Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
27
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Vierte Folge. 27

Und als die Sonne im Oſten ſtieg, da ſaß ſie bei ihrem Todten;

Wild ſtarrte der Blick, die Lippe ſchwieg, des Hauptes Gedanken verlohten.

Sie brachten zum Kloſter Roſenthal des jungen Königs

Sie legten ihn dort in die kühle Gruft, der jung und ruhm⸗ voll geſtorben,

Und der in des Lebens Maienluft ein roſiges Treulieb erworben.

Imagina blieb ohne Speiſ' und Trank viel lange öde Tage,

Bis todt auf das Grab ſie niederſank eine ſtumme, troſtloſe Klage.

Reſte, Sie legten ihn dort beim Abendſtrahl in die letzte, beſte . Veſte. Lomonoſſof.

In derſelben Zeit, in welcher Peter der Große Rußland

nach Europa verſetzte und Meiſter der Wiſſenſchaft, Kunſt

und Induſtrie aus der Fremde herbeirief, um die ruſſiſche Nation zu einem neuen intellectuellen Leben zu erwecken, erblickte auf einer öden Uferſtrecke des Weißen Meeres, in der Hütte eines armen Fiſchers der Mann das Licht der Welt,

welcher ſpäter die von dem großen Reformator in ſein Reich

verpflanzte Civiliſation vertreten und der aus der Ferne hereindringenden Fluth einen Damm aufrichten ſollte, indem er ihr den Genius der ganzen ruſſiſchen Nation, der ſich in ihm ſelbſt perſonificirte, entgegenſtellte.

Das Geburtsdatum Lomonoſſof's iſt nicht genau bekannt, man hat ſogar lange Zeit den Namen des Dorfes nicht zu nennen gewußt, wo ſeine Wiege ſtand, und glaubt nur, daß er um das Jahr 1710 geboren worden ſei. Der Sohn eines einfachen Fiſchers in der Umgegend von Archangel, legte Michael Lomonoſſof ſchon in ſeiner Kindheit außerordentliche Fähigkeiten an den Tag. Seine erſten Bücher waren eine Grammatik, die Pſalmen und ein Lehrbuch der Mathematik. Genöthigt, ſeinen Vater auf deſſen Ausflügen als Fiſcher zu begleiten, verlieh ihm das rauhe Handwerk des Seemanns jenen moraliſchen Muth, die phyſiſche Kraft, den Beobach⸗ tungsgeiſt und den poetiſchen Sinn, welche die hervorragend⸗ ſten Züge ſeines Genius waren. Die ſpärliche Muße, die ihm blieb, widmete er, der Hinderniſſe ungeachtet, welche ihm eine Stiefmutter bereitete, ausſchließlich dem Studium. Er entfloh den häuslichen Widerwärtigkeiten mit ſeinen Büchern unter dem Arm, in welchen er, oft unter freiem Himmel, der Kälte und nicht ſelten dem Hunger ausgeſetzt, eifrig ſtudirte.

Als er das Alter erreicht hatte, in welchem der ruſſiſche Bauer zu heirathen pflegt, verließ Lomonoſſof, den es mit aller Macht nach Moskau zog, das mit Archangel in beſtän⸗ digen Beziehungen ſtand, das väterliche Haus, und nach einem kurzen Aufenthalt in dem Kloſter St. Antonius traf er im Winter von 1729 zu 1730 in Moskau ein, wo er die erſte Nacht in dem Schlitten eines Fiſchhändlers zubrachte. Einer ſeiner Landsleute, der mit den Mönchen Moskau's bekannt war, vermittelte ſeinen Eintritt in die Schule zum Sukharef⸗ thurm, in welcher jedoch der Kreis der Unterrichtsgegenſtände ein zu enger war, um dem Wiſſensdurſt des jungen Mannes zu genügen, der ihn verzehrte.

