Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
432
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Novellen

Kühne Griffe.

Die wahre Geſangskunſt keuſcher, edler, maßvoller, reizender Geſang, der der menſchlichen Stimme nur zum Segen gereichen kann, hat die Aufgabe, eine harmoniſche Befriedigung des Geiſtes zu gewähren und das Gefühl für's Schöne zu bilden und ſo in ſchöner Erinnerung fortzu⸗ klingen; die erlogene, durch rohe Exceſſe und gewalt⸗ ſame Aeußerlichkeiten, auf Unkoſten und in Mißachtung der Stimme und der Geſundheitzu erregen zu erſchre⸗ cken zu verblüffen und ſo nur für den Augen⸗ blick zu wirken. Die Fortſchrittsoper hat oft zu der letzten gegriffen. Nun! die neueſte Zeit hat auch auf an⸗ dern Gebieten ſo kühne Griffe gethan.

Die 3 Regiſter vieler ſogenannten geiſtreichen Zukunftsſängerinnen von unten nachoben.

Bullenbeißer Ziege Katze

Das iſt dieſes Sanges Schönheitsfratze.

Und damit bellen, meckern und miauen,

Sowie declamiren mit erlogenem Gefühl,

Hier habt Ihr dieſer Oper Zukunftsſtyl.

Dieſer Bauernſpruch zwar grob doch wahr.

Hört! hört! die Erfahrung macht's Euch klar. Moderne weibliche Geſangskräfte für Geſangs⸗ conſervatorien.

Ich armer Stimmenſpion! Welche Stimmen finde

ich denn? Entweder Talente, die faul ſind und nichts

lernen wollen oder Talentloſe, die ſtrebſam und fleißig ſind; oder ſolche, die Stimmen haben und kein Gehör oder deren, die Gehör haben und keine Stimme; oder ſolche, die ſich ſchämen Etwas zu können oder aber, die dreiſt genug ſind und nichts können; oder ſolche, die den wah ren Beruf haben könnten, wenn ſie nicht zu alt und zu ver⸗ dorben wären; oder endlich deren, welche zum Schrecken des armen Meiſters und ſeiner zweifelhaften Kunſt mitten im beſten Studium plötzlich durch Amors ſpitzen Pfeil tödt⸗

Zeitung.

lich verwundet werden. Auch will ich Wenige nicht ver⸗ geſſen, welche bezahlen könnten und nicht wollen aber Viele, welche bezahlen möchten und nicht können. Nun! und bleichſüchtig oder undankbar oder beides zuſam⸗ men ſind ſieAlle. Und wo einmal ziemlich Alles in Ordnung iſt vielleicht ſelbſt ein hübſches Geſicht dazu halt! da tritt der Todtſchlag ein: die hämiſche Kritik ſchlägt oder ſchweigt es todt! Das iſt mein berühm⸗ tes Conſervatorium!

Daserſte vollſtändige Werküberdendeutſch⸗ däniſchen Krieg im Jahr 1864 erſcheint in dieſen Tagen bei R. Herroſé in Wittenberg. Daſſelbe iſt von ei⸗ nem preußiſchen Officier als Augenzeugen verfaßt und ſtellt in prägnanter Kürze und Klarheit, nach den laufenden Datis geordnet, den Gang der Ereigniſſe dar, auf dieſe Weiſe einen vortrefflichen Ueberblick über die Thätigkeit der verſchiedenen Truppen gewährend. Dem Buche ſind zwei Karten von höchſtem Intereſſe beigefügt: eine Karte von Dänemark, worin mit verſchiedenen Farben die Marſchlinien der Armee⸗ corps mit Angabe der Data bezeichnet ſind, und eine an Ort und Stelle aufgenommene Karte der ganzen Düppeler Stel⸗ (lung, der dieſſeitigen Belagerungs⸗Arbeiten, Batterieen und Armirung der Batterien, die namentlich für alle Militärs von großer Wichtigkeit iſt. Die Linien, welche die verſchie⸗ denen Bewegungen der Sturmcolonne am 18. April ange⸗ ben, ſind der Ueberſicht wegen roth gezeichnet.

Das Werk, welches nur bis 10 Ngr. koſten wird, wird nicht verfehlen, ſich eine allgemeine Anerkennung im

Publicum zu erwerben. Inhalt. Ein Emancipirter. Novelle von Ewald Auguſt König. *(Schluß.) Spaniſche Küſtenbilder. Von E. Heuſinger. Gedicht von Friedrich Bodenſtedt. Steppenbrand. Feuilleton. Ein tropiſcher Schmuck für Damentoilette. Scharfſinn des Wolfes. Die Maſulah⸗Boote. Der Dolmetſcher der japaneſiſchen Geſandtſchaft. Miscellen. Vom deutſchen Büchermarkt.

Abonnements⸗Einladung.

Mit dem 1. Juli 1864 eröffnen wir ein neues Abonnement auf unſere täglich in gr. Folio erſcheinende Zeitung:

Der Adler. Zeitung für Deutſchland.

Der Abonnementpreis iſt für Leipzig und Sachſen pro Quartal 1 Thlr., für Preußen 1 Thlr. 17 ½ Sgr., für Bayern 2 Fl. 12 Kr., für Oeſterreich 2 Fl. 66 Kr.

Alle Poſtanſtalten nehmen Beſtellungen an. Inſerate wer⸗ den zu 1 Ngr. für die dreiſpaltige Petitzeile angenommen.

Die ſteigende Zunahme unſeres Leſerkreiſes glauben wir als einen Beweis anſehen zu dürfen, daß unſer ernſtes Beſtreben, alle politiſchen und mercantilen Tagesneuigkeiten möglichſt ſchnell, vollſtändig und überſichtlich zu geben(wozu uns directe Verbin⸗ dungen mit den Hauptplätzen Europa's in den Stand ſetzen) nicht ohne Zuſtimmung geblieben iſt.

Wichtigere Vorkommniſſe beſprechen wir in Leitartikelnfrei⸗ ſinnigen unddeutſchen Standpunktes. Der unterhaltende Theil bringt zahlreiche Originalaufſätze, ſowie eine Rundſchau über Kunſt, Literatur und Geſellſchaftsleben.

Alle Freunde der Entwickelung des großen deutſchen Vater⸗

landes ladet zum Abonnement ein Leipzig, im Juni 1864.

Die Expeditinn, Otto Voigt,

Petersſtraße 13.

Im Verlage von W. Erbe in Hoyerswerda iſt er⸗

ſchienen und in allen Buchhandlungen vorräthig:

1 Tannhäuſer oder Die Keilerei auk der Wartburg.

V Große ſittlich-germaniſche Oper mit Geſang und Muſik in V 4 Acten. Preis 5 Sgr.

K= Beatel, Bie Braut von Mlezzina.

Hiſtoriſch-romantiſcher Trauerſalat in zwei Aufzügen von Dreien. Preis 3 Sgr.

K☛ᷣ☛ Kieſelherz

Prinzeſſin von Nirgendswo. Ein tragikomiſches Märchen, frech bearbeitet nach Gozzi und Schiller's Turandot, in einem Acte von Dreien. Preis 3 Sgr.

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Medigirt unter Verantwortlichkeit von Ouo Sriedrich Dürr in Leipzig. Verlag

der Dürrſchen Buchhandlung in Leipzig. Druck von A. Edelmann in Leipzig.

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