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unweit Genezzano iſt der beſte Platz die Pilger zu beobach⸗ ten und zu erwarten. Indem ſie dieſe Brücke, die das Weichbild des Wallfahrtortes bezeichnet, mit inbrünſtigem Chorgeſang, auf den Knieen rutſchend überſchreiten, halten ſie dort eine kurze Raſt. So ſah ich ungezählte Schaaren die Brücke paſſiren, die Weiber knieend an der einen, die Män⸗ ner knieend an der andern Seite. Als Chorführerin diente häufig eine alte Frau und ſie erhob, wenn ſie das Ende der Brücke auf den Knieen erreicht hatte und nun aufſtand, ein helles„Evviva Maria“, worin der Chor einſtimmte. Dann zog die Proceſſion weiter. Der einfache Geſang, einfachſter Ausdruck des religiöſen Gefühls in der klagenden Tonart des Volks und hin und herſtrömend wie das monotone Rau⸗ ſchen der Wellen, übt eine bezaubernde Gewalt auf die wandernden Menſchen aus, und die Proeeſſion ſcheint ſich in dieſer ſchönen und trauervollen Harmonie ruhig und ſicher fortzutragen.
Eine Wallfahrt wird ſelbſt auf denjenigen, der ſich nicht zur katholiſchen Kirche bekennt, einen Reiz ausüben, zumal im Süden, wo die Illuſion nicht durch ſo viele Uebel, die mit dergleichen verbunden ſind, getrübt erſcheint. Der heitere Himmel, die Nüchternheit und Bedürfnißloſigkeit des Süd⸗ länders entfernen von ſelbſt viele Unordnungen; die Schön⸗ heit der Form, in welcher die ſüdliche Proceſſion auftritt, die herrlichen Coſtüme der Frauen, ihre Wohlgeſtalt und natür⸗ liche Grazie erhöhen ſie ſelbſt dem frechſten Auge und ſchei— nen ſie der Gemeinheit zu entrücken. Nie bemerkte ich dabei in Italien einen Zug von Rohheit.
Man denke ferner, daß dieſes Volk, in ſolcher Form des religiöſen Lebens erzogen, nichts Höheres hat, als eine Wallfahrt nach einem ſeiner Heiligthümer. Wenn es ein langes Jahr in Mühe geduldet und alle ſolche Schickſale und Verſchuldungen ſich jahrdurch aufgehäuft haben, welche ſeine moraliſche Welt verwirren und ſein Gemüth belaſten, dann greift es für ein paar Feſttage nach dem Wanderſtab. Von ſeiner harten Scholle in den einſamen Bergen ſich lostren⸗ nend und von ſchwerer Arbeit ausruhend, bewegt es ſich ein⸗ mal wieder und fühlt ſich frei, in Gemeinſchaft ſeiner Dorf— und Standesgenoſſen, mit denen es ein gleicher Zweck vereinigt.
Und da wandern ſie von den Hügeln herab, wie die Kraniche ihre Lieder ſingend ziehn. Es zieht das Mittel⸗ alter vorüber. Ich gedachte jener Schaaren von Wallfah⸗ rern, welche zum Jubeljahr nach Rom pilgerten. Sie ziehen zu Schaaren von 10, 20, 50, ja 100 Perſonen und mehr. Jedes Alter erſcheint unter ihnen; der Greis wandert noch an demſelben Pilgerſtab, der ihn wohl ſchon fünfzig Mal dieſe Straße geführt hat, und vielleicht zieht er ſie heute zum letzten Mal; es wandert die Matrone mit ihren Enkeln; die blühend ſchöne Jungfrau, der rüſtige Jüngling, der Knabe; ſelbſt der Säugling wandert auf dem Kopf ſeiner Mutter. Denn ſo ſah ich in einem dieſer Züge ein junges Weib da⸗ herſchreiten, welches auf dem Kopfe einen Korb trug, worin ein lachendes Kind lag, die Augen munter aufgethan, wie als freute es ſich des ſchönen Sonnenſcheins. Es tragen wohl die meiſten dieſer Weiber einen Korb mit Mun vorrath oder ein Bündel mit Kleidern auf dem Kopf, was die Schön⸗ heit der Erſcheinung noch mehr erhöht. Wer nun gar von den Seelen den Schleier heben könnte, der würde die verdeckte Blutſchuld neben der Unſchuld gemeinſam pilgern und Laſter, Reue, Schmerz und Tugend im bunten Wechſel an ſich vorüberſchreiten ſehen.
Es iſt wie ein großer, ſchöner, doch ernſter und feier⸗ licher Maskenzug, was ſich auf der herrlichſten Scene der
Novellen⸗Zeitung.
