Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
381
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bel in Dahomey ißt Menſchenfleiſch; ſie haben die Geſin⸗ nungen der Cannibalen: ſie ſind gewöhnt worden, ſich vom Morde zu füttern; wollte der König, den wir um Abſtellung dieſer Gebräuche bitten, unſer Verlangen bewilligen, ſo wür⸗ den die Gräber ſeiner Vorfahren mit ſeinem eignen Blute benetzt werden.

Während ſeiner Reiſe in Bonny beſuchte Reade mit ei⸗ nem Freunde den bekannten König Peppel. Von dieſem Beſuche erzählt er Folgendes:

Der Palaſt beſteht aus zwei oder drei Schoppen, die von einer Erdwand umgeben ſind. In einem dieſer Schop⸗ pen ſaß der Monarch, und die Scene war für die Muſe ſei⸗ nes Hofpoeten ganz geeignet. Die Afrikaner haben eine Vorliebe für Töpfergeſchirr, welche der Manie unſrer letzten Generation für altes chineſiſches Porzellan gleicht, und in ihren Augen gilt Hundefleiſch für eine beſondre Delicateſſe. Die Hunde werden von ihnen ausdrücklich dazu gezogen, um auf der Tafel zu erſcheinen, und Hundefleiſch iſt auf den Märkten zum Verkauf ausgeſtellt. Und dort ſaß König Pep⸗ pel, der ſo lange Zeit in England gelebt hat, hinter ihm ein Haufen altmodiſches Töpfergeſchirr und vor ihm eine Schüſ⸗ ſel mit geſchmortem Hundefleiſche und der üblichen Sauce. Mit dieſen Wilden iſt es immer ſo. Die von ihren Vorfah⸗ ren ererbten Inſtincte werden ſtets über einen Anflug von fremder Vernunft den Sieg davon tragen. Ihre Geiſtes⸗ kräfte haben eben ſowohl ein rete mucosum(das Schleim⸗ netz der äußern Haut) wie ihre Häute. So bald wie ſie in ihr eignes Vaterland zurückkehren, werfen ſie ihre Civili⸗ ſation und ihre Kleider bei Seite und ſie laſſen Leib und Geiſt nackend gehen. Wie die meiſten vornehmen Neger hat Peppel eine gelbe Geſichtsfarbe, ſo hell wie die eines Mulat⸗ ten. Seine Geſichtszüge drücken Intelligenz aus, aber von einer niedrigen und liſtigen Art. In jedem Worte und Blicke ſprach ſich der Argwohn aus, den man bei allen halb⸗ civiliſirten Naturen findet. Der Doctor, welcher augen ſcheinlich ein alter Freund war, erzählte ihm, daß ich eben erſt nach Afrika gekommen ſei. Peppel fragte ſogleich eifrig, ob ich die Abſicht habe, mich in Bonny niederzulaſſen. ich ſeine Frage verneinend beantwortete, zeigte er ganz deut⸗

lich, daß er ſich ungern in ſeiner Hoffnung getäuſcht ſah,

ſein shake-hands dash, wie das Geſchenk genannt wird, das jeder neue Handelsmann dem König macht, um ſich ſein Wohlwollen zu ſichern, zu erlangen. Ich fragte ihn dann, ob ihm Bonny oder England beſſer gefalle. Er gab mir die Antwort des Irländers, indem er die Frage an mich ſtellte, welches Land von Beiden ich vorziehe. Ich antwor⸗ tete enthuſiaſtiſch: Bonny! Hierauf lachte er nur ungläu⸗ big und bemerkte weiſe genug, Jedermann liebe ſein eignes Vaterland am meiſten. Jetzt rief der Doctor, der in Glas⸗ gow zu Hauſe und nicht zum Hofmann erzogen war, aus: Ei, Peppel, Sie ſind gerade ſo fett geworden, wie eine alte Sau! Der König ſtellte ſich taub.Ei! wiederholte der Doctor im Ernſte.Sie ſind nicht taub; Sie ſind aber ge⸗ rade ſo fett wie ein Schwein! Als Peppel ihm noch immer verſicherte, daß er kein Wort hören könne, wiederholte der Doctor das Compliment nicht, aber er ſagte ihm, er ſei nach Afrika gekommen, um wilde Thiere zu ſchießen. Das war für den höflichen Peppel ein wenig zu ſtark. Für einen Neger iſt nichts ſchwieriger zu begreifen, als die Manie vier füßige Thiere zu tödten, die in einigen europäiſchen Conſti⸗ tutionen aus einer periodiſchen zu einer chroniſchen wird. Und er wurde ſo ſchweigſam und mürriſch, daß wir uns ver⸗ pflichtet fanden, fortzugehen.

