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zucghandlung.
1 Edelmann in Leiplig
Vierte Folge.
445TA
II. Jahrgang.
Eine TMlochenchronik für Titeratur, Kunst, ſchöne Tliſſenſchaſten und Geſellſchaft.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Leipzig, am 2. September 1864.
Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.
Von Oſtern bis Pfingſten.
Eine Dorfgeſchichte von
Franz Pfalz. (Fortſetzung.)
Eine Woche war vergangen, und Roſel hatte Nichts von Walther gehört. Selbſt Roſemarie hatte ihr Nichts ſagen können, als daß Barthel ausſähe, wie drei Meilen böſer Weg, und daß der Richter den ganzen Tag bei den Adligen und Geiſtlichen der Um⸗ gegend herumlaufe, um ſich Raths zu erholen. Aber ob Walther noch gefangen ſei oder nicht, und wie ſeine Sache ſtehe, das wußte Niemand.
Am Sonntag Nachmittag ſtand Roſel recht traurig in ihrem Garten. Jeden Augenblick fürchtete ſie des ver⸗ haßten Barthel's Schritte in der Hausflur zu hören und bekümmert ſchaute ſie nach der Amtsſtadt, wo ſie ihren Walther wußte. Wie gern hätte ſie ihm ein Labſal
gebracht in ſeinen Kerker; wie gern hätte ſie ſeine Zelle geſchmückt mit den erſten Blumen des Früh— lings! O, wie gern wäre ſie mit ihm gefangen ge— weſen; auf ihren Knieen hätte ſie ihm wollen den Krug mit Waſſer reichen, ſeine und ihre einzige Er⸗ quickung! Aber hatte ſie ein Recht, ſich als die Seine zu denken? Band die Pflicht ſie nicht an Barthel? Mußte ſie nicht ihren Eltern zu Gefallen ihrer Liebe entſagen? O, wer ſollte ihr rathen? Wer ſollte ihr helfen? Da fiel ihr Paſtor Bürger ein, ihr Lehrer. Längere Zeit war ſie nicht bei ihm geweſen; ihn, ihn wollte ſie fragen, und ſogleich.
Bald darauf ſaß Roſel dem Paſtor gegenüber am Fenſter, in der Pfarre. In kindlicher Weiſe er⸗ zählte ſie ihm, daß ſie den Barthel nehmen ſolle, wie er, der Pfarrer, wohl wiſſe, da es ja kein Geheimniß mehr ſei im Dorfe; ſie klagte ihm, daß ſie den Bar⸗ thel nicht nehmen könne, wenn nicht ihr Brautkleid zugleich ihr Todtenhemd ſein ſolle; und ſie bat ihn, daß er ihr ſagen möge um Gottes und des Heilands
willen, ob ſie den Eltern ihre Zuſtimmung verwei⸗


