Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
498
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Armer Graf! er will entſagen und glaubt ſelbſt noch daran, daß er es können wird!

Sein heldenmüthiger Entſchluß iſt ein frommer Selbſtbetrug, den ihm ſein gutes Herz ſpielt. Aber die Leidenſchaft iſt ſtärker, als des Herzens guter Wille! Graf Oskar iſt immer ein Kind des Glückes geweſen, und die ernſte Schule des Lebens allein pflegt einen Riegel gegen die Dämonen zu ſchmieden, welche in der Menſchenbruſt wohnen, als die gefähr⸗ lichſten Gegner des göttlichen Funkens Vernunft.

Graf Oskar ging aufgeregt in ſeinem Zimmer auf und nieder. Er iſt ſpät in der Nacht nach Hauſe gekommen und am Morgen ſpät aufgeſtanden, und jetzt, in der erſten Stunde nüchternen Nachdenkens, hat er ſchnell einen Entſchluß gefaßt und als Geſetz aufgeſtellt, welcher Entſagung ſeiner heißeſten Wünſche, Dämpfung ihrer glühenden Lohe und Aufgebung des erſehnten Beſitzes decretirt. Er bemerkt noch nicht das heimliche Hohnlachen der Dämonen; er ſieht nichts von ihrem lauerenden Hohne und glaubt nicht an ihr Daſein er glaubt an ſich ſelbſt, der arme Mann, und denkt, daß er nur zu wollen brauche, um einen Willen zu haben.

Die Dämonen aber wiſſen es beſſer, und ſie grin⸗ ſen Triumph!

Da wird an der Thür geläutet, und gleich da⸗ rauf meldet ein Diener den Baron von Löwen.

Löwen! ruft der Graf, und wie ein Wetter⸗ leuchten überfliegt es ſeine bleichen Züge;den führt. ein guter Engel her! Nur ſogleich herein, für meinen Herzensfreund brauche ich keine Toilette zu machen.

Einen Augenblick ſpäter ruhen die Freunde Bruſt an Bruſt, und Beider Herzen ſchlagen höher unter jenem beſeligenden Gefühle der Freundſchaft, das ſiegend exiſtirt und das kein Spott, keine Blafirtheit hinweg zu leugnen vermag.

Dann ſchaute Löwen dem Freunde in die Augen, und ein ſorgender Ausdruck ſtieg in den Zügen auf, die noch von der Freude des Wiederſehens verklärt erſchienen.

Was iſt aus Dir geworden, Oskar? ich erkenne Dich kaum noch! Dieſe Farbe, die fahle Bläſſe Deines eingefallenen Geſichtes, dieſe tiefliegenden Augen! Das iſt nicht Natur, und das können auch nicht Spuren Deiner Krankheit ſein! Oskar, was thuſt Du? wie lebſt Du? der Freund for⸗ dert Wahrheit, und er erwartet ſie vom Freunde.

Und er ſoll ſie auch haben! Du allein, Rudolph! Dir allein kann ich Alles anvertrauen, vor Dir kann

ich kein Geheimniß hegen, kann ich zu allerletzt ſel

ber ein Geheimniß bleiben. Dir vill ich beichten,

Novellen⸗Zeitung.

Dir Alles bekennen und magſt Du mich auch dann verdammen es iſt nun doch beſſer. Nun Du da biſt, wird Alles gut werden. Du warſt ſo oft mein guter Geiſt, Du wirſt, Du mußt es auch dieſes Mal werden!

Graf Oskar erzählte nun dem Freunde die ganze Geſchichte ſeiner Liebe und ſeines Leides, ließ ihn hineinblicken in die innerſten, verborgenſten Falten⸗ des Herzens, die jedem Sterblichen ewig verhüllt bleiben, außer dem Freunde, welchen ſich das Herz in freier Wahlverwandtſchaft erkoren hat; und Löwen hörte ihn bis zum Ende, verſtand und begriff ihn ganz und fühlte vollkommen, daß es ſo hatte kommen müſſen, und dankte nur Gott, daß er ihn noch rechtzeitig hergeführt hatte, ehe Oskar ſich völlig aufrieb und ſein tief erſchüttertes Nervenſyſtem vollkommen ruinirte.

Das kann ſo nicht lange gehen, Oskar, ſagte er ernſt,und Deine Entſagungsgedanken ſind wie⸗ der ſolche Ideale Deines guten Herzens, welche vor

der Wirklichkeit und der Macht der Leidenſchaft nicht Stich halten. Du biſt kein Charakter, der ungeſtraft entſagen darf, und ſtete Rückfälle würden unausbleib⸗ liche 7 Folge ſein, wenn der Gegenſtand Deiner Liebe in Deiner Nähe lebte, ſchwermuthvolles Sehnen und Mel ancholie dagegen Dein Loos werden, wenn Du ſeine Nähe zu fliehen und Dich in einem andern Welttheile zu begraben ſuchteſt. Du biſt kein Mann, der entſagen ſoll, und ich wüßte auch nicht, weshalb Du es wollteſt. Du biſt ein Mann von Herz und Geiſt, und wenn mir Agnes in Paris auch als ein leichtſinniges, flatterhaftes und gerade nicht ſehr dant⸗ bares Weſen erſchienen iſt, ſo halte ich doch die gei⸗ ſtig emancipirte Künſtlerin für zu vorurtheilsfreie als daß ſie auf etwas mehr hervorſtechende äußert Vorzüge Gewicht legen ſollte. Ringen und Kämpfen 5 iſt das Loos des Mannes und an ihnen ſoll er ſeine Kraft ſtählen! Du biſt ein Mann, der zu dem kühn

ſten und ſicherſten Auftreten nicht etwa nur durch

ſeine Geburt berechtigt iſt. Wozu alſo entſagen? Mache Toilette, Oskar, gehe hin zu Agnes Lindau und biete ihr Deine Hand und Du wirſt als Sieger, als Bräutigam in die Arme des Freundes zurückkehren.

Fremde Zuverſicht übt eine eigenthümliche Macht über ſchwankende Charaktere aus. Graf Oskar's Züge hatten ſich während Löwen's Rede immer mehr erhellt;

gen empor, als Rudolph ihm ſo kräftige Worte entge⸗ genhielt und dieſer ſah beruhigter, daß er geſiegt⸗

hatte.

ein Strahl der Energie blitzte in ſeinen trüben uca ſich in ih

Ein helleres hre Jüge; mach (Bwatan ſchung Pl feu u Brenken mel Graf f Brell ich laſſe bitke 4 Sie durfte ih ihr aud gelade inmer ungelegen, Laſt der Werpf lich nd die ihr Rüch mlem wurden. ennuche läſtig, we euldigend vor ſic iſſen Huldigung die ein Wechſel je ehrenhalber h anpörte ſich jede wrafen; ſie war in ſeiner Gegeny eine Liebe in jh werwünſchte die Sie hatte ſ ungagement anz los um in ih icht mehr gezw ahen zu müſſen ſatte aus den ſo daß Watretern d Lren duaſte. 8 Sagen an eine ſh Dariſer Eriahru Wu he Hoffnung ag ſhlgen würde, u ſg, trat ebeni

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