Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
418
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418 Novellen⸗

machen mußte, konnten dieſe Furcht nur rechtfertigen. Sie fürchtete ſich auch vor der Pracht, welche ſpäter ſie umgeben ſollte; das ſchlichte, einfache Mädchen, an eine beſcheidene, gemüthliche Häuslichkeit gewöhnt, konnte ſich in den Prunkgemächern nicht heimiſch fühlen.

Es iſt nicht Alles ſo ſchlimm, wie es den An ſchein hat, tröſtete die Mutter, als Clara ihre Be fürchtungen äußerte,es kommt nur darauf an, welcher Geiſt die Räume durchweht, die uns zur Heimath angewieſen ſind.

Am Tage nach der Verlobung ſtanden die Damen im Begriff, ihre Toilette zu ordnen, um, wenn der Wagen Kuno's vorfuhr, zur Abfahrt gerüſtet zu ſein, als leiſe angepocht wurde. Ein fremder Herr trat ins Zimmer.

Entſchuldigen Sie, wenn ich ſtöre, nahm er das Wort,rh ſuche meinen Freund Forſt und ver⸗ muthe, ihn hier, bei ſeiner liebenswürdigen Braut zu finden.

Die elegante Kleidung des jungen Herrn verrieth, er zu den höheren Ständen zählte.

Clara ſah überraſcht die Mutter an, es befrem⸗ dete ſie, daß die Freunde ihres Verlobten bereits die Wohnung der Braut Kuno's kannten, nachdem kaum vierundzwanzig Stunden nach der Verlobung verſtri⸗ chen waren.

Ich bedaure, ſagte Frau Gärtner, welche dieſes Befremden nicht theilte,wir erwarten meinen künf⸗ tigen Schwiegerſohn, wenn Sie ſich einen Augenblick gedulden wollen.

Mit Vergnügen! erwiderte der Fremde, indem er ſich auf einen Stuhl niederließ.

Die Höflichkeit erforderte, daß eine der beiden Damen in der Stube blieb, Clara nahm am Fenſter Platz, während die Mutter in's Schlafzimt

daß

Ich befürchte, Kuno wird mir zu lange bleiben, hob der junge Herr nach einer Weile an,meine Zeit iſt gemeſſen und

Wenn Sie eine Beſtellung an ihn haben und ich dieſelbe übernehmen kann, bitte ich, über mich zu verfügen, entgegnete Clara zuvorkommend.

Der junge Herr nahm ein Briefchen aus ſeinem Portefeuille und überreichte es dem Mädchen.Wenn

Sie die Güte haben wollen, ihm dieſes Billet zu

überreichen,

pflichtet. Clara warf einen Blick auf die Adreſſe.

zierliche Handſchrift und

bin ich Ihnen zu großem Dank ver⸗

fragte ſie ſcherzend.

Der Fremde zuckte die Achſeln, der düſtere Ernſt

Die feine, b das gepreßte, parfümirte denken, Couvert erregten ihre Neugierde.Ein billet-doux?

Zeitung.

in ſeinen Zügen erſchreckte das Mädchen. das Briefchen um, es war nicht geſiegelt.

Sie erlauben wohl, daß ich mich entferne? fragte der junge Herr.

Einen Augenblick, wenn ich bitten darf, erwi⸗ derte Clara raſch, einer Ahnung nachgebend, deren Urſache ſie ſich nicht zu erklären wußte.

Sie werden doch nicht das Siegel erbrechen wollen? ſagte der junge Mann beſtürzt.

Sie ſehen ja, daß das Couvert offen iſt. wird mir nicht zürnen,

Sie wandte

Kuno wenn ich einen Blick in das

Billet werfe, welches meine Neugierde ſo lebhaft erregt.

Das Mädchen bemerkte nicht, daß über die Züge des Fremden ein Lächeln triumphirenden Hohnes

glitt, ſie entfaltete haſtig das Billet und las: Nachdem Du mir den Schwur der Treue ge⸗ brochen und durch Deine Verlobung meinem Glück den Todesſtoß gegeben haſt, kann ich Dich nur noch um Eins bitfne um Rückgabe meiner Briefe. Ich verzeihe Dir, daß Du mir den Glauben an die Liebe und Treue geraubt haſt; mit der, welche Du mir vorzogſt, mögeſt Du das finden, was D erwarte mit

u bei mir vergeblich ſuchteſt! Ich Zuverſicht, daß Du meine Bitte erfüllſt, und ſage Dir, mein noch immer heißgeliebter Kuno, Lebewohl. Marie.

Clara war ein vernünftiges Mädchen, die Lei⸗ denſchaft erhielt nicht ſobald Gewalt über ſie. Schon der Umſtand, daß das Couvert nicht geſiegelt war, hatte ihren Argwohn Erregi⸗ der Inhalt dieſes Billets ſtärkte dieſen Argwohn. Zeshalb brachte der Ritter dieſer Dame das A let nicht in die Wohnung ſeines Freundes? Zu welchem Zweck übergab man es ihr? Augenſcheinlich zu 6 andern, als um ihr Ge⸗ legenheit zu geben, daſſelbe zu leſen. Nun konnte allerdings die Schreiberin dieſer Zeilen gerechten An⸗ ſpruch an die Liebe Kuno's beſitzen und dieſen Weg gewählt haben, um ſich an dem treuloſen Geliebten Zzu rächen. ſchaffen. Ihr Vertrauen auf Kuno's war ſo feſt gegründet, nicht erſchüttern konnten.

Wer hat Ihnen dieſen Brief gegeben? fragte ſie.Sie kennen jedenfalls den Inhalt deſſelben und werden begreifen, daß

Erlauben Sie, mein Fräulein, daß dies mein Geheimniß bleibt. Wenn Sie ruhig darüber nach⸗ werden Sie einſehen, daß es mir peinlich ſein muß, meinen Freund bei ſeiner Braut anzuklagen.

Redensarten! entgegnete Clara kalt.Wes⸗ halb kamen Sie hierher? Weshalb übergaben Sie

den edlen Charakter daß dieſe Zeilen es

mögeſt Du glücklich werden bei ihr

Darüber wollte Clara ſich Gewißheit ver⸗

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