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Flußwaſſer zuſammenſchrumpfte, die andern aber fühlten, waſſer! Und war es Aerger über den verlorenen
ehe noch der Schrei auf die Lippe trat, einen ſanften Schlag von der Hand ihrer flinken Führerin und be⸗ ſannen ſich rechtzeitig. Die reſolute Kleine nicht nur ſelbſt keine Furcht zu haben, ſie ließ auch die andern nicht aus dem Banne ihrer Herrſchaft. Sie verhinderte, daß die übrigen einen Laut von ſich gaben oder in voreiliger Flucht nach allen Richtungen auseinander ſtoben. Und hatte ſie im erſten Augen⸗ blicke wie durch ein Wunder das Oſterwaſſer geſchützt, ſo flog ſie ſchon im nächſten ihrer Schaar voran an dem Abhange des Hügels hinan. Ehe die Bauerbur⸗ ſchen— denn das waren die Ueberfallenden— aus⸗ ſteigen und ſie verfolgen konnten, ſtand ſie ſchon hoch oben auf einem Vorſprunge und ſah lächelnd auf die Scene nieder, die ſich zu ihren Füßen entwickelte.
Die ſchwerfälligen Bauermädchen, die ihr nicht hatten folgen können, hingen am Abhange in den Sträuchern und wurden von den Burſchen ſo lange umhergezerrt, geneckt und verſpottet, bis ſie geſprochen hatten und bis alles Waſſer verſchüttet war. Als ſich die armen unbeholfenen Gefährtinnen ihren Räu— bern ſo weit ergeben hatten, daß ſie ſich mit leeren Krügen zankend und ſchmollend unter ſie miſchten, bemerkten die Burſchen die Kleine auf dem Vorſprunge. Anfangs wollten alle zugleich„lehnan“ ſtürmen, aber plötzlich ſonderte ſich aus der Schaar eine athletiſche und ſoldatiſch ſtraffe Geſtalt ab, drängte die andern zurück, ſtemmte die Arme in die Seite und rief hinauf:
„Weiß der Henker! der Galgenberg ſieht gut aus, wenn die Hexe darauf ſteht. Ich wollte mich hängen laſſen, wenn ich jetzt gleich oben wäre!“
Ein lautes Jubeln erfolgte, als das Mädchen droben eine theatraliſche Stellung einnahm, mit dem Finger winkte und die Arme ausbreitete, als wollte ſie den Athleten ans Herz ziehen.
„Straf mich,“ fuhr der Große fort,„Roſel, wenn Du mich nicht raſend machſt! Deine verzwickten Ca⸗ priolen! Aber warte, ich komme hinauf und will Dir was erzählen, das Dich nicht geträumt hat heut Nacht. Was wetten wir, daß Du mir nicht entwiſcheſt?“ Da⸗ mit nahm er einen lärmenden Anlauf an der ſteilſten Seite des Hügels, und die Andern folgten nach. Jetzt wird es wohl um das Oſterwaſſer geſchehen ſein! Noch nicht! Roſel wird ſogleich den Hügel auf einem Sei⸗ tenwege hinab und in's Dorf laufen. Aber ach— da blickt ſie ganz zufällig in die Höhe: über Pör zwiſchen zwei ſchlanken Fichten ſteht im erſten Früh⸗ lichte ein junger Mann, der wie ein Verwalter mit einem Hakenſtocke im Sande ſpielt. Roſel lacht, ſie lacht ſo laut, ſo durchdringend, daß es in den fern⸗ ſten Klüften wiederhallt. Aus war es mit dem Oſter⸗
Novellen⸗
der
ſchien ſich ein
tem Weidengebüſch hinglitt;
Zeitung.
Schatz Scham, die aus dem tiefſten Grunde Seele kam, ſie trat hart an den Rand und rief: „Köpfe weg, das Oſterwaſſer kommt!“ Im Nu ergoß Strom über das Haupt des anſtürmenden Rieſen. Dieſer ward ſo plötzlich und ſo heftig abge⸗ kühlt, daß er das Gleichgewicht verlor und den Ab⸗ hang hinunterrollte. Im Fallen riß er noch einige ſeiner Geſellen mit ſich hinab.
Jetzt erhob ſich ein helles Gelächter der Mädchen. Auch der Verwalter lachte; und dieſes Gelächter börte der fallende Rieſe heraus. Dies Lachen kannte er und es verwundete ihn tödtlich. Unterdeß war der Verwalter zu Roſel getreten, hatte mit einem Blicke die ganze Scene überſchaut und die Gefahr erkannt, die ihm und vielleicht auch Roſel drohte, wenn er nicht augenblicklich half. Er faßte das Mädchen bei der Hand und zog ſie mit ſich fort. Raſch führte er ſie einen Fußpfad hinab, ſprang mit ihr in den Kahn der Burſchen und ſtieß ab, ehe die wilde Rotte noch recht zur Beſinnung kam. Die Wuth der Zurückge⸗ laſſenen war unbeſchreiblich, und die Flüche, die be⸗ ſonders der Große den Davonfahrenden nachſandte, ſchallten hohl und erſchreckend über die ruhige Waſſer⸗ fläche dahin. Dem Verwalter ward es erſt behaglich, als der Kahn zwiſchen hohen Erlenwänden und dich⸗ nun fühlte er aber auch wunderbare Situation, in die er ſo ſchnell gerathen war. Er ſaß allein im kleinen Kahne dem Mädchen gegenüber, das er ſchon ſeit langem in's Herz geſchloſſen hatte; noch nie hatte er den Muth gehabt, ihr etwas davon merken zu laſſen; hinter muntern Scherzen hatte er vielmehr das Intereſſe verſteckt, das er für ſie hegte; wußte er doch ſelbſt nach nicht, ob in ſeine äußeren Verhältniſſe hinein das Mädchen paßte. Aber er liebte ſie mit allen Kräften der Seele.
Unwillkürlich ließ er die Ruder auf der Waſſer⸗ fläche ruhen und horchte der Stimme, die in ihm ſprach: Möchte der Kahn nicht weiter gleiten, o und dürfte dieſe Oſterfrühe doch ewig währen, damit Du nie erwachteſt aus dem ſchönen Traume! Dabei fiel ſein thauiger, morgenfriſcher Blick liebesſchwer und ſeelenvoll auf die ſchöne Geſtalt, die vor ihm ſaß. Man ſagt: wenn man einen recht anſieht, ſo muß er uns auch anſehen. Aber Roſel ſaß da mit tiefge⸗ ſenkten Augenlidern. Das Morgenroth des Himmels glänzte wieder in dem Erröthen ihrer Wangen und ſpielte um ihre Stirn, ihre Finger zerpflückten ängſt⸗ lich einen dürren Halm, den ſie in der Eile am Ufer aufgerafft hatte. Aber wie lange wird ſie es aus⸗
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