Zu dieſer Zeit blühte in Moskau die vom Czar Feodor Alexiewitſch im Jahr 1680 gegründete und von ihm mit viel Vorliebe gepflegte Schule Zaikeno⸗Spaſſkaja, wo die grie⸗ chiſche und lateiniſche Sprache gelehrt wurde. Peter der Große vervollkommnete dieſe claſſiſche Schule noch mehr,

lleton.

und von dem Wunſche geleitet, den Adel der tiefen Unwiſ⸗ ſenheit zu entreißen, in welcher er ſich damals befand, be⸗ ſtimmte er ſie zu einem Inſtitut, in welches nur junge Leute der höheren Standesclaſſen aufgenommen werden ſollten.

Lomonoſſof gab ſich für den Sohn eines Geiſtlichen oder Adeligen aus, erhielt Zutritt und erregte durch ſeine außer⸗ ggewöhnlichen Fähigkeiten ſehr bald Aufſehen. Theophan Prokowitſch, der ruſſiſche Boſſuet, beſuchte eines Tages die Schule Zaikeno⸗Spaſſkaja und bei dieſer Gelegenheit bekannte ihm Lomonoſſof den Betrug, den er geſpielt hatte, und der berühmte Kanzelredner, überraſcht von den Fortſchritten des jungen Eleven und der Freimüthigkeit, mit welcher ſich der⸗ ſelbe ihm entdeckte, ward von nun an ſein Beſchützer.

Unterdeſſen ſtudirte Lomonoſſof mit unermüdlichem Eifer und unter den härteſten Entbehrungen, denn er genoß täglich nicht mehr als für einen Pfennig Brod und für einen Pfen⸗ nig Kwas(eine Art Bier). Er brachte ſeine ganze Zeit in der Schulbibliothek zu, die er in einigen Jahren durchlas. Der lateiniſchen und griechiſchen Sprache völlig mächtig, ergötzte er ſich an den alten Autoren; die Naturwiſſenſchaften, welche er ſpäter zu ſeinem Lieblingsſtudium machte, wurden jedoch in der Schule Zarkeno⸗Spaſſkaja nicht gelehrt. Zum Glück für den jungen Mann beſaß die Bibliothek einige mathe⸗ matiſche, phyſikaliſche und chemiſche Werke, die Lomonoſſof verſchlang, die ihm aber bald auch nicht mehr genügten. Die Profeſſoren riethen ihm, die Akademie zu Kiew zu beſuchen, und er ergriff dieſen Vorſchlag mit der ihm eigenen Raſchheit des Entſchluſſes. Jedoch auch in Kiew fand er nicht, was er dort geſucht hatte; die Naturgeſchichte, wie ſie an dieſer Akademie vorgetragen wurde, war weit entfernt, ſeinen For⸗ ſchergeiſt zufrieden zu ſtellen. Er machte hier die Bekannt⸗ ſchaft des ſpäter berühmten Kanzelredner Georg Konisky und erlernte in ſeinen Mußeſtunden gründlich die polniſche Sprache.

In Kiew war Lomonoſſof mit Schrecken Zeuge der Ver⸗ waltung des Kurländers Biron, und ſeine große Seele, von Stolz und Vaterlandsliebe durchglüht, empörte ſich über die Erpreſſungen und Schändlichkeiten, welche die Creaturen dieſes Ausländers begingen, der beinahe den ruſſiſchen Thron beſtiegen hätte. Ein wärmerer Patriet als je, kehrte er nach Moskau zurück und trat wieder in die Schule Zaikeno⸗Spaſſ⸗ kaja ein.

Um die nämliche Zeit(im Jahre 1735) forderte die V Akademie zu St. Petersburg die Schule zu Moskau auf, ihr

einige ihrer beſten Zöglinge zu ſchicken, um an den Vorträgen der Profeſſoren Billinger, Bayer und Eiler theilzunehmen. Lomonoſſof ward einſtimmig gewählt und er trat zugleich mit

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