Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
19
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Entko

ochte ſo e Bruſt e bon 8 hres e Dumm⸗ u Lande 1. So rſetzte 1 4 ſagte dan Ga Anderer

Vierte

Da ſind nur Stacheln und Dörner, der Lateiner hat eine zu feine Haut, als daß er da hinein kriechen ſollte.

Die tröſtliche Antwort auf dieſe Bemerkung war:

Der Alte wird ſie ihm ſchon gerben laſſen, aber eigentlich dauert er mich doch.

Warum iſt der Narr davongelaufen! erwiderte der, welcher von der beſtimmten Nachricht des Ca⸗

pitäns über meinen Verſteck geſprochen hatte. Sie gingen dann langſam weiter. Ich war überzeugt, daß ſie, vereinigt, wie ſie

gegenwärtig waren, mich ohne Barmherzigkeit ausge⸗ liefert hätten, während jeder von ihnen, wäre ich ohne Zeugen in ſeine Hände gefallen, mich zuverläſſig hätte laufen laſſen. Das konnte mir aber jetzt nicht helfen. Auch zerbrach ich mir den Kopf nicht darüber, woher der Capitän ſo beſtimmt wußte, daß ich mich noch

an der Küſte befand. Ich habe das auch ſpäter nicht erfahren, aber es iſt möglich, daß er mit ſeinem trefflichen Fernrohre meiner anſichtig wurde, während ich ſein Schiff mit meinem Taſchenperſpective muſterte.

Die Hauptfrage für mich war aber die, was ich jetzt beginnen, wohin ich mich wenden ſollte. An der Stelle, wo ich lag, konnte ich nicht bleiben, denn leicht konnte es anderen nach mir Suchenden einfallen, dennoch ins Gehölze einzudringen, und wäre das auch nicht der Fall geweſen, ſo hätte der Hunger mich ohnedies bald hervorgetrieben.

Ich beſchloß endlich, abermals nach einer menſch⸗ lichen Wohnung zu ſuchen und mich deren Bewohnern ohne Weiteres anzuvertrauen, denn ich kannte bereits ſo viel vom Charakter der Chilenen, daß ich über⸗ zeugt zu ſein glaubte, die fünfzig Thaler des Capitäns würden kaum Jemand bewegen, mich zu verrathen, und im Nothfalle konnte ich mehr bieten.

Nachdem ich alſo nach ſorgfältigem Lauſchen Nichts mehr von meinen Verfolgern hören konnte, kroch ich aus dem mich bergenden Geſträuche hervor und arbeitete mich, ſo gut es eben ging, durch das Gehölze, indem ich ſtets in der Nähe an deſſen Saum zu bleiben trachtete, da an der Küſte wohl eher eine menſchliche Wohnung zu treffen war als im Dickicht, und dabei hielt ich die Richtung gegen Norden ein, indem einerſeits ich mich ſo ſtets weiter von Valparaiſo entfernte, auf der andern Seite aber meine Verfolger von dort herkommen und wohl ſchwerlich zurückkehren

würden.

Ich hatte ſo etwa eine Stunde zurückgelegt, zu welcher ich freilich wohl die doppelte Zeit bedurft hatte, als ich plötzlich in einer reizenden Bucht eine Hacienda vor mir liegen ſah, welche, wenn gleich nicht groß, dennoch einem wohlhabenden Manne an⸗ zugehören ſchien, und, meinem gefaßten Entſchluſſe

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getreu, richtete ich alsbald meine Schritte dorthin, indem ich in einer Schlucht vorwärts ging, auf deren Sohle eine kleine Quelle floß. Eben hatte ich mich durch einen Trunk Waſſer aus der hohlen Hand er⸗ uickt, als ich plötzlich aus dem Gebüſche ein Weib mit einem Kruge am Arme treten ſah, welches, als es mich erblickte, einen Augenblick ſtehen blieb und dann, einen Aufſchrei ausſtoßend, auf mich zueilte.

Wer beſchreibt mein Erſtaunen, als ich fetzt meine Beſchenkte vor mir ſah!

Aber das Mädchen rief:

Halt, keinen Schritt weiter, ich habe Dich auf den erſten Blick erkannt und jetzt weiß ich, daß Du es biſt, den ſie ſuchen. Du biſt flüchtig, denn die Kleider, die Du in Valparaiſo trugſt, ſind zerriſſen und arg mitgenommen. Deine Verfolger aber ſind jetzt anders gekleidet und haben nicht die Tracht, die ſie tragen, wenn ſie in die Stadt kommen, um ſich luſtig zu machen.

Das war richtig, und da ich nicht leugnete, daß ich der Geſuchte ſei, ſo berichtete ſie mir haſtig, daß eine Abtheilung Matroſen unter Anführung eines Midſhipman und berittene Soldaten der Polizei in der Hacienda ſeien und zum Aerger ihrer Herrin ſich eben beim Eſſen befänden.

Dann aber, ſetzte ſie hinzu,durchſtreifen ſie die Gegend wieder und ſie haben geſchworen, Dich zu faſſen, todt oder lebendig.

Ich will wieder in den Wald, rief ich.

Das hilft Dir Nichts, ſagte ſie,gerade den Wald wollen ſie durchſuchen, und ſes ſind ihrer zu viele, und unſere Leute reiten durch Dick und Dünn.

Wenn ſie die Hacienda verlaſſen haben, will ich ſuchen dorthin zu kommen und mich der Sennorita entdecken. Vielleicht verbirgt ſie mich, ſagte ich ziemlich rathlos, denn es erſchien mir ſchwierig, unge⸗ ſehen das Haus zu erreichen.

Das Mädchen ſchüttelte das Haupt.

Nein, ſie liefert Dich aus, des Geldes halber, welches man auf Deinen Kopf geſetzt hat. Keine Frau im Lande thäte das, aber ſie thut es.

Sie blickte bei dieſen Worten düſter und ſinnend vor ſich hin und ſagte dann:

Aber in die Hacienda mußt Du doch, und das zwar ſo raſch als möglich und ehe ſie mit dem Eſſen zu Ende. Du biſt dort am ſicherſten, denn ſie haben bereits alle Winkel durchſucht.

Sie hatte bei dieſen Worten raſch ihren Krug gefüllt und eilte ſchnell auf das Haus zu; ich folgte ihr, denn ich hatte kaum eine andere Wahl, und dann ſollte ſie im Sinne haben mich zu verrathen, mich der ich ihr aus der Noth geholfen?