Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
434
Einzelbild herunterladen

am heiligen Weihnachtsabende, geboren werden, wo es auf dem Felde nur wenig Arbeit giebt und ſie ſich auf das Haus beſchränkt.

Das war nun freilich jetzt ſchon wieder lange her, und die kleine Agnes, welche neben den Eltern auf einem breiten Sitzſteine Platz genommen hatte, ein Näpfchen im Schooße und mit großem Eifer die ſüße Milch mit Schwarzbrodflocken löffelnd, ſtand bereits in ihrem zehnten Sommer und war ein kluges, lebhaftes und hübſches Mädchen geworden, an wel chem die beiden glücklichen Landleute ihre einzige Freude und Luſt hatten.

Agnes war ein talentvolles Kind, und der Leh⸗ rer hatte ſeine wahre Freude an ihr. Man weiß, wie wenig die Landleute auf den Schuluntericht zu geben pflegen: in den niederen Volksclaſſen herrſcht lei⸗ der ja noch immer das Vorurtheil von der Nutzloſig keit jener brodloſen Künſte, welche die Schule lehrt, als Ueberzeugung und ſelten nur findet man, daß die einfachen Leute ihre eigenen Hausarbeiten der Schulpflicht hintanſetzen.

Das war im Dorfe Z. um kein Haar beſſer; allein gerade in dem kleinen Gehöfte, mit welchem wir uns beſchäftigen, dachte man nicht ſo. Agnes's Vater hatte früher mehrere Jahre in der Stadt ge⸗ dient und hatte Kenntniſſe und Wiſſen gewiſſermaßen ſchätzen gelernt. Er hielt jetzt darauf, daß die kleine Agnes pünktlich die Schule beſuchte, und freute ſich über die Fortſchritte, welche ſie machte. Der Lehrer wandte dem aufmerkſamen und talentvollen Kinde beſondere Sorgfalt zu und erfreute ſich daran, in dem wilden Garten ſeiner Dorfjugend doch eine er⸗ freuliche Blüthe hegen zu dürfen.

Hans und Liſe Lindau, die beiden fleißigen Land⸗

zleute, hatten ſoeben ihr einfaches Abendbrod verzehrt. Sie ſaßen unter der ſchattigen Linde vor dem Hauſe,

und vor ihnen auf dem Tiſche ſtand der geleerte Milchnapf mit den weißgeſcheuerten Blechlöffeln, aus dem ſie zuſammen gegeſſen hatten.

Nun ſaßen ſie neben einander, und Hans ließ ſeine kräftige Hand auf dem gebräunten Arme Liſens ruhen. Sie ſprachen eifrig von Dieſem und Jenem, und ihr Kind, welches noch immer mit ſeiner Milch beſchäftigt war, die gegenwärtige Ernte und ihre Hoffnungen, ihr Vieh und Gehöft waren die Haupt⸗ ſachen, um welche Gedanken und Wünſche ſich dreheten.

Da tönte plötzlich ein tiefesguten Abend an ihr Ohr, und die erſchreckten Aufblickenden gewahrten eine eisgraue Zigeunerin an ihrer Seite. Sie war ſoeben durch den nahen Eingang des Dorfes getre⸗ ten. Ein buntes Tuch umwand ihr ſtruppiges, graues

Novellen⸗

Haar; ein glattes, härenes Gewand umſchloß die

Zeitung.

hohe Geſtalt, über welches noch ein ehemals farben⸗ reiches, jetzt aber verblaßtes und vielfach durchlöcher⸗

tes Tuch phantaſtiſch drapirt war.

Liſe ſah die ſeltſame Geſtalt zuerſt und konnte einen leiſen Schreckensruf nicht unterdrücken. Die kohlſchwarzen Augen der Alten funkelten ſie an wie glühende Kohlen, und die ſpitze Naſe, das ganze braune und knöcherne Geſicht machten einen unheim⸗ lichen Eindruck. Sie hätte am liebſten der erſten Erregung nachgegeben und wäre in das Haus geflo⸗ gen, allein ihr Mann, welcher die Urſache des Schre⸗ ckens jetzt ebenfalls bemerkt hatte, hielt ſie zurück.

Was wollt Ihr und wo kommt Ihr her? frug er unwirſch die Zigeunerin, welche noch immer ſchweigend auf derſelben Stelle ſtand, von wo ſie den Landleuten ihren guten Abend geboten hatte.

Woher ich komme? was ich will? wie⸗ derholte ſie mit bitterm Lachen;da muß ich Euch wieder die ganze Geſchichte des Leidens und der Qual erzählen, die ich nun ſchon durch ganz Deutſchland verkündet habe, ohne etwas Anderes damit zu ver⸗ dienen, als hier und da ein Stück trockenes Brod⸗ gerade groß genug, um das elendeſte Daſein zu fri⸗ ſten. In einer Stadt nur hat man ſich barmherziger gezeigt. Da griff mich der Büttel auf und führte mich vor die hochweiſen Herren, und dieſe nannten mich eine Landſtreicherin, weil die Elendeſte ihres

Stammes auf keinem Fußbreit Landes Heimathsrecht

hat; und während ſie dann überlegten, was da zu thun ſei, ſteckten ſie mich in einen Thurm, in welchem Ratten und Mäuſe mir Geſellſchaft leiſteten. Aber ſie fütterten mich doch, während ſie überlegten ich war ſo elend hingekommen und als ſie mich nach⸗ her durch einen Gensdarmen über die Grenze ihres kleinen Staates ſchaffen ließen, fühlte ich mich geſun⸗ der und kräftiger als lange Zeit vorher. Jetzt iſt es freilich wieder anders. Tagelange Wanderungen und die Sonnengluth zehren das Mark aus den alten Gliedern. Ich muß ja immer wandern, obgleich ich kein Ziel der Irrfahrt kenne; nur die Durchwande⸗ rung geſtattet man der Elenden, welche keine Hei⸗ math hat, und ſo wird mich wohl das Geſetz aus ei⸗ nem Ländchen in das andere treiben, bis ich endlich irgendwo ein Heimathsrecht erlange. Der Tod wird es mir verſchaffen. So lange ich lebe, muß ich un geduldet wandern und darf nirgends länger raſten als höchſtens eine Nacht. Wenn ich todt bin, werde ich reicher ſein; denn Euer Chriſtenthum wird mir ein Stück Erde als Heimath gönnen, in welcher ich ruhen darf. Woher ich komme? In Aegypten, an den Ufern des Nils, tief im Lande drinnen, iſt meine Heimath. Da waren meine Väter einſt Herr⸗ *

Mand ſchle wiederkehli weil das ſcyavflich deeſe Buu den Augel ſie für ſe Mutter ko ſtart lieber in unſerer mehr im I heimath u de Schau und Tod mann, al Weib. T. ſehers, bi während e des Meere Verſtecken wandert u Wogenma Schiffer i ſie waren die Anker ich ſie m men der Zige Land, un die Zuku gen Geſch goße G hat, und nen Aug forſcht mathloſ und ſo Dorf g

A und ver immer Milch u Nrin im

Si nerin li