Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
500
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Stelle berührt. Eine Feuerflamme ſtieg einen Augen⸗ blick lang in Agnes' bleichen Zügen auf, um ſofort wieder zu verſchwinden, und ſie erwiderte mit ſchnei dender Bitterkeit:

Auch Andere würden beſſer thun, mich nicht daran zu erinnern.

Sie erhob ſich; ſie ſchien des Geſprächs über drüſſig und wollte ſo ein Zeichen zum Abbruch und Aufbruch geben.

Sie ſind heute merkwürdig reizbar, liebe Agnes, ſagte der Graf beruhigend,und erzeugen wie abſicht⸗ lich Mißverſtändniſſe, obgleich Sie wohl wiſſen, daß Sie keinen treueren Freund, keinen innigern Verehrer als mich beſitzen.

Laſſen wir das! entgegnete ſie kurz und mit einer abweiſenden Handbewegung. Sie ſtand noch immer, wie im Begriff zu gehen, und ſchien des Gra⸗ fen Aufbruch zu erwarten.

Bitte, liebe Agnes, bat aber dieſer und er⸗ faßte ihre Hand,laſſen Sie ſich noch einen Augenblick nieder; ich möchte noch etwas mit Ihnen beſprechen, etwas Ernſtes.

Er begriff ſelbſt nicht, woher er dieſen Muth

nahm; aber daß er ihn hatte, machte ihn immer

Novellen⸗Zeitung

hoffe und heute zu Ihnen gekommen bin, um Ihrem Herzen die Frage vorzulegen, ob Sie an meiner Hand durch das Leben gehen, ob Sie Gräfin Brenken wer⸗ den wollen.

Seine Stimme bebte; er hatte ſein Wohl oder Wehe vertrauend in ihre Hände gelegt, ſein treues Herz ihr liebend entgegengebracht, und nun blickte er fragend, bittend zu ihr hinüber, von ihren Lippen Tod oder Leben erwartend.

Aber in ihrer Bruſt kämpften Bitterkeit und ohn⸗ mächtiger Zorn. Er will mich zur Sclavin der Dank⸗ barkeit machen! rief ihr gereizter Hochmuth und bäumte zornig empor, und ſtieß gegen die Feſſeln, welche ihn hemmen wollten; und nein! nein! rief es in ihr, nie⸗ mals! ihre Wangen rötheten ſich in zorniger Aufre⸗ gung, ihre Augen flammten und blitzten den Liebenden vernichtend an, welcher noch immer erwartungsvoll zu ihr emporblickte.

Da zuckte ein Gedanke durch ihr hochmüthiges

lei, und er zeg deß iom dieſel ihre Lippen Eitelkeit unnd H Machte in ihrem zen mit Vergnü welche ihr huldie gefeiert war, und Munde klang ihr

Sie umtant

Herz, ein Gedanke ſo ſchwarz und boshaft wie die Höͤlle, und ein Triumphblitz brach aus ihren Augen, als ſie ihn erfaßte.

Sie wollte mit einem Male die Feſſel zerreißen, mit einem Worte für immer mit dem Grafen brechen

ſicherer.

Agnes Lindau war einmal gereizt und ließ ihrer Laune freien Lauf. Ihre Züge verhehlten den Miß⸗ muth nicht, welchen das Geſpräch ihr bereitete, und ein ſchwerer Seufzer hob ihre Bruſt, als ſie ſich re⸗ ſignirt wieder niedergleiten ließ.

Ich bitte flüſterte ſie müde und lehnte den Kopf in die ſchwellenden Kiſſen zurück, ohne den Gra⸗ fen anzuſehen.

Dieſer hatte Alles bemerkt, und ohne Löwen's Einfluß würde er niemals den Muth gefunden ha⸗ ben, jetzt noch weiter zu ſprechen; heute fand er ihn.

Ich ſagte Ihnen bereits, liebe Agnes, daß es etwas Ernſtes ſei, was ich mit Ihnen beſprechen wollte. Für mich iſt es eine Lebensfrage; ich will ſie Ihnen zur Beantwortung vorlegen, und Ihr Mund wird mir vielleicht Seligkeit oder Verdammniß zuerkennen.

und den Läſtigen verjagen.

Mit einer ſtürmiſchen Bewegung ergriff ſie ſei⸗ nen Arm, riß den Grafen empor und zu der decken⸗ hohen Pſyche hin, welche den Raum zwiſchen den

Fenſtern füllte. 2

Da ſtanden ſie, und ihre Bilder ſtrahlten ihnen hell und klar aus dem Glaſe entgegen; das ſeinige bleich und erſchrocken, das ihrige ſtolz und triumphi⸗ rend, einer Ruhmgöttin gleichend. Sie war ganz Leidenſchaft und hatte keine Ueberlegung deſſen, was ſie that.

Da ſehen Sie, Graf, rief ſie mit wildem Hohne, und nun urtheilen Sie ſelber, ob ein Weib wie ich Sie jemals zum Manne nehmen wird.

Sie erkannte noch, wie ein tödtlicher Schrecken üͤber ſeine Züge zuckte, dann war ſie in ein Neben⸗ zimmer verſchwunden.

Sie rührte ſich nicht aus ihrer Stellung, gab

kein noch ſo leiſes Zeichen erhöhter Theilnahme; und der Graf fuhr fort:

Ich habe wohl einige Rechte auf Sie, Agnes, und es iſt das ſchönſte Bewußtſein, welches ich mir ſelbſt bereitet, daß ich mir ſagen kann, an J Glücke mitgebaut zu haben. Sie waren meinem Her⸗ zen ſchon als Kind theuer; meine ſtete Sorgfalt für

Sie muß es Ihnen verrathen haben; und Sie ſind es mir immer mehr geworden, ſo ſehr ſogar, daß ich in Ihrem Beſitze Glück und Seligkeit für mich er⸗

Willkommen, Prinz! rief eine halbe Stunde

ſpäter Agnes Lindau dem Prinzen L. entgegen,ich Ihrem geſtehe, daß ich Sie erwartet habe.

Sie ſtrahlte in wunderbarer Schönheit, und ihre

Augen funkelten wie Brillanten, während ein reizen⸗ des Lächeln die Purpurlippen halb öffnete, gerade

genug, um zwei blendend weiße Perlenreihen hindurch⸗ ſchimmern und mit ihnen contraſtiren zu laſſen.

aer Koketterie; lggen machen, i lcchh als ihren C naran gedacht,! weniger als une⸗ Beiſpiel einer ſt ſſchon gewagk he willen, warun ſo gewagt werden: Der Prinz Agnes hatte ih henswürdigkeit perbinden und Sie dacht mit ſcharfem A den Zögernden Welcher T ſchah! Welcher Tage dem Gra Braut ds Pri die Unte und Galanterig lebhafter, inm Schmeichelei. Agnes f Paradieſes. ſcheidende Wo zen es zu wa Im Eifer eiſen Nale, ſ ſanſt z ſchh ſäden Lächeln zärtlichem Flüſ