Als

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Eine Reiſe nach Gaboon verſchaffte Reade einen Ein⸗ blick in die urſprünglichen Grundſätze, nach denen in dieſem Theile Afrikas der Handel betrieben wird. Er theilt darüber Folgendes mit:

Eine Factorei in Gaboon iſt kein rieſiges Gebäude, das unaufhörlich Rauch ausſpeit und von beſtändiger Bewe⸗ gung der Maſchinen wiederhallt. Es iſt ein Haus von ei⸗ nem Erdgeſchoß, das von einer Palmenart, gewöhnlich Bam⸗ boo genannt, gebaut worden iſt. Es findet ſich darin eine geräumige mit tannenen Bretern gedielte Piazza, wo der Factor und ſeine Untergebenen ihre Mahlzeiten genießen. Zur linken Hand führt eine Thür nach der Küche; zur rechten Hand eine andre zum Saal und zu einem oder zwei Schlaf⸗ zimmern; in der Mitte iſt das Waarenlager. Hier kann man Ballen voͤn gewebten Stoffen aus Mancheſter, amerika⸗ niſchen Tabak in Blättern, Fäſſer mit grobem Schießpulver, Fäſſer mit Rum von der Küſte von Guinea und Schießge⸗ wehre aus Birmingham, ſo lang wie die alten Luntenſchlöſſer, deren Schafte hellroth gemalt ſind, ſehen. Um ſechs Uhr öffnet der Hausknecht das Magazin, und die Eingebornen drängen ſich herbei, um kleine Einkäufe in Glasperlen, bron⸗ zenen Stäben, thönernem Geſchirr und Rum zu machen. Der Commis ſitzt bei ſeinen Rechnungen; der Factor prüft die Bücher oder ſchreibt Briefe an die Häuſer, die er zu vertreten hat, oder er überwacht die Arbeiter, welche Fäſſer von dem Geſtade durch die Brandung heraufrollen. Dann kommen Boote an, die mit Hülfe der Landbriſe den Fluß herabge⸗ ſegelt ſind, und die ihre kleinen Ladungen von Landesproduc⸗ ten zum Verkauf bringen. Andere Boote werden mit euro⸗ päiſchen Waaren beladen und ſie warten einen Umſchlag des Windes ab, um im Innern des Landes Handel zu treihen. So wird in Gaboon und in den meiſten Orten längs der Seeküſte nach dem berühmten Creditſyſtem verfahren. Die Neger an der Seeküſte wiſſen ſich das Handelsmonopol zwi⸗ ſchen den Buſchmännern und den Weißen zu bewahren. Es würde für einen Eingebornen des Innern beinah eben ſo ſchwierig ſein, einen Artikel an einen Europäer zu verkaufen, wie es für einen Schriftſteller ſein würde, ohne die Hülfe eines Buchhändlers ſein Werk zu veröffentlichen. Da nun die Mpongwe ſelten reich genug ſind, um die Waaren zu kaufen, und da die Bedingungen der Buſchmänner nur Baar⸗ zahlungen ſind, ſo ſehen die Handelsleute ſich gezwungen, den Mpongwe eine gewiſſe Menge gewebte Stoffe, Tabak, Rum und Flinten auf Credit anzuvertrauen und ſie damit in's Innere des Landes zu ſchicken. Der Mpongwe wird dann ſeine Wohnung in einem Dorfe der Buſchmänner aufſchla⸗ gen, deſſen Oberhaupt ihn mit einem Hauſe, Lebensmitteln, ja ſelbſt mit einer Frau verſorgt. Die Buſchmänner gehen in den Wald, zerſpalten Ebenholz und Rothholz, ſammeln Bienenwachs, ziehen einen Saft aus einer Feigenart und trocknen die Milch von einer geringern Sorte Kautſchuk in Scheiben. Zuweilen wird es den Eingebornen anderer Dörfer verſtattet, ihre Beiträge herbeizubringen, während Elephanten⸗Zähne, die aus dem Innern herabgebracht und von Hand zu Hand gekauft und wieder verkauft worden ſind, zuletzt in den Beſitz des Mpongwe gelangen. Wenn derſelbe ſeine ſämmtlichen Waaren vertauſcht hat, ſo ladet er ſeine Güter in ſein Boot und kehrt in ſeine Factorei zurück, wo er ſeine reichlichen Commiſſionsgebühren erhält, die ebenfalls in Waaren bezahlt werden, denn baares Geld iſt in Afrika un⸗ ter dem Aequator nicht im Umlauf.

Reade beſuchte auch die Cannibalen in dem Kryſtall⸗ gebirge und erforſchte dort von einem alten Cannibalen den