Jahrgang 
01-25 (1864)
Seite
380
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380 Novellen⸗Zeitung.

Grunde, weil den freigelaſſenen Negern alle Vorrechte der engliſchen Bürger eingeräumt werden und ihre große Zahl

Staube des Palaſtes herumwälzt und nur zu ſprechen wagt, wenn er ſelbſt angeredet wird. Man behauptet, darin liege in den öffentlichen Angelegenheiten den Sieg über die Intel- eine tiefe Staatsklugheit, denn wenn das gemeine Volk ſehe, ligenz davonträgt. Die Beſchreibung, welche der Verfaſſer wie unterthänig der Adel vor dem König ſei, ſo fühle es gleich hier über die Neger mittheilt, wollen wir unſern Leſern keine Schande, ſelbſt Sclave zu ſein. Die Trunkenheit wird nicht vorenthalten. Er ſagt: V in Dahomey für eine Sünde gehalten, und der verſtorbene Der Neger ahmt den weißen Mann ganz in der Art König hielt ſich deshalb nach Art der alten Spartaner einen nach, wie der Affe den Neger nachzuahmen ſucht. In beiden Trunkenbold, der dem Rum ſehr ergeben war, damit ſein Fällen iſt der Erfolg Caricatur. Der reiche Neger in Sierra viehiſches Anſehn das Volk von dieſem Laſter zurückſchre⸗ Leone iſt gekleidet, als ob er ein Bad in einem Regenbogen mcken ſollte. genommen hätte; und ſeine Manieren ſind ſo geſpreizt und Die empörende Sitte des Siquiahi oder Blutopfers hochtrabend, daß eine genaue Nachahmung derſelben ſogar für die Vorfahren des Königs wird nach der Anſicht unſres

in der ſtärkſten Poſſe als eine arge Uebertreibung des Cha⸗ Reiſenden wahrſcheinlich noch viele Jahre fortdauern. Das⸗ rakters betrachtet werden würde. Am komiſcheſten von Allem

4. iſt aber die Art, wie die Neger ſich mit dem Mutterlande identificiren. Wenn man ſie ſprechen hört, ſo ſollte man glauben, ihre Vorfahren ſeien mit Wilhelm dem Eroberer

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ſich den ganzen Ruhm unſrer Geſchichte aneignen, wird die folgende Anekdote beweiſen. Als der franzöſiſche Conſular⸗ agent vor einiger Zeit die Grenzen des Landes verletzt hatte, wurde ein Verhaftsbefehl gegen ihn erlaſſen. Da er die Juſtizmacht ſehr verachtete, ſo bewaffnete er ſich mit ein paar Piſtolen und forderte ſie mit der Miene eines Briganten auf der Victoria heraus.Ach! riefen die beiden Conſtabler, die ſchnell zurückwichen,wir fürchten uns nicht vor Ihnen, einem verdammten Franzoſen. Ich glaube, Sie vergeſſen, daß wir bei Waterloo geſiegt haben. Heh?

In der Republik derfarbigen Gentlemen, Liberia, fand Herr Reade in der Hauptſtadt ein Wirthshaus, deſſen Eigeenthümer Prediger und Mitglied der Mäßigkeitsgeſell⸗ ſchaft war, in dem man aber Ale, Porter, Wein und Kirſch⸗ branntwein haben konnte.

Von Liberia aus beſuchte er zunächſt die beiden mäch⸗ tigſten Staaten des weſtlichen Afrika Aſhantee und Da⸗ homey und aus dieſen Staaten weiß der Verfaſſer uns manches Traurige vom afrikaniſchen Leben zu erzählen. Es hat den Anſchein, als ſei es in Aſhantee dem Könige verbo⸗ ten, mehr als dreitauſend dreihundert und drei und dreißig Weiber zu haben, die faſt ſämmtlich geraubte Sclavinnen ſind. Die Bewohner von Aſhantee haben eine Art von Taufritus, welcher von dem Vater vollzogen wird, wenn das Kind acht Tage alt iſt. Der Vater ſprützt dann dem Kinde einen Mund voll Rum ins Geſicht und ruft dasſelbe bei dem Namen eines Verwandten oder eines intimen Freundes.

