war kein Sinnenreiz, der ihn zu dieſem Mädchen zog, wie ein heiliger Strahl fiel es bei ihrem Anblick in ſeine verdorbene Seele. Auch er gewahrte den Roſenduft, der dieſe holde Geſtalt umſchwebte, aber auf ſeine Lippen trieb er keinen Spott, ſondern einen Ausruf der Bewunderung; ſind nicht Roſen das Zeichen der Unſchuld, des Echt⸗ Weiblichen, das uns hinanzieht?
Nur einmal hatte er ſich einem Mädchen aus dem Volke gegenüber ſo erbärmlich, ſo voll Sehnſucht nach einem beſſeren Leben gefühlt, und der Name dieſes Mädchens hatte Beatrix Kober gelautet. Doch wie flüchtig war damals dieſe edle Regung in ihm
Zeitung.
geweſen; bald waren die Wellen häßlicher Begierden wieder emporgeſtiegen und über ſeinem Haupte zu⸗ ſammengeſchlagen. Wir wiſſen ja aus Joſef's Munde, wie ſchrecklich das Ende der armen Beatrix geweſen.
Als nun der Fürſt Thereſia ſah, wähnte er im
erſten Moment, Beatrix ſtehe wieder vor ihm; nur daß er Jene noch mit größerem Liebreiz übergoſſen
fand. jetzt wieder eine Sehnſucht nach einem beſſeren Leben,
Und wie damals in Venedig, fühlte er auch
er wollte anbeten, lieben, durch die Vergangenheit
einen Strich machen, und ach, er gab ſich der Hoff⸗ nung hin, daß ſie ihn erhören, ihre Hand ihm reichen
und mit hinausziehen würde in die Einſamkeit, wo
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keine Freunde zu finden, die an das Geweſene mahnten.
O, Tod und Teufel über dieſe Freunde! An Allem waren ſie ſchuld. Die Ehre des Cavaliers hatte es gefordert, die Unwiderſtehlichkeit zu zeigen, die beſten Regungen hatten den Anſichten über Stand, hatten dem ⸗Fürſten» weichen müſſen. Wer weiß, ob ihm nicht der Gedanke gekommen, als er dem Harfen⸗ mädchen nahte:„Heimlich willſt Du ihr ſagen, daß dieſes Tändeln Maske, die Du annehmen mußteſt, dem Hohn zu entgehen!“ Ihren Hülferuf hatte er nicht erwartet und noch weniger die Anweſenheit Renatus Erhard's.
Denn als dieſer Pötzlich vor ihm ſtand, wie aus dem Boden gewachſen, da ſchoß der Gedanke durch ſein Haupt:„Alles verloren!“ Er fühlte die eiſerne Nothwendigkeit, dieſem Gegner gegenüber zu ſchweigen; der Fürſt mußte vor dem Krämer 1enen ſenken. Natürlich, daß ihn von dieſer Stune an ein entſetz
licher
Haß gegen Renatus wie gegen die Fre beſeelte; glaubte er ſich doch jetzt erſt recht verhöhnt, glaubte er doch, auf ſeiner Stirn ſtehe geſchrieben: es mußte der Fürſt dem Krämer weichen! 1*
Und darum vertauſchte er das geſtickte Kleid gegen ein ſchlichtes Gewand, darum ſchloß er ſich ab von der Welt und ihren Freuden. unter den Linden flaniren, noch begegnete man ihm mehr in Stehely's Kaffeehauſe, ja, er ging damit
ſeine zerrütteten Verhältniſſe annähernd zu ordneFlen
und der Reſidenz den Rücken zu kehren.
Da jedoch waren es zwei Ereigniſſe, die ſeine jüngſten Pläne wieder vernichteten und ihn zum Bleiben drängten. Sein Oheim nänlich, ebenſo berühmt als Anhänger des Geizes wie als einer der bedeutendſten ruſſiſchen Grundbeſitzer, hatte die Güte in die Gruft zu ſteigen und, da er unvermählt geſtorben, den Neffen zum Univerſalerben zu ernennen; dieſem ward dieſe Ueberraſchung. vom Teſtamentsvollſtrecker verkündet, der ſeinem Schreiben eine Beglaubigung des Peters⸗
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