Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
447
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Vierle

gezeichnetſtes Werk gilt, iſt auch noch dadurch merkwürdig, daß ein König an demſelben geholfen. Als Philipp IV., zu deſ⸗ ſen Hofmarſchall Velasquez ſchon ernannt war, das Bild ſah, erklärte er, es fehle doch noch etwas daran, tauchte einen Pinſel in Farbe und malte dem Eigenbildniß des Don Diego ſelbſt den Orden von St. Jago auf die Bruſt. e. Einen Knalleffect in des Worts verwegenſter Bedeutung erſtrebte und erzielte eine Monſtre⸗Muſikaufführung, welche die Stadt New⸗Orleans zu Ehren des neuen Gouverneurs von Louiſiana veranſtaltete. Auf dem großen Lafayette⸗ Platze war ein Amphitheater errichtet, auf welchem 10,000 Schulkinder ſaßen. Davor eine Plattform mit 500 Muſi⸗ kern und 40 Amboſen beſetzt(für die Aufführung des Zigeu nerchors aus demTrovatore). Hinter dem Amphitheater 50 Kanonen, durch elektriſche Drähte ſo mit dem Pulte des Dirigenten verbunden, daß dieſer ſie durch einen Fingerdruck löſen konnte. Um den Platz waren noch 2 Regimenter In⸗ fanterie, mit Platzpatronen verſehen, aufgeſtellt, um am Fi nale Theil zu nehmen. In den NationalgeſängenHaie Columbia undThe star-spangled banner wirkten end⸗ lich noch ſämmtliche Glocken der Stadt mit. Die Wirkung wird in amerikaniſchen Blättern als eineungeheuere be⸗ zeichnet! e.

1 70,000

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Vom deutſchen Büchermarkt.

Noch ein Jahr in Schleſien. Anhang zu den Vierzig Jahren von Karl von Holtei. Breslau, bei Trewendt.

Zunächſt engeren Freundeskreiſen zur Erinnerung und Aufmertſamkeit gewidmet, werden dieſe beiden Bändchen auch den vielen Leſern, die ſich um Holtei's Selbſtbiographie be⸗ kümmert haben, eine angenehme Specialität ſein. Der Au⸗ tor fühlte ſich in den Tagen ſeines vorgerückten Alters be⸗ kannter und ſehr erklärlicher Maßen noch einmal angetrie⸗ delch den. ben von der nieſchlummernden Heimathsſehnſucht, und ſo fen ſie ſch 4 gtrieb ihn dieſe, durch die Aufforderungen der Freunde unter⸗ 1 li hh ſtützt, zu einer Kunſtreiſe nach dem geliebten Schleſien,

und er verließ ſeine Ruhe⸗ und Arbeitsſtätte Graz auf ein Jahr lang, um in der vaterländiſchen Provinz denen, die ihn hören mochten und verehrten, ſeine Lieder in ſchleſiſcher Mundart und andere ſeiner Productionen, z. B. einzelne Stel⸗ len aus ſeinen Romanen, öffentlich vorzuleſen. Und es woll⸗ ten ihn Mehre hören, als er gehofft hatte, und ſeine Lands⸗ da leute empfingen ihn mit offenen Armen und jener treuen beftiedigt. Anhänglichkeit, die nur ſolchen Schriftſtellern als erquicken⸗ opfert wur⸗ der Lohn zu Theil werden kann, deren Muſe wirklich ein Stück von der Seele des Volks, vom Naturdämon des Lan⸗

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der Gefan⸗ des war. wurde ihm Ueber dieſe Fahrten und geſelligen Abendakademien überbringen hat der alte Dichter, Lector und Meiſterſänger ein Tagebuch

6. geführt, das es nicht verbergen kann und will mit der Ab⸗ ſicht nach Veröffentlichung geſchrieben zu ſein. Es iſt voll von Plaudereien, bedeutungsvollen und unbedeutenden Ein⸗ zelheiten, ſeine Blätter ſind der Freude und dem Schmerz, der ſorglichen Reflexion und der blinden Keckheit, der poeti⸗ ſchen Erhebung und der Wehmuth des durch ſchöne Erinne⸗ rungen ſo oft hervorgerufenen rein menſchlichen Katzenjam⸗ ſers gewidmet, und in ſofern giebt dieſes Tagebuch, was der Verfaſſer wünſcht: ihn ſelbſt mit all ſeinen Schwächen, dr⸗ Fehlern und guten Seiten. Keiner wird umhin können, zu

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3

Folge. 447 beiderlei Eigenſchaften auch die Redſeligkeit vorgerückter Jahre zu rechnen. Wie verzeihlich, wenn auch bei kleinen Anläſſen die Zunge ſpäter beweglicher wird, ſie wird nur zu bald ſtillder Reſt iſt Schweigen.