In dem angrenzenden Staate Dahomey waren viele ſonderbare Gebräuche zu beobachten. Wenn ein Hahn krähet, ſo hat er das Leben verwirkt, und da es in der Natur der Hähne liegt, daß ſie krähen, ſo wird ihnen in einer ſinn⸗ reichen Art der Schnabel zugebunden. Der König von Dahomey iſt eben ſo wie ſein königlicher Bruder in Aſhantee der geſetzliche Erbe Jedermanns in dem Königreiche. Man braucht dort keine Advocaten, denn jeder Neger ſcheint eben ſo ſchlau zu ſein wie ein Sachwalter mit einer ſtarken Pra⸗ vis und eben ſo beredt wie ein Profeſſor. So wurde z. B. einem Manne von dem Hunde eines andern Mannes ein Huhn todt gebiſſen, und drei Jahr ſpäter reichte er deshalb eine Klage ein, doch nicht blos um des Huhnes willen, ſon⸗ dern auch wegen der Eier, die es in den drei Jahren gelegt haben, und der Küchlein, die aus den Eiern ausgebrütet wor⸗ den ſein würden. Das Volk kriecht vor den Vornehmen im Staube, während der Adel bei den Vorſtellungen am Hofe ſich nur auf allen Vieren dem König nähert, ſich in dem

ſelbe wird in folgender Art gefeiert: In der Mitte des Marktplatzes wird eine große Terraſſe

errichtet und mit einer etwa vier Fuß hohen Bruſtwehr um⸗ geben. Auf dieſer Terraſſe giebt es Zelte, ſehr große aufge⸗

nach England herübergekommen, und in welchem Grade ſie ſpannte Regenſchirme, Fahnen, Tücher und alle Zeichen des

Reichthums und der Macht der Nation. Eben ſo finden ſich Haufen von Cowries(kleine Muſcheln, die als Scheidemünze dienen), Tabak und Fäßchen voll Rum vorräthig, um unter das gemeine Volk vertheilt zu werden; die bei der Ceremonie anweſenden Frauen des Königs ſind ſo ernſthaft wie die ſpaniſchen Damen bei einem Stiergefecht; eben ſo ernſthaft ſind die Opfer ſelbſt, mit deren Blut die Gräber der Vor⸗ fahren des Königs benetzt werden ſollen. Unten findet ſich ein wilder und nackender Pöbel. Wenn die Geſchenke, mit

welchen der König in einer indirecten Art ſeine Krieger be⸗

zahlt, unter dieſelben geworfen und von ihnen an ſich geriſ ſen worden ſind, werden die Opfer mit weißen Mützen auf ihren Köpfen und in kleinen Kähnen feſt gebunden an den Rand der Bruſtwehr getragen, und der Pöbel ruft:Füttre uns, König! Füttre uns, König! denn wir ſind hungrig! Hierauf werden die Opfer über die Bruſtwehr hinabgewor⸗ fen, wo die unten ſtehenden Leute dann ihrem Leben ein Ende machen. Beſchreibungen dieſer empörenden Sitte ha⸗ ben von Zeit zu Zeit England erreicht, wo ſie einen ſehr tie⸗ fen Eindruck hervorgebracht haben.

Es ſind Miſſionen an den König in der Hoffnung ab⸗

geſchickt worden, daß man ihn dazu werde beſtimmen können,

dieſe Barbareien abzuſchaffen. Sie ſind mißglückt und ſie werden immer und unvermeidlich mißglücken, was Alle, die mit den afrikaniſchen Staatsverfaſſungen bekannt ſind, zuge⸗ ſtehen werden. Menſchenopfer werden von allen heidniſchen Nationen Afrikas begangen; je mächtiger die Nation iſt, um deſto größer iſt das Opfer. wie es ſich in allen Religionen des Alterthums fand. Die Druiden, die ägyptiſchen Prieſter, unſre großen Lehrer der alten Welt, duldeten Menſchenopfer. Selbſt in den Tagen des Themiſtokles wurden drei junge Griechen geopfert. Die Afrikaner haben zuweilen ſehr aufgeklärte Könige, wie die alten Barbaren ihre Weiſen und Prieſter hatten. Es ſteht aber ſelten in der Macht des Oberhauptes eines Volkes, jene Gebräuche abzuſtellen, welche ſeit undenklichen Zeiten für geheiligt gehalten worden ſind. Die Despoten Afrikas ſind Geſetzen unterworfen, welche grauſamer und erbarmungs⸗ loſer ſind als ſie ſelbſt. Es iſt ihnen nicht erlaubt, öffent⸗ lich zu eſſen oder zu trinken; in manchen Fällen dürfen ſie ſich nicht einmal ſehen laſſen, und deshalb geben ſie zu den Bittſchriften ihrer Unterthanen ihre Einwilligung, indem ſie einen ihrer Füße unter einem Vorhang hervorſtrecken. Wollten ſie ſich gegen dieſe Gebräuche empören, ſo würden ſie entthront werden. Vox populi, vox diaboli. Der Pö⸗

Es gehört zur Religion Afrikas,

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