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Natur vorüber bewegt; immer verſchiedene Coſtume und Farbenzuſammenſtellungen, auch verſchiedene Phyſiognomien. Die Vorſtellung fragt nach dem Vaterland dieſer abwech⸗ ſelnden Schaaren und malt ſich ihre heimiſchen Thäler und Berge nicht ohne Sehnſucht aus. Da kommen die von Fro⸗ ſignone, die Anagneſen, dort das Volk von Veroli, die Arpi⸗ naten, die von Anticoli, die von Ceprano, hier die Neapoli⸗ taner von Sora; ſo denken oder wiſſen wir. Seht die Schaar von Sora! Olivendunkle Geſichter vom ſchönſten Oval; die Frauen phantaſtiſch ausſehend, wie Weiber Ara⸗ biens; dicke Korallenſchnüre oder goldene Ketten ſchlingen ſich um den Hals, ſchwere goldene Ohrgehänge ſchmücken ſie; ein weißes oder braunes Kopftuch mit langen Franſen um⸗ wölbt als tief herabhängender Schleier madonnenhaft Haupt und Nacken; der Buſen ruht in einem weißen, in zahlloſe Falten zuſammengezogenen, doch weiten und loſen Hemde, das eine niedrige purpurrothe Büſte umſchließt. Kurz iſt das Kleid, die Farbe brennend roth oder blau und der Saum i*ſt gelb. Und dieſe großen und dunklen Augen unter ſchwar⸗ zen kühn geſchwungenen Brauen!
Die Pilger von Ceccano! Die Weiber in amarantfar⸗ bigen Miedern mit langen Schürzen gleicher Farbe; das weiße Kopftuch mit weit nach hinten überhangendem Ende; in Sandalen gehend. Die Männer im Spitzhut mit ama⸗ rantner Jacke; einen Gürtel um den Leib aus buntem Band geflochten.
Pilger von Pontecorvo! Die Weiber in purpurrothen ſchon verbrämten Kleidern; ein rother Kopfbund, prächtig und majeſtätiſch.
Die Pilger von Filettino: ſchwarzes Sammetmieder, einfachſte Gewandung; ſauber und ſchön.
Ciociaren! Die Männer und Weiber vom Sandalen⸗ land! Vielleicht aus einem Orte bei Ferentino oder weiter hinweg, von den neapolitaniſchen Grenzen des Liris und der Molfa. Es iſt ein Land ſchöner Bergwildniſſe, welches von Ferentino aufwärts ſich weit ins Neapolitaniſche erſtreckt. Dort trägt das Volk die Ciocio, eine ſehr einfache Fußbeklei⸗ dung, wovon auch das Land La Ciociaria genannt wird. Ein primitiveres Schuhwerk läßt ſich nicht denken, und viel⸗ leicht kann man ſagen, auch kein bequemeres. Wenigſtens habe ich die Ciociaren aufrichtig darum beneidet. Der Schuh wird einfach aus einem viereckigen Stück der Eſels⸗ oder Pferdehaut hergeſtellt. Man bohrt Löcher in dieſelbe, zieht einen Bindfaden durch und umſchnürt mit dieſem Pergament den Fuß ſo, daß die Sandale nach der Fußſpitze ſich formt und ſelber in eine gebogene Spitze ausläuft. Das Bein wird bis zum Knie herauf mit grober grauer Leinwand feſt umwickelt und mit vielfachen Binden von Stricken und Fäden umſchnürt.*) So bewegt ſich der Ciociare frei und bequem auf dem Feld über den Felſen, wo er das Land gräbt, oder als Hirt mit dem Dudelſack, in einen grauen kurzen Mantel oder in Felle gehüllt, die Schafe und Ziegen treibt. Man ſieht, jene Sandalen ſind claſſiſch, wenn dies Schuhwerk wohl hergerichtet und zumal die leinene Bein⸗ ſchiene noch neu iſt, aber ſchlecht und lumpen- oder bettelhaft, wenn ſich die Beinbekleidung verfaſert. Und da dies häufiger der Fall iſt, giebt es dem Sandalenvolk den ausgeprägten Charakter der zerlumpten Armuth, und ſein Name wird mit Mißachtung, zuweilen ſogar als Schimpfwort gebraucht.
*) Wir können dieſe Fußbekleidung nicht praktiſch nennen, indem die Sandalen, wenn ſie auch noch ſo oft erneut werden, erſtens die Fuß⸗ ſohle nicht genug ſchützen und zweitens dem Staub und Schmutz freien Zutritt gewähren.
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Räuber im ¹ faccis in ten Taſchen ausl nen kurzen bu oder auch rott Hauptſtůc der iſt das Midder Sattel, brelt l tern ruhend. ſchent als Bol feſter Panzet! ſtehend, daß e Am Wa Midigteit zu Inbrunſt un auf die Kniee Bündel noch ſie die Litan Grazie, Marie Kirchentreppe Stufe küſſen o der Anblick, d erinnert, wie Stufen des S Schreck Menſchen wi nem Tuch wu ein Wärwolf dieſe Krankhe Weib ſtunden nan ſagte mi Fortdau duch das S Elſſaſe um G gelle mit ſch Iabumſt, m erſchandem. Däül der Kirche we Menſcheng Helldunkel empfangen. an den Säu Bodens vor pen zuſamm, Wetſel der Giſchzige hauen wie] ſen u gli d Meſſen das Geld des Vor der


