Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
578
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thel und ſein Oheim beim Amtmann ſo ſchlecht ſtehen. Wir waren ſchon früher nicht die Schlimmſten, und der Paſtor ſammt dem Schmied, die haben uns Cou⸗ rage gemacht.

Wir ſind jetzt'mal Hahn im Korbe, ſagte

Langens Auguſt,aber wir bleiben, ſo Gott will,

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in begleiteten Walther bis vor Roſel's Thür, und während Walther die Maie pflanzte, ſtellten ſie ſich in einem Halbkreiſe um ihn her und ſangen: Leiſe, leiſe, fromme Weiſe!

Die Vorhänge vor Roſel's Kämmerchen waren zugezogen und ſie regten ſich nicht, wie oft Walther auch hinſah. Droben in ihrem Bettchen ſaß das Mädchen aufrecht und hatte ihre Hände gefaltet. Sie war vom Geſange nicht ſogleich erweckt, ſondern nur in liebliche Träume eingewiegt worden. Sie hatte ſich im weißen Kleide, den grünen Kranz im Haare, mit Walther auf einem maiengeſchmückten Wagen ſtehen ſehen, ſie war vor ihrem Hauſe vorbeigefahren, und ihr Vater hatte in der Thür geſtanden und ſich die Hände gerieben wie in ſeinen glücklichſten Tagen. Auf einmal hatte ſie Walther mit einer flatternden

vonſprengen ſehen, und ſie wunderte ſich, daß ſie ihm ſo ruhig nachgeſchaut hatte. Da war ſie erwacht. Geſang! Wo? Vom Thurme? Nein. Unterm Fenſter. Roſel erröthete bis tief in den Nacken hinein und

mer voller und voller ſchwollen die Töne an; die männlich ſchönen Stimmen ſchienen ſich zu tragen, und ſie glaubte aus ihnen heraus eine zu hören, die ihr über alles lieb war. Die Neugierde überwand endlich ihre Schüchternheit. Sie warf ein Röckchen über, legte ein großes Tuch um ihre ſchöne Bruſt, zog das Jäckchen an und glitt dann unhörbar auf dem Bettrande hin zum Fenſter. Als ſie den Vorhang ein wenig lüftete und in die Morgendämme⸗ rung hinauslugte, ſah ſie Walther, die Maie, die Burſchen. Sie lachte in ſich hinein und barg ihr Geſicht in ihre Händchen.

Die Maie ſtand, die Burſchen ſangen den Schluß⸗ vers, da zeigte der Krüppel nach der Ecke des Garten⸗ zaunes; dort ſtand Barthel. Mit einer Axt in der Hand ſchritt er fürchterlich ernſt und unheimlich auf Walther zu. Faſt geſpenſterhaft ſah er aus, als er ſo aus der Nacht heraustrat. Alle verſtummten und ſahen auf ihn.

Haſt Du die Maie geſetzt? fragte er finſter den Verwalter.

Ich glaube, Barthel, Du haſt kein Recht, mir das zu verbieten, ſagte Walther.

Novellen⸗

Zeitung.

Kein Recht? ha, ha, ha! lachte Barthel,hat ſie Dir's geſagt, die* Mit zitternden Lippen und herausgetretenen Augen ſtand er vor Walther

und wog die Axt in der Hand.

Nun! ſagte Walther einen Schritt zurücktre⸗

tretend und ihn feſt ins Auge faſſend.

Hund! ſchrie Barthel plötzlich in einem Wuth⸗ anfalle, ſchwang die Axt und ſprang auf Walther los.

Da ringelte ſich eine dunkle Geſtalt an Walther's Bruſt empor und ſank plötzlich zuſammen. Barthel's Axt hatte den Krüppel getroffen.

Die Burſchen warfen ſich auf Barthel, aber mit Rieſenſtärke drängte er ſie alle von ſich und größer als je, mit ſchaumbedecktem Munde, wirren, aufſtre⸗ benden Haaren und geſchwungener Art brach er mit⸗ ten durch ſie hindurch und verſchwand. Alle ſetzten ihm nach, aber ſonderbar! in der Nähe des Gottes⸗ ackers verſchwand er plötzlich, und man fand ihn nicht wieder..

Walther warf einen Blick auf Roſel's Fenſter. Es war ſtill dort. Aber plötzlich fühlte er ſich von weichen Armen umſchlungen, und als er ſich umwen⸗ dete, ſtand Roſel neben ihm im leichten Röckchen

Fahne in der Hand auf einem ſchwarzen Roſſe da⸗ und mit aufgelöſtem Haare.

Du lebſt! Gott ſei Dank! Das war Barthel! Dann beugte ſie ſich blitzſchnell nieder zu dem armen Wilhelm, der ihrem Walther das Leben ge⸗ rettet hatte.

kälter und kälter er war todt.

Auch die zurückkehrenden Burſchen überzeugten ſich bald von dem Ableben des armen Wilhelm. Man⸗ lief und ſchrie durcheinander; das ganze Dorf ward wach und kam zuſammen. Auch die Roſemarie kam herbei, ſetzte ſich neben das todte Kind auf die Erde und legte das blutige Haupt auf ihren Schooß. Auch

Sie wiſchte ihm das Blut von Mund ben, ſo ſchaute ſchüchtern nach dem verhängten Fenſter. Im- und Stirn, ſie rannte nach dem Brunnen und holte des Liedes Waſſer: der Arme rührte ſich nicht, ſondern ward

Paſtor⸗ erbietig, beg lange darin. Dorthin ſei ein Drän niemals geſe Apfel zur Erd Volk zuſamne die älteſten gugleich gat bude hineinzu ſechs Dorfer. Dex Vor ner begaben und eröffnete mit zwei Acc Gemeindevorf der Richter kam die lange den Beſchluß Iahte W

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der Richter kam herzu. Mit ſchlotternden Knieen neind begr 1

ſtand er da, als er im Beiſein des Ortsvorſtandes

die Leiche aufheben und in das Haus der Roſemarie. bringen ließ. Dann ſprengte ein reitender Bote inse

Amt, um die Gerichte zu holen.

Vor der Kirche ging der große Hammer im Dorfe herum. Er klopfte an jedes Thor dreimal, und daran war ein Zettel, worauf ſtund, daß der Amtmann nach der Kirche ins Dorf kommen werde, um Gericht zu halten. In des Schöppen großer Stube ſolle ſich die Gemeinde verſammeln. Den Zettel mußte ein jeder Hausvater leſen und ihn dann weiter tragen. Vom Barthel war nichts zu ſpüren. Man durchſuchte jeden Baum, jede Schleuße, jede Scheune, jeden Mauer⸗ winkel, er war und blieb verſchwunden.

Die Mäd⸗

des Paſtors klage wot v ſo müſſe d das gange achtung ge und reich Freundſcha ſprach er ſtehe, und d ſie nich der bes Leidwe hätten aͤnn