Novellen⸗
achtet. Wie die Leſer wiſſen, hat ihr Gemahl ſie nicht lange
poniſten bereits in dieſem Sinne ſkizzirt, als man an die Be⸗ ſetzung dachte. In Frankreich gehen die Autoren theatrali⸗ überlebt, indem er mit noch anderen Prinzen des königlichen ſcher Stücke nicht ſo idealiſch zu Werke, wie wir Deutſchen, V Hauſes bald darauf vom epidemiſchen gelben Fieber hinweg⸗ die wir zuerſt in der Studirſtube eine Oper„an und für gerafft wurde.
ſich“ ſchreiben und dann zuſehen, wie dieſelbe mit der Wirk⸗ Mit viel Verehrung und derjenigen kindlich emporbli⸗ lichkeit ſich abſinden werde. An der großen Oper in Paris ckenden Stimmung, wie ſie beſonders den Deutſchen ſeinen hatte man nach dem Abgang der Madame Branchu keine Fürſten gegenüber kennzeichnet, hat Katharina Diez die dramatiſche Sängerin erſten Ranges, welche eine Fenella mit Nachrichten zu ergänzen und zuſammenzuſtellen verſucht, Erfolg durchführen und der gefeierten Coloraturſängerin welche die Tagesgeſchichte der Zeitungen über die unglückliche Damorenu⸗Conti, der Darſtellerin der Elvira, würdig zur junge Fürſtin brachte. Das Bändchen bildet eine kleine Auf⸗ Seite ſtehen konnte. Hingegen beſaß die Oper damals eine friſchung der Erinnerung dar. O. B. Tänzerin, Demoiſſelle Noblet, deren geiſtvoll charakteriſi⸗
rende Mimik gerade in rein dramatiſchen Aufgaben ſich am bewundernswürdigſten entfaltete.
der Noblet anzuvertrauen.
ja dem Componiſten wurde dieſe ſeltſame äußere Nöthigung
geradezu eine Quelle der ſchönſten künſtleriſchen Motive. — e.
Kleine Kritiken.
Aus der Kindheit eines berühmten Mannes.
Von Katharina Diez. Stuttgart, Gebrüder Scheitlin.
Es iſt dies nicht das erſte Büchelchen, welches die in dieſem Genre induſtriöſe Verfaſſerin für die Jugend und „für das Volk“ geſchrieben hat.
Die vorliegende kleine mit einem Titelkupfer verſehene Edition behandelt die erſten Knabenjahre des gefeierten
Philoſophen und Patrioten Fichte, der bekanntlich der Sohn einer armen Bandweberfamilie zu Rammenau in der Ober⸗ lauſitz war und durch die freundliche Verwendung eines
edeldenkenden Protectors ſeiner welthiſtoriſchen Beſtimmung
näher geführt wurde.
Die Leiſtungen dieſes ſpeciell mimiſchen Talents brachten Scribe und Auber auf die Idee, Maſaniello's Schweſter ſtumm zu machen und ſie Der Vorſatz gelang vortrefflich,
V Gedichte. Von Adolf Ritter von Tſchabuſch⸗ nigg. Leipzig, Brockhaus. 1864.
Dieſer Lyriker gehört nicht zu denen, welche uns durch eine beſondere Tiefe der Empfindung, Kraft der Leidenſchaft oder gar Stärke der Gedanken erfreuen. Seine Muſe hat ei⸗ nen leicht bewegten, Allen zugänglichen Ton und greift nach ſol⸗ ſchen Stoffen, die durch das praktiſche Menſchenleben nahe gerückt
ſind. Die gefällige, weder ganz volksthümliche noch voll⸗ kommen moderne, wenn auch etwas heiniſirende Ballade und Romanze mit mehr Sentimenz und geſchickter Phraſe, als Klarheit der Compoſition oder Werth des innern Gehalts nimmt daneben, mit dem Liebeslied abwechſelnd, einen ausge⸗ dehnten Raum ein. Immerhin aber herrſcht in dieſen Gedichten eine freund⸗ liche friſche und unbefangene Stimmung, die ſich ſehr vor⸗ theilhaft von der gewöhnlichen Kläglichkeit des lyriſchen Ge⸗ winſels unterſcheidet. Ohne das Nachdenken irgend in An— ſpruch zu nehmen, wird die Phantaſie durch Vorführung mannigfacher Farben und Geſtalten beſchäftigt. Anſpruchs⸗ los und luftig ziehen ſolche kleine Liederklänge hin, und wer nichts ausdrücklich darin ſucht, wird um ſo eher etwas An⸗ genehmes finden. Folgendes Lied mag einen Begriff von dieſem Genre liefern; es heißt:„Roſentod“:—
Die Verfaſſerin that Recht, nur die erſte Jugendzeit zu
ſchildern und vor der zweiten Periode derſelben ſchon abzu⸗ brechen, denn wenn es ihr auch zur Zeit noch an der rechten Weiſe und überraſchenden Naivetät fehlt, die Kindheit darzu⸗
ſtellen, ſo würde ihre literariſche Kraft doch ſpäter ſich noch unzulänglicher gezeigt haben, denn bei der pſychologiſchen Entwickelung des Jünglingsalters kommt man nicht damit durch, die Effecte mit harmlos ſpielenden Händen in's Nette und Niedliche zu ziehn. Kinder, die gut und artig ſind, und Erwachſene, die es werden wollen, haben die nützliche Be⸗ quemlichkeit, ſich an der Erzählung dieſes Büchelchens ein Beiſpiel nehmen zu können. O. B.
Stephanie, Königin von Portugal. Von Katha⸗
rina Diez. Stuttgart, bei Gebrüder Scheitlin. 1864.
Es zitterte über die Haide Ein goldener Sommertag, Im funkelnden Lenzgeſchmeide Standen zwei Roſen im Hag.
Der Wind der wiegte wie trunken Die Roſen in holdem Scherz,
Sie wären ſo gerne geſunken Einander an das Herz.
Sie bogen oft ſich nieder
Zu duftendem Liebesgruß, Doch immer entzog er wieder Der Einen der Andern Kuß.
Dieſelbe Verfaſſerin hat hier ein Lebensbild der deut⸗
ſchen Fürſtentochter Stephanie von Hohenzollern⸗Sigmarin⸗
gen zu geben verſucht, jener liebenswürdigen jungen Dame, die, kaum ein Jahr lang mit dem ebenfalls ſehr jugendlichen
König Dom Pedro von Portugal vermählt, an einer Hals⸗
Da brach ſie ein Knabe, der ſüßen Geliebten zu Schmuck und Luſt, Da konnten die Roſen ſich küſſen Im Sterhen an ihrer Bruſt.
entzündung erkrankte und am 17. Juli 1859 zu Liſſabon
ſtarb. Sie hatte nach der Herrſchaftsniederlegung ihres Vaters die meiſte Zeit ihrer Jugend in Düſſeldorf zugebracht und war in der That in der ganzen Stadt wegen ihres treff⸗ lichen Charakters von echt weiblicher Milde beliebt und ge⸗
Neben dieſem Genre iſt ein anderer lyriſcher von etwas realiſtiſch ausgeführterer Natur, doch beide ſpielen in gleichem Maße in die Romantik hinein. Die Sprache iſt mehr flüchtig gefällig als correct und feſſelnd. O. B.
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Oito Friedrich Dürr in Leipzig.— Verlag
der Dürrſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig.