Möge Holtei noch lange vor dieſem bittern Reſt be⸗ wahrt bleiben. O. B.

Wallenſtein. Von Ferdinand Schmidt, Ber⸗ lin, bei Max Böttcher. 1864.

Den ſchon vorangegangenen und von uns beſprochenen Geſchichtsbildern aus dem deutſchen Vaterlande reiht ſich auch dieſes an. Der Verfaſſer wollte imWinterkönig, inWallenſtein, inGuſtav Adolph undder weſtphä⸗ liſche Friede(letztere beiden noch nicht erſchienen) der Ju gend eine lebendige Anſchauung von Zeit und Weſen des dreißigjährigen Krieges geben, und er verfolgt den Plan, kleine novelliſtiſche Compoſitionen zu erfinden, die Gelegen⸗ heit zur Schilderung der charakteriſtiſchen Zuſtände bieten, Daſſelbe zeigt ſich in dieſer Erzählung, die ſich eigentlich weniger mit Wallenſtein's Macht als mit ſeiner Ohnmacht, nämlich mit der Belagerung Stralſunds, beſchäftigt.

Der Verfaſſer hat ſich an die beſten Quellen gehalten. und ſeine Schreibart iſt für die unbeleſenſten Naturen po pulär..

Die deutſchen Volksbücher. Geſammelt und in ihrer urſprünglichen Echtheit wiederhergeſtellt von Karl Simrock. Frankfurt a. M., bei Brönner 1864.

Der reiche Schatz von Volkspoeſie und Humor, der immer in der deutſchen Nation lag und ſich namentlich in der Zeit des Mittelalters durch die mannigfachſten Schriftwerke in Vers und Proſa manifeſtirte, wurde in ſpäteren Tagen durch zahlreiche oft ſehr gewaltſame Bearbeitungen zwar wie⸗ der aufgefriſcht, aber auch weid lich verſchleppt und ſeine Originalität verwiſcht. Nur noch den Gelehrten bleiben auf größeren Bibliotheken die eigentlichen Quellen zugäng⸗ lich, während für den in Deutſchland wahrlich nicht kleinen Theil des ſpecieller gebildeten Publicums ein friſcher Trunk aus denſelben ſehr erſchwert war. Dieſem Uebelſtande nach Möglichkeit abgeholfen zu haben gehört zu Karl Simrock's Verdienſten.

Hier liegt uns der zehnte Band dieſes großen und auch für die Verlagshandlung höchſt ehrenwerthen Unternehmens vor. Er enthält: die ſieben Schwaben; das deutſche Räth⸗ ſelbuch in dritter Sammlung; Oberon oder Hug von Bor⸗ deaux; Till Eulenſpiegel, und die Hiſtorie von der geduldigen Helena.

Der vorläufig angekündigte Inhalt beweiſt, daß auch der 11. Band höchſt intereſſante Dichtungen bringen wird; wir können aber nicht unterlaſſen, hier auch noch beſonders auf den 12. Band hinzuweiſen, da er eine Einleitung und Abhandlungen und Erläuterungen zu den einzelnen Volks⸗ büchern verſpricht. Wir werden ſeiner Zeit auf dieſen Schlüſſel zum Ganzen ſpecieller eingehn. O. B.

Album. Bibliothek deutſcher Originalromane. Wien, bei Herm. Markgraf 1864.

Dieſes belletriſtiſche Unternehmen, deſſen 29. Jahrgang jetzt begonnen, erſcheint bekanntlich jährlich in 24 Bändchen, von denen monatlich zwei herauskommen. Der Abonne⸗ mentpreis iſt ſehr gering. Bis jetzt liegen von dieſem neu⸗ ſten Jahrgang 13 Bändchen vor.

Dem modernen Salonleben gehören darin beſonders