Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
770
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770 Novellen⸗Zeitung.

Der Kutſcher that, wie ihm geboten ward. Der Tag war eben im Grauen, als der Poſthof erreicht wurde. Johann erhielt hier die Weiſung auszuſpan⸗ nen und, wenn ſich die Pferde genügend erholt, lang⸗ ſam nach Hauſe zu reiten. Der Jäger hatte indeſſen den Schreiber herausgeklopft, und nach kaum zehn Minuten wurden Poſtpferde vorgelegt. Der Jäger ſetzte ſich wieder ein, und in raſchem Trabe eilte die unnobele Geſellſchaft in meinem Wagen von dannen. Sie werden den Weg nach der Küſte eingeſchlagen haben. Schon bricht die zweite Nacht ein. Ehe ich die Behörden zu ihrer Verfolgung in Bewegung ſetzen kann, haben ſie einen Vorſprung von zwei Tagen. Ueber See zu kommen, bietet Hamburg faſt ſtündlich Gelegenheit dar, und der Inſpector, der dort ſo be⸗ kannt iſt wie auf meinen Gütern, wird nicht verfeh⸗ len die erſte als die beſte zu benutzen. Die Pflicht gebietet mir jedoch mit der Anzeige nicht zurückzuhal⸗ ten, da einer der Vögte nicht undeutlich merken läßt, daß die Schurken auch an dem auf mein Gut ſtattge⸗ fundenen Attentat die Hand mit im Spiele gehabt, um dadurch mich einzuſchüchternd den Erlaß von Maßregeln zu erwirken, wie ſie ihren ferneren teuf⸗ liſchen Plänen förderlich wurden. Sie können leicht denken, wie Alles hier in Aufregung iſt. Gleich den Arbeitern gehen die Bauern ſcheu und ängſtlich um⸗ her, als hätten ſie kein gutes Gewiſſen, und doch ſind die Gebliebenen am Ende die treueſten und beſten von Allen. Einen widrigen Eindruck hat der Pfarrer auf mich gemacht. Als er, vorgeblich um mir Troſt zu bringen, mich vor einigen Stunden beſuchte und mit niedergeſchlagenem Blick von den unerforſchlichen We⸗ gen der Vorſehung und von den Heimſuchungen ſprach, die auch den Gerechteſten mitunter beträfen, da ſagte mir mein Gewiſſen, daß mir ein Heuchler gegenüber⸗ ſtand. Es wurde mir unheimlich in der Nähe des Mannes, der, obgleich mich ſalbungsvoll ſo viele Jahre hindurch jeden Sonntag als Wohlthäter der Kirche in ſein Gebet einſchließend, nie den Muth gehabt mir Vorſtellungen zu machen, die in wirklich chriſt⸗ licher Weiſe vorgetragen auch den Zweck nicht verfehlt haben würden. Im Augenblick, als der Geiſtliche das Zimmer verlaſſen hatte, gedachte ich Ihres hochherzi⸗ gen Schwagers und an ſeine etwaigen Vorſchläge zur würdigen Wiederbeſetzung der Stelle, ſobald ich mich des alten Hofcapellans durch Penſionirung entledigt habe. Es iſt ſeine Scheinheiligkeit, wie ich jetzt ein ſehe, die an meinen Unterlaſſungsſünden einen nicht geringen Antheil hat.

Indeſſen ſind hier ſo viele neue Arrangements zu treffen, daß mir Ihr gütiger Rath dabei ganz un⸗ entbehrlich iſt. Einſtweilen aber bitte ich Sie, mir

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Ihren braven Inſpector für eine Woche zu überlaſſen. Seiner auf Erfahrung begründeten Umſicht wird es am beſten gelingen, die hier ins Stocken gerathene Wirthſchaftsmaſchinerie wieder in eine gehörige Gang⸗ art zu bringen.

Früh am nächſten Morgen ließ Feldern folgende Antwort abgehen:.

Bei genauerer Betrachtung der Verhältniſſe iſt der vorläufige Ausgang, den die Dinge bei Ihnen genommen haben, nicht ohne ſein Gutes. Einmal wurde Ihnen der Anblick der Männer erſpart, die durch ſchnöden Verrath das ihnen ſo lange geſchenkte Vertrauen gelohnt, und zum andern iſt Ihr gutes Herz dem täglichen Gedanken an die ſchweren Strafen enthoben, denen ſie bei ihrer Verhaftung durch das Geſetz verfallen wären.

Mein Oberinſpector wird an einem der nächſten

Tage bei Ihnen eintreffen, um mit Ihnen die vor⸗ läufig etwa nöthig gewordenen Anordnungen zu tref⸗ fen. Meine eigenen Dienſte ſtehen Ihnen zu Gebot, wann und wo Sie derſelben bedürfen.

Und Feldern hielt Wort. Er wurde dem alten Freiherrn ein treuer Freund von dem Tage, wo jener durch das Schickſal in ſo wunderbarer Weiſe bei ihm eingeführt wurde. Kaum waren einige Jahre ver⸗ gangen, ſo hatten reiche Ernten und der glückliche Erfolg induſtrieller Unternehmungen die beträchtli⸗ chen Schäden erſetzt, welche die gewiſſenloſe Geſchäfts⸗ führung der früheren treuloſen Beamten dem Guts⸗ herrn zugefügt hatte. In dem ſich hebenden Wohl⸗

ſtande und in den heiteren Geſichtern der Landleute

von Wuſtrow aber ſprach es ſich am deutlichſten aus, was der Erb⸗ und Gerichtsherr, Freiherr v. Trobiſch gewonnen, nachdem er Land und Leute von den bis⸗ her ſo ſchwer ſie bedrückenden Laſten befreit hatte.

Kehren wir jetzt nach Auguſtenau zu dem glück⸗ lichen Stillleben der Familie v. Feldern zurück, wel⸗ ches für kurze Zeit durch den ſo unerwarteten Zwi⸗ ſchenfall geſtört wurde. Der Leſer hat bereits die Bekanntſchaft der jungen Gräfin v. Felseck gemacht, welche die gefundene liebevolle Aufnahme anfänglich durch die heiteren Einfälle, welche einem nie getrübten Humor entſprangen, reichlich vergalt. Aber ſchon nach wenigen Monaten war aus dem loſen Wildfang, wie der Vater im Scherz ſeinen Liebling benannte, eine ſanfte Taube geworden, der jedoch der Blick und die Schwingen des Falken nicht fehlten, wo es galt ei⸗ nem von Feldern's oder Winterfeld's großen Gedanken zu folgen, an denen es ſelten gebrach in der gemein⸗ ſchaftlichen Unterhaltung.

Bertha hing mit ſchweſterlicher Liebe an Feldern und ſeiner edelen Gattin. Aber ſie liebte auch Groß

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