Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
390
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Hunzen Kraft meiner Seele. Wir waren glücklich, eundlich glücklich. Ich beſchäftigte mich mit der nzucht und Gärtnerei, mein Vermögen hatte ich nem Hamburger Exportgeſchäft, deſſen Chef mit an erwandt war, angelegt. Es trug reiche Zinſen, venn ich auch dann und wann einmal an die chkeit eines Falliments dachte und mein Capital taatspapieren anzulegen beſchloß, die enormen und der gute Ruf der Firma bewogen mich r wieder, dieſen Entſchluß fallen zu laſſen. Meine n ſchenkte mir ein Töchterchen, und wenn etwas uſerm Glück gefehlt hatte, ſo war es jetzt voll⸗ en, Aber der Menſch ſoll nicht ſtolz werden auf Hlück, es iſt ihm beſſer, wenn er demüthig und iden die Gaben Fortuna's annimmt und der ichkeit einer Wandlung ſeines Glücks ſtets ein⸗

k bleibt..

Nein Kind zählte zwei Jahre, als ich eines die Nachricht erhielt, daß das Hamburger Haus habe. Das war der erſte Schlag, der aus in Himmel ploͤtzlich mich traf. Hätte ich den nicht ſinken laſſen, hätte ich dem Schickſal kühn ztirne geboten und ruhig die Beſtätigung der icht abgewartet, es wäre Alles anders gekommen. Koch an demſelben Tage reiſte ich nach Hamburg Die Nachricht beſtätigte ſich, durch das Falliment amerikaniſchen Hauſes ſah das Hamburger Ge⸗ ſich genöthigt, zu accordiren. Der Accord kam zu Sundeg Falliment brach aus. Ich reiſte Hauſe zurück. Eine unbeſchreibliche, mir ſelbſt arliche,Sehnſucht nach den Meinigen trieb mich ich dachte an Nichts mehr, weder an das Falli⸗ noch an die Schritte, die ich zur Begründung r Exciunz jetzt thun mußte, mein ganzes Sein

ton weilte bei meinen Lieben. Mir war,

he, weit

r als das, weiches mre, en hatte.

In der Reſidenz, von der unſer Dorf taum en Stunde entfernt lag, angekommen, miethete ich Wagen. Es war ſchon ſpät, ich mußte den kutſcher wecken und warten, bis der ſchlaftrunkene zt angeſpannt hatte. Ich wollte eben einſteigen, in Menſch mit dem Rufe: Es brennt in Baum⸗ 1» vorbei eilte. Fünf Thaler Trinkgeld, wenn ich in zehn Mi⸗ ß dort bin!» rief ich dem Kutſcher zu. Ich war eugt, daß mein Haus brannte, eine innere Stimme es mir, eine Ahnung, die ich nicht bewältigen konnte.

Novellen⸗

Kutſcher peitſchte auf die Pferde los, ich hörte icht; die Bäume der Landſtraße flogen an mir ei, ich ſah es nicht. Die Verzweiflung hatte ſich

er Sinne betäubt. Endlich kamen wir an, die

Zeilung.

Menſchenmenge wollte den Wagen nicht durchlaſſen. Ich ſprang hinaus und brach mir durch die Menge Bahn. Meine Ahnung hatte mich nicht betrogen. Ueberwältigt von dem Schmerz, welchen die Er⸗ innerung in ſeiner Seele wach rief, ſchwieg der Alte ſein ſtierer Blick, der auf dem Teppich zu ſeinen Füßen ruhte, hatte etwas Geiſterhaftes, Dämoniſches, vor welchem dem jungen Manne graute.

Kuno reichte erſchüttert dem Unglücklichen die Hand.

Ihr Haus ſtand in Flammen? fragte er.

Lichterloh! murmelte der Alte.Die ganze Straße war ein Flammenmeer. Ich rief mein Weib, mein Kind; die Umſtehenden zuckten die Achſeln, bis jetzt hatte noch Niemand einen Verſuch gemacht, ſie zu retten. Ich beſann mich nicht lange, ſchlug mit einer Axt die Thüre ein und eilte in das brennende Haus. Rauch quoll mir entgegen, die Flammen leck⸗ ten an den Wänden. Ich trat auf die Fallthüre, welche in den Keller führte, ſie brach unter mir ein, ich ſtürzte hinunter. Als ich zum Bewußtſein er⸗ wachte, ſah ich die Kellertreppe in Flammen. Zurück konnte ich nicht, hinaus ebenfalls nicht, denn die Luken waren vergittert und ſo eng, daß ſie kaum einer Katze Raum zum Durchſchlüpfen gewährten. Der Rauch, welcher den Keller füllte, drohte mich zu erſticken, ich hörte über mir das Lärmen und Rufen der Menge, das Kniſtern und Praſſeln der Flammen und das Krachen der ſtürzenden Balken. Zum zweiten Mal ſank ich bewußtlos zuſammen. Der Morgen graute, als ich wieder erwachte. Ueber mir war es ſtill, ich ſchloß daraus, daß man das Feuer gelöſcht hatte, und dachte über die Mittel nach, in's Freie zu gelangen. Die Treppe war nur zum Theil niedergebrannt, das Waſſer, welches ſich auf dem Flur anſammelte und von dort über die Treppe in den Keller rieſelte, hatte die Gluth gelöſcht. Vermittelſt einiger Fäſſer und 'gen, welche ich in dem Keller fand, gelang es mir, der usgang zu erreichen. Mein Haus war bis auf die Mauern niedergebrannt, die Leichen meines Wei⸗ bes und meines Kindes lagen unter der Aſche.

Sie fanden ſie? fragte Kuno ergriffen. 2

Nein, fuhr der Alte mit tonloſer Stimme for Als ich in das Haus drang, hatte das Feuen oberen Stockwerke, in welchen meine Familie ſie bereits ergriffen, gerettet war Nichts, konnte me unter ſolchen Umſtänden ein Zweifel über das Schick⸗ ſal meiner Lieben bleiben? Ich ließ meinen Blick eine Weile auf dem Schutthaufen ruhen und ſchritt in dumpfer Verzweiflung fort. Nur die Wächter, welche ſchlaftrunken an ihren Spritzen lehnten, ſahen mich davonſchreiten, ſie hielten mich für einen der Ihrigen.